Gesundheit

Metallhaltige Chemotherapien verstärken Wirkung der Krebs-Therapie

Metall-Chemotherapien können die Immuntherapien verstärken, weil sie unter anderem die Krebszellen „sichtbarer“ machen. /Bild: Fotolia
Metallhaltige Chemotherapien verstärken Wirkung der Krebs-Therapie
Trixi Kouba

Metallhaltige Chemotherapien werden aufgrund ihrer stark tumorabtötenden Wirkung häufig in der Krebstherapie eingesetzt. Wegen der zellschädigenden Wirkung auch gegen sich teilende gesunde Zellen, wurde bisher eher eine Schädigung des Immunsystems angenommen. Ein von der Universität Wien gemeinsam mit der MedUni Wien aufgebaute Forschungscluster belegt nun in einem wissenschaftlichen Übersichtsartikel das Gegenteil: Metall-Chemotherapien können die Immunantwort gegen Krebs und somit Immuntherapien sogar verstärken, unter anderem weil sie die Krebszellen „sichtbarer“ machen und hemmende Immunkomponenten eliminieren. Der Artikel erschien im „Chemical Reviews“.

Der Forschungscluster beleuchtete über 1.300 wissenschaftliche Artikel, die sich mit der Interaktion zwischen dem Immunsystem und metallhaltigen Chemotherapien befassen. Neben Publikationen der vergangenen 30 Jahre diskutieren Hauptautor Walter Berger von der MedUni Wien und seine KollegInnen auch neue Aspekte und erstellen eine umfassende Bestandsaufnahme.

Kombinationstherapien sind die Zukunft

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Walter Berger, stellvertretender Leiter des Instituts für Krebsforschung der MedUni Wien, Mitglied des Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien und einer der beiden Leiter des interuniversitären Forschungsclusters: „Das Ergebnis zeigt klar, dass die Kombination von metallhaltigen Chemotherapien und Immuntherapien zu den vielversprechendsten Therapiekonzepten der Gegenwart und Zukunft gehört.“

Das Immunsystem austricksen

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Die Erklärung hinter dieser Erkenntnis: Jeder Krebserkrankung geht ein langer Kampf des Immunsystems mit den potentiellen Krebszellen voraus, den das Immunsystem schließlich verliert. Grund dafür ist, dass es dem Tumor gelingt, entweder generell nicht als fremd erkannt zu werden oder die Immunzellen zu kontrollieren und ruhig zu stellen. Metall-Chemotherapien zerstören nun nicht nur Tumorzellen, sondern bevorzugt auch die gleichsam „ausgebrannten“ oder hemmenden Komponenten des Immunsystems. Als Reaktion darauf erneuert sich das Immunsystem aus Stammzellen, wodurch es quasi verjüngt und funktionstüchtig den Kampf gegen den Krebs wieder aufnimmt.

Daher erhöht die metallhaltige Chemotherapie auch die Wirkung von Immuncheckpoint-Inhibitoren. Der Grund: Tumorzellen gehen aus Körperzellen hervor. Das Immunsystem ist darauf trainiert, körpereigene Zellen zu verschonen, und kann Tumorzellen daher nur schwer bis gar nicht erkennen. Metallhaltige Chemotherapien töten nun die Tumorzellen ab, die sich im Prozess des Zerfalls verändern. Diese Andersartigkeit macht sie für das Immunsystem wieder sicht- und angreifbar, ein Mechanismus der als „immunogener Zelltod“ bezeichnet wird. Parallel dazu „versuchen“ die Tumorzellen auch auf Basis erhöhter Mutationsrate der Wirkung des Chemotherapeutikums zu entgehen. Jede der so entstehenden neuen Mutationen hat aber das Potential vom verjüngten Immunsystem besser erkannt zu werden. Somit scheinen chemoresistente Tumorzellklone vom Immunsystem bevorzugt angegriffen zu werden.

Quelle: MedUni Wien