Gesundheit

Musik: Wenn das Gehirn Gänsehaut bekommt

Musik spielt eine wichtige Rolle für das mentale Wohlbefinden ! /Bild: Fotolia
Musik: Wenn das Gehirn Gänsehaut bekommt
Catharina Kaiser

Manche Menschen können ohne Musik nicht leben, andere wiederum sehen sie mehr als nette Ablenkung oder als angenehmes Nebengeräusch, während man in einem Lokal sitzt. Ihre Effekte auf Körper und Geist sind allerdings weit intensiver als viele denken. Denn Emotionen, Ängste, Freude oder Kummer können durch Melodien beflügelt und geleitet werden. Vermutlich kennt jeder ein bestimmtes Lied, eine gewisse Melodie, die tatsächlich körperliche Reaktionen bei einem auslöst. Sei es, dass sie einem ein Lächeln in das Gesicht zaubert oder plötzlich ganz ruhig werden lässt. Musik hat die Fähigkeit weit mehr zu berühren als nur die Ohren und wenn sie bei einem Menschen Gänsehaut auslösen kann, so zeugt das Studien zufolge von einem einzigartigen Gehirn.

Das Gehirn bekommt Gänsehaut

Wissenschaftler der University of Southern California untersuchten die Gehirnscans von 20 Studenten, unter welchen 50 % eine intensive Reaktion auf Musik zeigten, während die anderen weniger stark darauf ansprachen. Nachdem jeder Teilnehmer ein selbstgewähltes Lied gehört hatte, verglichen die Forscher die unterschiedlichen Reaktionen des Gehirns und entdecken, dass jene die stärker auf Musik reagierten, eine ausgeprägte neurologische Struktur aufwiesen. Die Gänsehaut, die Teilnehmer währenddessen bekamen schien dabei so etwas wie ein Indiz für diese Gehirnstruktur zu sein. Denn in diesem Falle hatten die Teilnehmer ein höheres Volumen an neurologischen Fasern, die ihren auditorischen Kortex mit dem Teil des Gehirns verbinden, der die Emotionen verarbeitet. „Mehr Fasern und die erhöhte Effizienz zwischen zwei Regionen bedeutet, dass diese Hirnregionen effektiver zusammenarbeiten“, erklärt Matthew Sachs, ein Co-Autor der Studie. Basierend auf der Erkenntnis einer verbesserten neurologischen Kommunikation, kamen die Forscher zu dem Schluss, dass Menschen die durch Musik Gänsehaut bekommen, Emotionen auf eine intensivere Art und Weise erleben. Völlig unabhängig davon ob sie Musik hören, oder nicht.

Die Effekte der Musik

Mit dieser Entdeckung hofft Matthew Sachs, Psychologe und Neurowissenschaftler an der USC, auf weitere Forschungen welche sich mit der Wirkung auf das Gehirn außerhalb des auditorischen Cortex beschäftigen. Denn kurz zuvor veröffentlichte die Universität von York in Zusammenarbeit mit Bang & Olufsen eine Studie, die herausgefunden hat, dass Musik entscheidend zur Bewältigung von Emotionen beitragen kann. Dabei untersuchte der Neurowissenschaftler Dr. Hauke ​​Egermann ebenfalls die Reaktion von 20 Studenten auf vier verschiedene Lieder und stellte fest, dass das Hören von vermeintlich traurigen Songs die Stimmung steigerten. „Diese Ergebnisse liefern einen weiteren Beweis dafür, dass Musik eine wichtige Rolle in Sachen mentales Wohlbefinden spielt und dabei helfen kann die eigene Stimmung zu regulieren“, so Dr. Egermann. So zeigten die Experimente, dass vor allem negative Auswirkungen von Traurigkeit durch Musik überlagert werden können und somit erlauben diese Emotionen in einer sicheren Umgebung zu erleben.