Allergie

Neue Hoffnung für Menschen mit Fischallergie

In Skandinavien, in denen viel Fisch konsumiert und verarbeitet wird, sind Fischallergien häufiger als in Deutschland. /Bild: Fotolia
Neue Hoffnung für Menschen mit Fischallergie
Trixi Kouba

Fisch liefert jede Menge Proteine und Omega-3-Fettsäuren und als Meerfisch Jod. Allerdings zählt er laut der European Centre For Allergy Research Foundation (ECARF) zu den Nahrungsmitteln, die am häufigsten eine Nahrungsmittelallergie auslösen. In Europa reagieren etwa 0,1 Prozent der Menschen in sogenannten Provokationstests auf Fisch allergisch. Die Rate ist von Land zu Land unterschiedlich: In Regionen wie Skandinavien, in denen viel Fisch konsumiert und verarbeitet wird, sind Fischallergien häufiger als in Deutschland. Sie ist nicht nur eine weit verbreitete, sondern auch eine der gefährlichsten Nahrungsmittelallergien, da sie oft mit potenziell lebensbedrohenden Symptomen, wie zum Beispiel einem anaphylaktischen Schock, verbunden ist.

Knorpelfisch statt Knochenfisch

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Personen, die an Fischallergien leiden, sind dieser Gefahr nicht allein nur durch den Verzehr von Fisch ausgesetzt, sondern auch durch zufälliges Inhalieren von Fischdämpfen auf Märkten oder in Restaurants sowie durch Hautkontakt – insbesondere in Ländern, die am Meer liegen und wo Fisch auch ein wirtschaftlicher Faktor ist. Jetzt gibt es aber neue Hoffnung für die Betroffenen: Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, dass das Protein Parvalbumin, das die Allergie üblicherweise auslöst, in Knorpelfischen viel weniger allergen ist als in Knochenfischen.

Das Protein befindet sich vor allem in weißem Muskelgewebe von Fischen. Daher vertragen Menschen mit Fischallergie oft Fische mit rotem Muskelgewebe, wie Thunfisch, besser. Parvalbumine sind relativ hitzebeständig und können nicht durch Kochen oder Braten zerstört werden. Daher kann auch ein gekochter Fisch noch allergische Symptome auslösen.

Nagelrochen fast immer verträglich

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Die Forschergruppe unter der Leitung von Heimo Breiteneder und Tanja Kalic vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der Medizinischen Universität Wien konnte zeigen, dass das Protein Parvalbumin im Fleisch von Knorpelfischen – verschiedene Gattungen von Haien und Rochen – allergen viel weniger wirksam ist als jenes im Fleisch der viel öfter verzehrten Knochenfische. Dezidiert konnte der Nagelrochen (Raja clavata), ein Knorpelfisch, als potenzielle Nahrungsalternative für Personen mit Fischallergie identifiziert werden. 10 von 11 der Testpersonen konnten diesen Fisch – trotz nachgewiesener Allergie – ohne jegliche allergische Reaktion verzehren.

Breiteneder: „Daher, und unter der Voraussetzung, dass Allergiker vorab einen entsprechenden Allergiespezialisten konsultieren und auf eine mögliche Toleranz des Nagelrochens getestet werden, ergibt sich möglicherweise eine unerwartete Alternative für Menschen, die trotzdem Fisch essen möchten.“ Diese Rochen sind weit verbreitet – vom Ostatlantik über Norwegen, die Nordsee bis Namibia – und werden als Speisefisch und Delikatesse derzeit neu entdeckt. Kulinarisch werden die flügelartigen Brustflossen als Filet verwendet.

„Diese Anfangsstudie hat weitreichendes Potenzial. Wir planen nun, die Studie, die sich vorerst auf die europäische Bevölkerung konzentriert hat, global auszudehnen, um letztendlich die Lebensqualität von Menschen, die an einer Fischallergie leiden, auf der ganzen Welt signifikant zu verbessern“, sagt Kalic. „Außerdem arbeiten wir daran, die Palette der Fische, die Menschen mit Fischallergie gefahrlos verzehren können, zu erweitern.“