Erziehung

Patchwork-Family: 7 Grundregeln für Siefväter- und Mütter

Das Modell "Patchwork-Familie" kann funktionieren - jedoch sollte man sich dabei an bestimmte Regeln halten./ Bild: Fotolia
Patchwork-Family: 7 Grundregeln für Siefväter- und Mütter
Paulin Klärner

Das klassische Familienmodell der letzten Jahrzehnte (Mutter, Vater, Kind)  hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Häufigere Trennungen führen zu alternativen Lebensentwürfen, in denen nicht selten neue Partner ins Leben einer kleinen Familie treten. Und das ist nicht immer einfach – schließlich muss den Kindern erklärt werden, warum Mama oder Papa jetzt einen neuen Partner haben und was das für das gemeinsame Familienleben bedeutet. Mit diesen 7 Tipps gelingt der Übergang in ein neues Miteinander leichter.

1. Die Kinder sind und bleiben immer die Nummer 1

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Wenn neue Partner in das Familienleben treten, ist es besonders wichtig dem Kind oder den Kindern zu vermitteln, dass sie für Mama und Papa immer die Nummer 1 bleiben werden. Nichts ist für Kinder einschüchternder, als wenn sich ein Mensch von außen in die Familie drängt und sich einfach den Elternteil schnappt. Deshalb ist es ratsam, wenn sich Stiefmütter- und Väter bemühen, bei dem Nachwuchs einen (nachhaltig) guten Eindruck zu machen und ihnen stets zu vermitteln, dass sie für Mama oder Papa immer an erster Stelle bleiben werden.

2. Der neue Partner ist (im Regelfall) kein Eltern-Ersatz

Es ist außerdem wichtig, Kindern zu erklären, dass der neue Partner nicht automatisch auch der neue Papa oder die neue Mama sein wird – denn die kann niemand ersetzen. Stiefväter- und Mütter sollten stets versuchen, sich in einer freundschaftlichen Rolle in das Familienkonstrukt einzufügen und keinen Part einzunehmen, den es bereits gibt. Entwicklungspsychologin und Elternberaterin Dr. Karin Kaiser-Rottensteiner meint hierzu: „Kinder sollen nicht das Gefühl bekommen, dass sich jemand um die Elternschaft bewirbt, sondern dass es sich um einen Menschen handelt, der Mama oder Papa gerne mag (…) Jemand, der mit mir als Kind freundlich und freundschaftlich umgeht, der jedoch keinesfalls mit Erziehungsmaßnahmen anrückt – jemand, der nicht mit der Tür ins Haus fällt (…) Der Stiefelternteil wird (anfangs) bestenfalls ein väterlicher Freund/eine mütterliche Freundin des Kindes. Ein Ansprechen mit dem Vornamen macht mehr Sinn als den neuen Partner gleich mit „Mutter“ oder „Vater“ zu titulieren“.

3. Niemals schlecht über Papa oder Mama reden!

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Das versteht sich vielleicht von selbst, aber trotzdem: Es ist besonders wichtig – ganz egal was zwischen den Eltern vorgefallen sein mag – vor den Kindern nicht schlecht über den abwesenden Elternteil zu sprechen. Sagt der Stiefpapa Dinge wie „Dein Papa war sehr gemein zur Mama“ können das Kinder nicht nur nicht richtig einordnen und verarbeiten, es drängt den neuen Partner auch in eine Konkurrenz-Situation mit dem echten Elternteil, was selten gut geht.

4. „Das gewisse Etwas“

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Als Familien-Neuankömmling mit dem Stiefkind eine Beziehung aufzubauen, kann schwer sein. Hierbei ist es hilfreich, etwas Besonderes zu finden, dass das noch ungewohnte Miteinander stärkt. Das kann beispielweise eine gemeinsame Aktivität sein, die das Kind nur mit der neuen Freundin von Papa macht, wie ins Kino zu gehen, etwas besonders Gutes zu kochen oder spannende Ausflüge zu machen. Der neue Partner hat es am leichtesten, sich in die Familie einzufügen, wenn er für die Kinder erstmal ein guter Freund/eine gute Freundin ist, mit dem/der man schöne Dinge erleben kann.

5. Geduld haben

Besonders wichtig ist auch, dass man der Familien-Neuorientierung Zeit gibt. Es wird bestimmt nicht von heute auf morgen automatisch entspannte Harmonie herrschen. Wie im klassischen Familienkonstrukt stehen auch in der Patchwork-Familie einige (in der Regel sogar mehr) Hürden bevor. Jedoch gilt auch hier: Die Zeit heilt alle Wunden – sofern man respekt- und liebevoll miteinander umgeht und jedem Familienmitglied die Zeit gibt, die es braucht, um sich an die neue Situation zu gewöhnen.

6. Bloß nicht gleich Erziehungsmaßnahmen ergreifen

Dr. Kaiser-Rottensteiner rät Stiefeltern in der Kindererziehung zu Vorsicht: „Die Erziehungsverantwortung liegt bei dem Elternteil. Der Stiefelternteil darf persönliche Grenzen haben und diese auch setzen – er ist aber nicht für die Erziehung der Kinder zuständig“.

7. Sich austauschen und informieren

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Wenn man in der Patchwork-Familie alles „richtig“ machen und Neues dazulernen will, tut man gut daran, sich mit Menschen auszutauschen, die in ähnlichen Situationen leben.