Allergie

Nesselsucht durch Kälte

Bei der Kälte-Urtikaria treten Quaddeln und Schwellungen auch oft erst beim Wiedererwärmen der Hände auf. /Bild: Fotolia
Nesselsucht durch Kälte
Trixi Kouba

Wenn es draußen kälter wird, erröten bei den meisten Menschen nur leicht die Wangen oder Finger. Bei einigen löst die Kälte jedoch allergieähnliche Symptome aus: An den betroffenen Körperstellen bilden sich große, juckende Quaddeln. Häufig wird dieses seltene Phänomen fälschlicherweise als „Kälte-Allergie“ bezeichnet. Zwar sind die Symptome dieselben wie bei einer Allergie, der Mechanismus jedoch eine andere.

Juckende Quaddeln durch Kälte

Wärme oder Kälte können chronische Nesselsucht hervorrufen. Bei einer Kälte-Urtikaria verursachen niedrigere Temperaturen Schwellungen an den betroffenen Körperstellen. Die juckenden, roten Quaddeln können zum Beispiel durch kalten Regen, Schwimmen in niedrig temperiertem Wasser oder einem Griff ins Eisfach ausgelöst werden. Bei der Kälte-Urtikaria treten Quaddeln und Schwellungen auch oft erst beim Wiedererwärmen der Hände auf. Wer davon betroffen ist, leidet meist unter einer chronischen Form. Der Verlauf und Schweregrad ist jedoch von Betroffenem zu Betroffenem unterschiedlich. Frauen leiden etwas häufiger darunter als Männer.

Nesselsucht ist nicht nur sehr belastend, sondern kann auch gefährlich werden, wenn Kälte auf Schleimhäute trifft. Trinkt ein Betroffener sehr kaltes Wasser können etwa die Atemwege anschwellen und Erstickungsgefahr droht. Auch beim Eintauchen großer Anteile des Körpers in kaltes Gewässer schießt so viel Blut in die Haut, dass ein Kreislaufkollaps und Blutdruckabfall droht.

Unterschied zu Allergie

Immer wieder wird eine Kälte-Urtikaria auch als „Kälte-Allergie“ bezeichnet. Das ist jedoch der falsche Begriff, da der Körper nicht gegen Kälte Antikörper bilden kann. Daher kann er auch keine Allergie gegen Kälte entwickeln. Bei der Kälte-Urtikaria aktiviert der Körper bei einer bestimmten Temperatur Immunzellen des Körpers namens „Mastzellen“, die bestimmte Botenstoffe freisetzen. Mastzellen sind auch bei der Entstehung von Allergien involviert. Die genaue Verbindung zwischen Kälte und der Aktivierung der Mastzellen ist Wissenschaftlern jedoch noch nicht genau bekannt.

Behandlung

Um diese Form der Nesselsucht zu verhindern, gilt es zunächst, die Auslöser zu vermeiden. Das bedeutet, so gut es geht, kaltes Wasser, kalte Luft oder kühle Objekte zu meiden. Zudem werden Antihistaminika (zum Beispiel Doxycyclin) oder in schweren Fällen Omalizumab eingesetzt, um die Entstehung der Quaddeln zu verhindern. Diese Medikamente bringen keine Heilung, können Betroffene aber von Symptomen befreien. Meist verschwindet die Kälteurtikaria auch wieder von selbst. Das kann jedoch durchschnittlich rund fünf Jahre dauern. Bei Verdacht auf eine Kälte-Urtikaria ist es notwendig, mit einem Dermatologen über eine Diagnose und Behandlung zu sprechen.