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Piercings: Ärzte warnen vor Tunnelpiercing und Elfenohren

Piercings sind weitgehend ungefährlich - doch HNO-Ärzte warnen vor bestimmten Body Modifications ! /Bild: Fotolia
Piercings: Ärzte warnen vor Tunnelpiercing und Elfenohren
Trixi Kouba

Piercings liegen weiterhin im Trend. Vor allem jüngere Menschen wollen ihren Körper durch Stecker und Ringe an Ohr, Nase oder Bauchnabel verzieren. HNO-Ärzte warnen aber vor Komplikationen durch Piercings und Bodymodifying, kurz BodMods genannt. Vor allem Elfen-Ohren, Tunnel- und Zungenpiercings seien gefährlich.

Empfindliches Knorpelgewebe

Piercings gelten als ungefährlich. Laut Professor Dr. med. Andres Naumann vom Klinikum Bremen sind sie das aber häufig nicht. Knorpel im Ohr- und Nasenbereich seien sehr empfindliches Gewebe, das normalerweise durch eine Knorpelhaut geschützt und ernährt wird, meint er in einer Aussendung. Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) warnt vor möglichen Komplikationen nach dem Durchstechen von Knorpel. Sie sorgen für Korrekturen nach missglückter Heilung von Körpermodifikationen. „Wenn die Knorpelhaut beim Piercing durchtrennt wird, können Bakterien und Viren eindringen und eine Infektion auslösen. Deshalb sollten Körpermodifikationen wie Piercings nur unter strengen, aseptischen Bedingungen erfolgen“, so Naumann. Im Heilungsprozess kann es an den gepiercten Stellen zum Absterben von Knorpelgewebe kommen. Deformierungen oder sogar der vollständige Verlust von Teilen der Nase oder der Ohrmuschel sind die Folge.

Wenn das Tunnel-Piercing wieder weg soll

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Beim Tunnelpiercing wird ein Platzhalter im Ohrläppchen eingebracht und anschließend Schritt für Schritt gedehnt. Bei einer großen Ausweitung bleibt ein großer Tunnel und nur noch wenig umliegende Haut um das Piercing. Während der Prozess nicht sehr risikoreich ist, haben gepiercte Menschen bei der Entfernung Probleme. „Die verbliebenen Hautreste reichen dann häufig nicht mehr aus, um das Loch wieder zu verschließen“, erklärt Professor Naumann. „Wir müssen dann das Ohrläppchen durch eine komplexe Lappenplastik rekonstruieren“.

Trend „Elfen-Ohr“

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Eine relativ junge Erscheinung in der Piercing-Welt sind Elfen-Ohren. Doch wer sich (wenigstens optisch) in eine kleine Elfe verwandeln möchte, steht Risiken gegenüber: Beim BodMod Elfen-Ohr wird das obere Ohr durch ein Implantat spitz geformt. Die Experten warnen vor diesem Eingriff, da das gesamte Ohrgerüst dadurch in Gefahr gebracht wird. Rötungen, Schmerzen, Infektionen oder ein Absterben des Knorpelgewebes können laut Naumann Nebenwirkungen sein. Soll das Ohr nach Komplikationen wiederhergestellt werden, gestaltet sich eine plastische Ohrrekonstruktion als sehr aufwendig.

Arterienverletzung bei Zungen-Piercings

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Auch Zungenpiercings erfreuen sich Beliebtheit. Aber auch hier ist Vorsicht angebracht. In manchen Fällen kann es durch eine Verletzung der Arterie im Zungenbereich zu starken Einblutungen, Schwellungen und Atemnot kommen.

Was es vor dem Piercen zu bedenken gibt

Die DGHNO-KHC rät von Körpermodifikationen in Knorpelbereichen wie Nase und Ohr grundsätzlich ab. Wer sich davon nicht abhalten möchte, seinen Körper zu schmücken, sollte einen erfahrenen Piercer aufsuchen und darauf achten, dass das Piercing unter hygienischen Bedingungen abläuft. Der Piercingbereich und das Material spielen ebenfalls eine Rolle. Auch nach dem Piercen muss die Stelle gut versorgt werden, um sich nicht zu infizieren. Zuvor kann man sich über die Risiken bei einem Arzt der plastischen Kopf-Halschirurgie aufklären lassen.