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Neuer Ansatz zur Früherkennung von Präeklampsie

Präeklampsie manifestiert sich schon in der Frühschwangerschaft noch vor den ersten Symptomen. /Bild: Fotolia
Neuer Ansatz zur Früherkennung von Präeklampsie
Trixi Kouba

Die Schwangerschaftserkrankung Präeklampsie kann für Mutter und Kind ohne Behandlung tödlich enden. Von der schweren Form der Krankheit sind rund 5 Prozent aller Schwangerschaften betroffen. Forschern gelang nun ein neuer Ansatz zur Früherkennung.

Die Schwangerschaftserkrankung, die umgangssprachlich auch als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet wird, bewirkt eine Verengung der Blutgefäße, die zu Durchblutungsstörungen von Gewebe und Organen führt. Symptome im letzten Drittel der Schwangerschaft sind zu hoher Blutdruck und unerwünschte Eiweißausscheidungen über den Harm. Entzündliche Prozesse und Gerinnungsaktivierung in den Gefäßen und eine Störung der Nierenfunktion sind die Folgen. Länger andauernder Bluthochdruck kann bewirken, dass die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung des ungeborenen Kindes nicht mehr ausreichend ist. Im Extremfall kann es zu einem lebensgefährlichen Zustand von Mutter und Baby kommen.

Histaminabbauendes Enzym mitverantwortlich

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Nun ist es einem Forschungs-Team um den Molekularbiologen Jürgen Pollheimer und dem Klinischen Pharmakologen Bernd Jilma von der MedUni Wien in Zusammenarbeit mit der Harvard Medical School und der St. Anna Kinderkrebsforschung gelungen, einen neuen Ansatz zur Früherkennung zu entwickeln. Dabei wird das für den Histaminabbau im Körper mitverantwortliche Enzym Diaminoxidase im Blut gemessen, das bei Schwangeren stark ansteigt. Wenn im Körper übermäßig viel vom Botenstoff Histamin ausgeschüttet wird, kann das von allergischen Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock führen. In der medizinischen Forschung weiß man seit langem, dass das Enzym Diaminoxidase (DAO) Histamin abbauen kann. Dennoch  konnte man es bisher nicht direkt nachweisen und quantifizieren, sondern nur dessen Aktivität feststellen.

Abgesehen von der Niere ist DAO bei nicht-schwangeren Frauen und ebenso bei Männern nur im Verdauungstrakt in hohen Mengen zu finden, wo es durch die Nahrung aufgenommenes Histamin abbaut. Bei Schwangeren jedoch steigt die Aktivität im Blut 100 bis 1000-fach an und man nahm bisher an, dass sie das Enzym selbst produzieren, um Komplikationen durch übermäßiges Histamin im Körper zu vermeiden. Die Forschungsgruppe konnte nun erstmals nachweisen, dass DAO von der genetisch zum Kind gehörenden Plazenta erzeugt wird. Dies geschieht mittels einer bestimmten Art von Zellen, den extravillösen Trophoblasten. Sie sind unter anderem dafür verantwortlich, das Blutsystem in der Gebärmutter schwangerer Frauen so umzubilden, dass der Plazenta mehr Blut zugeführt wird und dem ungeborenen Kind dadurch genügend Nährstoffe zukommen.

Krankheit schon in Frühschwangerschaft sichtbar

Die neue Studie basierte auf der Vermutung, dass bei der bis jetzt schwer behandelbaren Präeklampsie genau diese Zellen gestört seien und dadurch weniger DAO ins Blutsystem der Mutter abgegeben würde. Es wurde eine neue Methode entwickelt, um das Enzym erstmals in seiner Menge quantifizieren zu können. In der Folge analysierten die Forscher Blutplasma-Proben von gesunden und an früh einsetzender Präeklampsie erkrankten schwangeren Frauen. Es stellte sich heraus, dass jene Patientinnen, die später an Präeklampsie erkrankt waren, schon um die zehnte Schwangerschaftswoche signifikant weniger DAO im Blut hatten. Es konnte also gezeigt werden, dass sich die Krankheit schon in der Frühschwangerschaft manifestiert, bevor noch Symptome auftreten.