Leben

Macht Meditieren netter?

Netter dank „Ohm“: Kann Meditieren die Persönlichkeit ändern? /Bild: Fotolia
Macht Meditieren netter?
Catharina Kaiser

Meditieren liegt im Trend, denn es hat nachweislich eine ganze Reihe positiver Effekte auf Körper und Geist. Nicht nur weil man sich dabei entspannt und somit den alltäglichen Stress zumindest kurzfristig ausblenden kann, sondern auch, weil sich Atmung und Kreislauf stabilisieren. Allerdings soll sich Meditieren nicht nur auf derartige Bereiche auswirken. Einer neuen Studie zufolge könnte es Menschen tatsächlich netter machen. Profitiert neben der mentalen Gesundheit also auch die Persönlichkeit vom „Ohm“?

Meditieren Sie sich netter?

Neben gesundheitlichen Effekten von Meditation befassen sich immer mehr Forschungen mit dem sozialen Nutzen eben dieser. „Meditieren macht glücklich, netter, weniger egoistisch und rücksichtsvoller gegenüber anderen“, erklärt Robert Wright, Autor von Why Buddhism Is True. Demzufolge könnte die Praktik der Meditation sowohl Aggressionen als auch den Tribalismus bekämpfen, oder sie zumindest reduzieren. Diese Annahme steht allerdings in völligem Gegensatz zu historischen Belegen. So hätten Krieger vor Schlachten meditiert. Allerdings nicht um etwa netter und sanftmütiger zu sein, sondern um effektiver kämpfen zu können. Diese Technik wird auch heute noch von US-Soldaten angewandt. Eine neue und in Scientific Reports veröffentlichte Studie stellt nun die Behauptung, Meditieren würde netter machen, in Frage. Unter dem Titel “The limited prosocial effects of meditation“ untersuchten die Psychologen Ute Kreplin, Miguel Farias und Inti Brasilien eine durchaus weit verbreitete Behauptung, welche dem Dalai Lama zugeschrieben wird. „Sofern jeder Achtjährige Meditation lernen würde, wäre die Welt binnen einer Generation gewaltfrei“, heißt es. Das Ziel der Studie bestand also darin zu untersuchen, ob der Einsatz meditationsbasierter Techniken zu einer Verbesserung der Prosozialität führen könnte. Mit anderen Worten, ob Meditation per se die Welt zu einem besseren, weniger aggressiven und mitfühlenden  Ort machen könnte.

Von antisozial zu prosozial?

Um dies herauszufinden untersuchten die Forscher tausende Studien über die positiven Auswirkungen von Meditationen. Anschließend wurde die Liste an brauchbaren Studien auf 22, mit insgesamt 1.685 Teilnehmern, reduziert. Dazu gab es eine Kontrollgruppe bestehend aus Teilnehmern, welche entweder überhaupt nicht meditieren, oder sich auf der Warteliste für einen Kurs befanden. Dabei wurden die Auswirkungen von prosozialen und antisozialen Merkmalen wie  Mitgefühl, Empathie, Verbundenheit, Aggression und Vorurteile beobachtet. Auch wenn einige Studien genau diesen Zusammenhang bestätigten, so waren die Forscher skeptisch, da viele der Studienautoren selbst Meditationstrainer waren und somit das Risiko einer Befangenheit nicht ausgeschlossen werden kann. Anhand einiger Experimente und Tests konnten die Forscher jedoch keine Verbesserungen in Sachen Mitgefühl oder Empathie erkennen. Es schien sogar als hätte Mediation nur einen sehr geringen Einfluss auf die Persönlichkeitsmerkmale der Studienteilnehmer. „Es könnte zwar durchaus möglich sein, dass sich Menschen durch das Meditieren tatsächlich emphatischer fühlen, doch die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Effekte zumindest teilweise das Ergebnis methodischer Schwächen sind, wie Voreingenommenheit durch den Meditationslehrer“, erklärt Miguel Farias. Dass alle Menschen, sofern sie nur meditieren würden, endlich netter wären und ein bisschen weniger grummeln, ist und bleibt also leider ein Wunschtraum – schaden tut es einem aber dennoch nicht.