Gesundheit

Neuer Impfstoff gegen das Chikungunya-Virus?

Ein auf Basis eines gängigen Masern-Impfstoffs gentechnisch hergestellter Impfstoff hat Potenzial, gegen das Chikungunya-Virus zu wirken. /Bild: Fotolia
Neuer Impfstoff gegen das Chikungunya-Virus?
Trixi Kouba

Ein auf Basis eines gängigen Masern-Impfstoffs gentechnisch hergestellter Lebendimpfstoff hat großes Potenzial, gegen das Chikungunya-Virus zu wirken. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die unlängst im Top-Journal „The Lancet“ veröffentlicht wurde und an der auch die MedUni Wien beteiligt ist.

Tödlicher Chikungunya-Virus verbreitet sich weltweit 

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Das Chikungunya-Virus ist vor allem in Afrika, in Indien, Südostasien und Mittel- und Südamerika verbreitet. Übertragungen kommen sehr selten in europäischen Ländern vor. Einzige Ausnahme bildet der regional begrenzte Ausbruch des Chikungunya-Fiebers in der italienischen Provinz Ravenna mit mehr als 300 Fällen im Jahr 2007. Zudem melden Staaten in Europa ansteigende Zahlen importierter Fälle von Chikungunya-Fieber durch zurückkehrende Touristen. In Österreich wurden 2016 drei Fälle gemeldet. Doch „eine weitere Ausbreitung auch bei uns in Mitteleuropa ist durchaus realistisch. Diese Stechmücken werden durch Reisetätigkeit und Warentransport immer weiter verschleppt“, betont Wiedermann-Schmidt von der MedUni Wien. Aktuell gibt es gegen die Erkrankung, welche durch Tiger-Moskitos übertragen wird, noch keine Behandlung. Die hoch fieberhafte Erkrankung mit starken Muskel-, Glieder- und Gelenksschmerzen, die unter Umständen sogar tödlich verlaufen kann, ist noch nicht zu stoppen.

Zwei Injektionen genügen

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Zur Immunisierung genügen zwei Injektionen, egal ob im Abstand von einem bzw. sechs Monaten – beide Male zeigte sich der neue Impfstoff, der auf der Basis eines modifizierten Masernvirus beruht, als wirksam und sicher.  Der Impfstoff wird in den Muskel appliziert und löst im lymphatischen System die Antikörper-Produktion aus. Wenn eine Infektion mit dem Chikungunya-Virus erfolgt, stehen diese Antikörper dann bereit, um das Virus zu neutralisieren, wodurch es nicht zum Ausbruch der Krankheit kommt.

„Die Ergebnisse der Phase-II-Studie mit 263 Probanden sind wirklich vielversprechend hinsichtlich Immunogenität, Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffs“, sagt Ursula Wiedermann-Schmidt vom Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin in einem Statement.

Impfstoff durch genetisch modifizierten Masern-Virus

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Der Impfstoff ist ein Lebendimpfstoff auf der Basis des Masern-Virus-Impfstamms, der genetisch modifiziert wurde, um die Oberflächenproteine von Chikungunya zu exprimieren. Bereits nach einmaliger Impfung kommt es zur Bildung von neutralisierenden Antikörpern. Ein zusätzlicher Bonus dieses Impfstoffs ist, dass eine vorbestehende Masernimmunität nicht die Wirksamkeit des Impfstoffs beeinträchtigt, im Gegenteil, es kommt zur Erhöhung/Booster der Schutzstoffe/Antikörper gegen Masern. Die Erkenntnisse der Phase-II-Studie müssen nun in einer Phase III evaluiert werden. Werden sie bestätigt, dann könnte, so Wiedermann, schon in wenigen Jahren erstmals ein wirksamer Impfstoff auf den Markt kommen.