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Was bedeutet Pansexualität?

Pansexuelle Personen fühlen sich zu allen Geschlechtern hingezogen. /Bild: Fotolia
Was bedeutet Pansexualität?
Catharina Kaiser

Man muss Sexualforschung nicht studiert haben, um zu wissen, dass die menschliche Sexualität nicht nur extrem kompliziert ist, sondern auch kein Schwarz-Weiß-Denken zulässt. Das zeigt sich spätestens dann, wenn man auf veraltete Methoden, wie etwa die 1948 eingeführte Kinsey Scale, zurückblickt. Mittels einem Punktesystem wurde damals erfasst, ob eine Person ausschließlich heterosexuell oder homosexuell war. Alle sexuelle Identitäten dazwischen und außerhalb dieser beiden Pole wurden nicht berücksichtigt – So zum Beispiel die Pansexualität. Obwohl diese sexuelle Orientierung so lange existiert wie die Menschheit selbst, so ist die Bezeichnung erst seit relativ kurzer Zeit bekannt. Genauer gesagt seit Stars wie Janelle Monae, Miley Cyrus oder die Dating-Plattform OkCupid über Pansexualität gesprochen haben. Doch was genau bedeutet es eigentlich pansexuell zu sein?

Was bedeutet Pansexualität?

„Pansexualität bedeutet, dass sich eine Person zu anderen Menschen, völlig unabhängig von ihrem Geschlecht, hingezogen fühlt“. Sie sind offen für alle sexuellen Erfahrungen, erklärt Beziehungs- und Etikette-Expertin April Masini. Die Wortsilbe „pan“ stammt übrigens aus dem Griechen und bedeutet übersetzt „alles“. Das Wort Pansexualität ist somit ein modernerer Begriff für Personen, die sich zu allen Menschen hingezogen fühlen und über sexuellen Orientierungen, sexuelle Identitäten sowie über Geschlechter hinwegsehen. Viele würden dies also vermutlich mit Bisexualität gleichsetzten – doch auch hier gibt es einen wesentlichen Unterschied. Während sich bisexuelle Menschen von mehr als einem Geschlecht angezogen fühlen, erweitert sich dies bei der Pansxualtät auf alle Geschlechter. Dennoch gibt es natürlich auch Überschneidungen. Während sich nicht jeder, der pansexuell ist, automatisch als bisexuell bezeichnen würde, gibt es einige Personen, die sich mit beiden Formen identifizieren. Doch es gibt noch ein paar mehr Dinge, die man über Pansexualität wissen sollte:

Dates sind komplizierter und einfacher zugleich

Da der Begriff Pansexualität, oder Omnisexualität, noch nicht sehr weit verbreitet ist, kann es für manche Menschen durchaus schwierig sein, ihre eigene Sexualität zu verstehen und diese anderen zu erklären. Es treten also viele Fragen auf, die nicht nur einen inneren Konflikt verursachen können, sondern auch für Verwirrung bei anderen sorgen. „Pansexuelle Menschen können eine viel schwierigere Zeit haben, sich in der Dating-Welt zurecht zu finden. Andererseits könnte es ihnen, abhängig von ein paar Faktoren, jedoch auch durchaus leichter fallen“, so Masini. Sofern Probleme mit der Definition der eigenen  Orientierung auftauchen, fühlen sich viele Menschen extrem verunsichert und ziehen sich eher zurück. Das Bewusstsein darüber, sowie das Verständnis für die persönliche sexuelle Orientierung, kann jedoch das genaue Gegenteil bewirken. Denn die Offenheit gegenüber allen Geschlechtern kann das Daten tatsächlich einfacher gestalten. Nicht nur weil man so zusagen mehr Auswahl hat, sondern weil pansexuelle Menschen eher dazu neigen, andere auf einer Personen auf eine viel intensiveren, persönlicheren Ebene kennenzulernen. Wenn Geschlecht und Sexualität von der Gleichung abgezogen werden, kann dies auch zu sinnvolleren und tieferen Erfahrungen führen.

Das Problem mit der Definition

Während es einigen Menschen leicht fällt, ihre Sexualität zu definieren, brauchen andere weitaus mehr Zeit, um dies herauszufinden. „Eines der häufigsten gegenwärtigen Probleme, mit welchem Menschen in Beziehungen zu kämpfen haben, ist die Notwendigkeit ihre sexuelle Orientierung zu definieren, in einer Welt in der sich Definitionen ständig verändern“, erklärt Masini. Es ist schier ein Definitionszwang, der die Menschen verunsichert. Alles will benannt werden und fordert einen konkreten Begriff oder eine Bezeichnung. Es gibt unzählige Situationen, in denen man sich selbst erklären und einordnen muss, was für plansexuelle Menschen die ihre Neigung gerade erst zu verstehen beginnen, enorm schwierig sein kann. Doch warum muss denn überhaupt alles definiert werden? Es wäre doch viel einfacher, einzig seinen Gefühlen zu folgen als sich stets in irgendwelche Kategorien einzuteilen. „Dinge zu benennen kann das Leben durchaus einfacher machen. Zu sagen, „ich bin dies und das und suche genau nach dem“, macht es leichter, als sich durch die Welt zu experimentieren und stetig selbst zu hinterfragen“ so Masini. Und nachdem sich nicht alle die Zeit nehmen können, um sich auf die Reise des epischen Selbstfindungstripps zu begeben, wählen viele den schwierigen und anstrengenden Weg, um herauszufinden, wer sie sind – und dieser ist vor allem für plansexuelle Menschen ein ziemlich langer. Doch wenn es um sexuelle Orientierungen wie Pansexualität, Bisexualität oder andere Neigungen geht, muss man diese nicht immer systematisch mit einem Etikett versehen, es ist völlig okay einfach seinen Gefühlen zu folgen.