Gesundheit

Masern & Co. am Vormarsch: Wieso Impfen so wichtig ist

Die Zahl der Keuchhusten-Fälle hat sich von 2015 auf 2017 mehr als verdoppelt. /Bild: Fotolia
Masern & Co. am Vormarsch: Wieso Impfen so wichtig ist
Trixi Kouba

 Schwere Infektionskrankheiten wie Masern, Keuchhusten oder Diphtherie erleben gerade eine unerwünschte Renaissance. In Europa ist seit einigen Jahren ein dramatischer Anstieg von Infektionen und Ausbrüchen zu verzeichnen, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Um Infektionen zu verhindern, müsse dem „negativen Impfpopulismus“ entgegengetreten werden. Jedes Alter braucht seine Impfung, von der Phase als Neugeborenes über die Kindheit und Jugend, bis hin zur Schwangerschaft und zum hohen Alter“, betont Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien. Angesichts dessen forderten die ExpertInnen von MedUni Wien, Österreichischer Ärztekammer und Österreichischer Apothekerkammer auf einer Pressekonferenz am Mittwoch, dass Impfen wieder „in“ sein muss und mangelhafter Impfschutz als gesellschaftliches Problem betrachtet wird.

„Jedes Todesopfer wäre mit Impfung zu verhindern gewesen“

„Nur mit einem entsprechenden Grundverständnis können wir erreichen, dass jede/r Einzelne auch die Verantwortung für das Ganze übernimmt, um so Erkrankungen und Todesraten durch Infektionskrankheiten verhindern und verringern zu können“, ergänzt sie. Allein im ersten Halbjahr 2018 gab es laut Welt-Gesundheitsorganisation WHO in Europa mehr als 41.000 Masernfälle mit 37 Todesopfern. „Jedes dieser Opfer wäre mit einer Impfung zu verhindern gewesen.“ Viele Menschen würden etwa Masern als „Kinderkrankheit“ fehlinterpretieren und daher als etwas „Leichtes“ abtun oder generell das Impfen aus Unwissenheit als „unnatürlich“ ablehnen.

Zeitgeist Egoismus?

vaccine1

Ein erster Schritt, so Wiedermann-Schmidt, müsse die Impfverpflichtung für alle Menschen sein, die in Gesundheits- und Sozialberufen arbeiten: „2017 betrafen Masernerkrankungen nahezu 20 Prozent des Gesundheitspersonals in Österreich – ein unhaltbarer Zustand.“ Abgesehen vom Eigenschutz und Schutz des Patienten bzw. der Patientin müssten ÄrztInnen, Pflegepersonal sowie ApothekerInnen als starkes Vorbild vorangehen, um die Bevölkerung zu motivieren, sich auch impfen zu lassen. Nur der Individualschutz führt auch zum Kollektivschutz.  Wiedermann-Schmidt: „Doch leider stellen wir fest, dass der Zeitgeist ‚Egoismus‘ heißt – auch beim Impfen. Jede/r schaut nur auf sich, als wäre er oder sie nicht Teil eines sozialen Gefüges. Aber nur, wer sich selbst schützt und impfen lässt, schützt auch alle anderen Menschen im persönlichen Umfeld und verhindert so Impflücken. Das versteht man unter sozialer Eigenverantwortung, die für jeden selbstverständlich sein sollte.“

Keuchhustenfälle in den letzten Jahren verdoppelt

Die Masernproblematik ist zweifellos dramatisch, darf aber nicht von anderen durch Impfung vermeidbaren Erkrankungen ablenken, sagte der Leiter des Impfreferats der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Rudolf Schmitzberger. So habe sich etwa die Zahl der Keuchhusten-Fälle von 2015 auf 2017 mehr als verdoppelt. „Die Krankheit breitet sich fast so rasant wie Masern aus. Die Symptome bei Kindern und Erwachsenen werden oft erst spät richtig interpretiert. Ein ausreichender Impfschutz ist daher speziell für sensible Personengruppen wie Schwangere besonders wichtig.“

Kleine schützen Grosse

vaccine2

Zwei Drittel der Zwei- bis Dreijährigen trügen auch Pneumokokken-Keime unbemerkt in sich und würden so zur potenziellen Lebensgefahr für ihr Umfeld. „Gegen Pneumokokken gibt es mittlerweile einen breiter wirksamen 13-fach-Impfstoff, den bereits mehr als 100 Länder übernommen haben. Auch unser Gratis-Kinderimpfprogramm sollte vom jetzigen 10-fach- Impfstoff auf diesen Impfstoff umsteigen“, fordert Schmitzberger. Influenza werde ebenfalls großteils von Kindern übertragen, die Impfung müsste daher dringend ins Impfprogramm aufgenommen werden. „Kleine schützen Große: Sind die Enkel geimpft, sind nicht nur sie selbst, sondern auch die Eltern und Großeltern vor Erkrankungen geschützt“, so sein Fazit.