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Masern in Europa am Vormarsch

Die Zahl der Masern-Fälle ist in Europa seit diesem Jahr drastisch gestiegen. /Bild: Fotolia
Masern in Europa am Vormarsch
Paulin Klärner

Seit Beginn diesen Jahres ist die Zahl der Masern-Erkrankungen in Europa drastisch gestiegen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden im ersten Halbjahr 2018 rund 41.000 Krankheitsfälle dokumentiert, von denen mindestens 37 tödlich endeten. Im Vergleich zu den beiden Jahren davor eine bedenkliche Entwicklung: „Nach der niedrigsten Zahl der Fälle im Jahr 2016 erleben wir einen dramatischen Anstieg von Infektionen und ausgedehnten Ausbrüchen“, so Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für den europäischen Raum.

2018 doppelt so viele Fälle wie im gesamten Vorjahr

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Während laut WHO und Statista 2016 in Europa nur knapp 5000 Fälle registriert wurden, waren es 2017 bereits rund 24.000. Im Zeitraum von Januar bis Juni 2018 wurden etwa doppelt so viele Erkrankte verzeichnet wie im gesamten Vorjahr. Auch in Österreich und Deutschland kam es zu einem Anstieg der Infektionsrate. In den ersten sechs Monaten diesen Jahres wurden in Deutschland laut dem Berliner Robert Koch-Institut (RKI) knapp 400 Masernfälle dokumentiert, in Österreich waren es bis dato etwa 62.

Krisengebiete als Risikofaktor

Schuld an der rasanten Ausbreitung der Masern sei unter anderem die geringe Impfrate und Überwachung der Krankheit in einigen europäischen Ländern. Laut dem WHO-Bericht, der diese Woche in Kopenhagen veröffentlicht wurde, breiten sich die Viren vor allem in von Konflikten zerrütteten Gebieten aus, in denen eine Impf-Routine nicht mehr möglich ist. So etwa in Ungarn, wo seit Beginn des Jahres rund 23.000 Erwachsene und Kinder, also mehr als die Hälfte der 2018 dokumentierten Infizierten, an Masern erkrankt sind.

Hochansteckend

Die Masern-Viren werden über Schmier- und Tröpfcheninfektion, beispielsweise beim Sprechen, Husten oder Niesen übertragen, weshalb die Wahrscheinlichkeit, sich beim Kontakt mit einem Infizierten anzustecken, extrem hoch ist. Die Symptome reichen von Grippe-ähnlichen Beschwerden im ersten Stadium über den charakteristischen Hautausschlag im Hauptstadium bis zu möglichen Komplikationen, wie – im schlimmsten Fall – einer Hirnhautentzündung. Die Inkubationszeit (die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit) beträgt normalerweise zwischen acht und zwölf Tagen.

Vorsicht ist besser als Nachsicht!

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Eine konkrete Behandlungsmethode für die Masernerkrankung gibt es nicht – die einzige Möglichkeit, sich effektiv vor dem Virus zu schützen ist die rechtzeitige Impfung. Diese sollte das erste Mal ab dem 10. oder 11. Lebensmonat und darauffolgend etwa 3-4 Monate später erneut durchgeführt werden. Hierbei ist die zweite Teilimpfung von zentraler Bedeutung für die Wirksamkeit des Impfstoffes. Auch Erwachsene, die im Kindesalter nicht oder nur einmal geimpft wurden, noch nicht an Masern erkrankt sind (und so eine Immunität entwickelt haben könnten), können sich noch gegen den Virus impfen lassen. In diesem Fall gilt nämlich: Umso später man sich mit Masern ansteckt, desto schwerwiegender der Krankheitsverlauf. Um die Viren auf unserem Planeten ein für alle Mal auszurotten, müsste die Bevölkerung eine Immunität von etwa 95 Prozent aufweisen.

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