Partnerschaft

„Micro-Cheating“: Das Mini-Fremdgehen im Social Media-Zeitalter

Mit Social Media und Co eröffnen sich beim "Fremdgehen" ganz neue Dimensionen/ Bild: Fotolia
„Micro-Cheating“: Das Mini-Fremdgehen im Social Media-Zeitalter
Paulin Klärner, BA

Geht es um die Frage, wo Fremdgehen beginnt, variieren die Antworten wohl stark. Für manche fühlt sich schon Blickkontakt mit anderen Personen wie Betrug an, andere sprechen wiederum erst von Fremdgehen, wenn Sex oder „echte Gefühle“ im Spiel sind. Aber eines ist wohl klar: Durch die sozialen Medien hat sich wohl – auch wenn es ums Fremdflirten geht – eine Türe in eine Welt der unbegrenzten Möglichkeiten geöffnet.

„Angebandelt“ wird heute via Social Media

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Fragt man Teenies, heißt das neue „Tinder“ längst „Instagram“ oder „Snapchat“ – wer wem wann und wie oft Likes schenkt, sagt demnach viel darüber aus, was er/sie von dieser Person hält und will. Doch nicht nur bei den pubertierenden Mitgliedern unserer Gesellschaft wird gerne mit Likes und Co in den sozialen Medien gespielt – der Begriff „Micro Cheating“ war demnach wohl schon lange überfällig.

„Micro-Cheating“: Mini-Fremdgehen im Netz

Die australische Paartherapeutin Melanie Schilling hat diesen Begriff offiziell als erste benutzt und beschreibt damit all die kleinen „Handgriffe“, die man (in einer Beziehung lebend) online so macht, um mit anderen Personen in Flirt-Kontakt zu treten. Von Likes für eine Person, die einem gefällt über persönliche Nachrichten via Facebook und Co bis hin zum unverbindlichen Surfen auf Datingapps. Alles Dinge, die mit „tatsächlichem Fremdgehen“ auf den ersten Blick nichts gemein haben – jedoch nicht selten als Vorstufe dazu dienen.

Laut der eHarmony-Datingexpertin Rachael Lloyd haben Menschen heutzutage „…durch den technologischen Fortschritt und die Vielzahl der verfügbaren Plattformen (…) oft das Gefühl, dass es eine endlose Auswahl gibt. Diese Wahl kann Leute manchmal dazu bringen, toxische Entscheidungen zu treffen“. Heimliche Chats, Freundschaftsanfragen mit Hintergedanken und flirty Kommentare und Likes können demnach schon in eine problematische und vor allem neue, unerforschte Richtung gehen, über die in den meisten Partnerschaften wohl nicht automatisch gesprochen wird. Man hält sich alle Möglichkeiten offen, testet, was gehen könnte und kann diese und ähnliche Dinge ganz gemütlich abchecken, während man neben seinem Partner/seiner Partnerin im Bett liegt. Kurz: Flirten war nie einfacher!

Was geht zu weit?

Wie auch wenn es um Treue in der „echten Welt“ geht, ist es wichtig, auch diese Thematik in einer Partnerschaft offen zu kommunizieren. Wo fängt Flirten an? Wie viel Flirten ist erlaubt? Was ist die Intention hinter dem Flirt? Diese und ähnliche Fragen sollten mit sich selbst und dem Partner abgeklärt werden, wenn man sich ein ehrliches, kommunikatives Miteinander wünscht. „Die moderne Datingwelt kann ein Minenfeld sein, aber klare Kommunikation kann wirklich helfen.“, so Lloyd im Interview mit Yahoo.