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Meist problematisch, manchmal nützlich: Spannende Fakten zu den Weisheitszähnen

Weisheitszähne erfüllten vor Tausenden von Jahren tatsächlich einmal wichtige Kaufunktionen – heute sorgen sie in einem Großteil der Fälle jedoch für (schmerzhafte) Komplikationen./ Bild: Fotolia
Meist problematisch, manchmal nützlich: Spannende Fakten zu den Weisheitszähnen

Sie brechen im Erwachsenenalter als letzte Zähne in unserem Kiefer hindurch, machen dabei sehr häufig Probleme und sind nicht bei allen Menschen vorkommend: die Weisheitszähne oder „dritten Molaren“. Meist erscheinen sie im jungen Erwachsenenalter und müssen häufig wieder gezogen werden – doch warum wachsen sie eigentlich und können sie in manchen Fällen auch problemlos behalten werden?

Ein Relikt aus der Evolution

stone age

Ursprünglich erfüllten die Weisheitszähne bei Menschen der Steinzeit eine wichtige Aufgabe als kräftige Mahlwerkzeuge, als man sich noch von Wurzeln, Blättern und rohem Fleisch ernährte. Vor etwa 800.000 bis 200.000 Jahren begann jedoch allmählich das Gehirn des Menschen zu wachsen – dadurch kam es zu einem steigenden Platzmangel im Kiefer. Ein Hauptgrund also, warum diese heute in vielen Fällen extrahiert werden müssen, da sie andere Zähne verdrängen, verschieben oder sich nicht hinreichend in die Zahnreihe integrieren können. Weisheitszähne, die keinen Platz im Kiefer haben, bleiben häufig im Kiefer stecken, ein Durchbruch ist manchmal unmöglich. Erstmals entdeckte man einen nicht durchgebrochenen Zahn vor etwa 15.000 Jahren bei Ausgrabungen eines Skelettes einer etwa 25-35-jährigen Frau.

Entfernung nicht immer notwendig

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Grundsätzlich wurden die Weisheitszähne in den vergangenen Jahrzehnten häufig bereits präventiv entfernt, um mögliche spätere Komplikationen zu verhindern. Heute ist hier vielerorts eine kleine Trendwende erkennbar und viele Zahnärzte warten erstmal ab, wie sich die Weisheitszähne entwickeln. Manchmal können sie später auch verlorene Zähne ersetzen. Leider kommt es in einem Großteil der Fälle jedoch dennoch früher oder später zu Problemen: Ob halbeingewachsene Molare, die für Entzündungen am Zahnfleisch sorgen, eine schlechte Hygiene-Erreichbarkeit oder auch kieferorthopädische Problem – häufig müssen sie schließlich doch raus. Auch, wenn Komplikationen bei Weisheitszahnextraktionen heute selten sind: In jedem Fall empfiehlt es sich, das Risiko einer Operation mit der Notwendigkeit derselben gewissenhaft abzuwiegen.

wisdom

Variable Anzahl von Zähnen und Wurzeln

Während manchen Menschen mit gleich vier – oder in seltenen Fällen auch etwas mehr– Weisheitszähnen gesegnet sind, sind sie bei anderen gar nicht angelegt. Die Ursachen liegen nicht nur in der Ethnizität – so haben etwa Afroamerikaner und Asiaten etwas wahrscheinlicher als Europäer weniger als vier dritte Molare – sondern auch direkt in den Genen. Genauer lassen sich die Unterschiede in genetischen Mutationen finden. Auch die Anzahl der Wurzeln kann bei Weisheitszähnen mehr oder minder variieren – für die Extraktion am besten geeignet sind sie, wenn sich die Wurzeln noch nicht zu stark im Kiefer verankert haben.

Durchbruch in jedem Alter möglich

Sie sorgen für Überraschungen und sind von Natur aus unberechenbar. Auch wenn es eher selten vorkommt, werden manche Menschen noch in einem fortgeschrittenen Alter von ihren Weisheitszähnen „beglückt“. Oft sorgen sie sogar im Alter noch für richtige Komplikationen, was häufig ihre operative Entfernung nötig macht. So verzeichnet Guinness World Records den Rekord einer Weisheitszahnextraktion bei einer Person im Alter von 94 Jahren.

Was Weisheitszähne in Korea mit der Liebe zu tun haben

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„Liebeszähne“, so werden die dritten Molaren poetisch in Korea genannt. Während im Englischen und Deutschen die „Weisheit“ durch ihr Durchbrechen im späteren Alter in den begrifflichen Fokus gerückt wird, ist es in asiatischen Ländern eben die Liebe. Grund dafür ist, dass im Alter, in dem sie durchbrechen (also etwa zwischen 20 und 30) häufig die erste Liebe zwischen Menschen entflammt. Doch romantisch, so finden wir, sind die dritten Molaren, meist dennoch ganz und gar nicht…