Gesundheit

Mikrobiom: Interessante Fakten zu einer „kleinen, großen Vielfalt“ in unserem Körper

Eine faszinierende kleine Welt: In und auf unserem Körper leben mehr Mikroorganismen, als wir Zellen besitzen. /Bild: Fotolia
Mikrobiom: Interessante Fakten zu einer „kleinen, großen Vielfalt“ in unserem Körper

Unser Mikrobiom: Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine ganze Vielfalt an Mikroben wie Bakterien, Pilzen und Einzellern, die den menschlichen Organismus besiedeln. Sie interagieren nicht nur unter sich, sondern auch mit uns und sind für unsere Gesundheit von besonderer Bedeutung.

Steriler Fötus

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Ursprünglich werden wir bakterienfrei geboren, jedoch in den ersten Lebensjahren von einer Vielzahl von Mikroben besiedelt – sogar in höherer Zahl, als jener unserer eigenen Körperzellen. Die erste Menge an Mikroben erwerben Neugeborene bei einer natürlichen, vaginalen Geburt. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass hingegen durch einen Kaiserschnitt zur Welt gebrachte Babys ohne Mikrobenerwerb ein höheres Risiko für bestimmte Allergiearten sowie für Fettleibigkeit hätten. Etwa im Alter von drei Jahren kommt es zum bedeutendensten Mikrobenerwerb: in dieser wichtigen Zeit entwickeln sich Stoffwechsel, Immun-, Fortpflanzungs- und Kognitionssystem.

Von den Guten und den Schlechten

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Ohne Zweifel können uns gewisse Mikroben wie Bakterien, Pilze oder auch Viren krank machen und unter Umständen sogar lebensbedrohlich werden. Andere wiederum spielen eine essentielle Rolle für unsere Gesundheit. An erster Stelle stehen hier wohl die Darmbakterien, welche die Darmflora bilden. Diese besitzt vielfältige Aufgaben wie etwa den Abbau von Schadstoffen, die Bildung von Vitamin K und bildet den „Sitz des Immunsystems„. Auch die gesunde Vaginalflora, die sich in erster Linie aus Milchsäurebakterien zusammensetzt, bildet einen wichtigen Schutz gegen Krankheitserreger und hält damit nicht nur die Vagina selbst, sondern auch die Harnwege gesund.

Manche Bakterienarten, wie etwa „Helicobacter pylori“, werden in ihrem Wirken ambivalent betrachtet: Sie stehen vor allem im Verdacht, an der Entstehung von Gastritis und Magengeschwüren beteiligt sein. Dennoch besitzen viele Menschen den Keim ohne Symptome. In der Regel wird Helicobacter pylori bei Beschwerden mit einer Antibiotikakur behandelt, obwohl Forscher wie der Mikrobiologe Martin Blaser inzwischen herausfinden konnten, dass das Fehlen des Keims auch mit bestimmten Krankheiten wie Refluxösophagitis assoziiert werden könne.

Antibiotika – Fluch und Segen zugleich?

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Mit der Entdeckung des ersten Antibiotikums –Penicillin – gelang Alexander Fleming im Jahr 1928 ein Durchbruch in der Medizin: Schwere Bakterielle Infekte konnten nun erstmals effektiv geheilt werden. Mittlerweile findet in der Medizin bereits ein teilweises Umdenken statt: Antibiotika kommen vor allem aufgrund der steigenden Zahlen an Resistenzen vorsichtiger zum Einsatz. Bilden Bakterien Resistenzen gegenüber Antibiotika, kann dies schwerwiegende Folgen für Erkankte haben, da diese wirkungslos werden und pathogene Keime nicht mehr bekämpfen können. Besonders gefährlich ist in diesem Kontext der inzwischen antibiotikaresistente Keim MRSA. Auch und vor allem in Bezug auf unser gesundes Mikrobiom sollte eine Antibiotikatherapie nur mehr sehr reflektiert erwogen werden: Studien konnten belegen, dass diese nicht nur zu einer Schädigung der Darm- und Vaginalflora führe, sondern auch Krankheiten wie Asthma und Fettleibigkeit begünstigen könne.

Probiotika – essentiell, doch manchmal überschätzt

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Unter Probiotika werden lebende Mikroorganismen verstanden, welche unser Mikrobiom positiv beeinflussen können. Ihre Einnahme durch Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt sich vor allem nach einer Antibiose, einer Antibiotika-Therapie, um die gesunde Darmflora wieder aufzubauen. Hierbei sollte immer auch an den Aufbau der Vaginalflora mit Milchsäurebakterien gedacht werden.  Trotz ihrer guten Verträglichkeit und ihrem hohen Nutzen, werden sie manchmal überschätzt: Der Grund liegt hier vor allem in einer zu geringen Vielfalt an zugeführten Bakterienstämmen.

Wertvolle Lebensmittel für den Darm

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Probiotika lassen sich nicht nur über spezielle Nahrungsergänzungsmittel zuführen: Auch gewisse Lebensmittel wie etwa Joghurt, Kefir sowie milchsauer vergorenes, fermentiertes Gemüse wie Sauerkraut. Auch japanisches Miso und Apfelessig besitzen eine Vielzahl an natürlichen Probiotika und sind ein wahrer Schatz für eine gesunde Darmflora.