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Pro & Kontra: Schlaftraining für Babys ?

Ist es eine gute Idee, Babies das Durchschlafen anzutrainieren ? /Bild: Fotolia
Pro & Kontra: Schlaftraining für Babys ?
Catharina Kaiser

Allen frisch gebackenen Eltern dürfte eine Sache relativ schnell klar sein: Mit den ruhigen Nächten und dem Durchschlafen ist es vorerst mal vorbei. Statt erholsamen Schlaf heißt es jetzt aufstehen und das Baby füttern – jede Nacht und in viel zu kurzen Abständen, um dazwischen zumindest ein Auge zubekommen zu können. Ein Schlaftraining für Babys klingt daher für viele Eltern wie Musik in ihren Ohren. Und tatsächlich kann der Traum von ruhigen Nächten wahr werden. Doch Experten warnen vor möglichen Risiken!

Eltern & der chronische Schlafentzug

In den letzten fünf Jahren hat sich einiges getan, und die Anzahl der Schlaftrainer für Babys ist rasant gestiegen. Doch viele Experten stehen dem ganzen kritisch gegenüber und erklären, dass es nicht unbedingt förderlich sei, Kindern das Schlafen anzutrainieren. Dennoch sehen viele auch die Vorteile und diese sind vor allem für Eltern eine Überlegung wert. Denn wer alle zwei Stunden aufstehen muss, um sein Baby zu beruhigen und zu hoffen, dass es bald wieder einschläft, würde wohl vieles tun um nur eine Nacht lang Ruhe zu haben. Mehr als 50 % der 7.500 befragten Eltern gaben im Rahmen einer Umfrage von The Children’s Sleep Charity an, dass ihr Kind mindestens ein Mal pro Nacht wach werden würde und 35 % seien chronisch übermüdet und ausgelaugt. Überraschenderweise betrifft das auch Eltern deren Kinder nicht mehr als Babys bezeichnet werden können.

Schlaftraining als neuer Trend

Viele Eltern müssen aufgrund dessen ihr ganzes Leben umkrempeln und sich von vielen Aktivitäten verabschieden. Denn auf Dauer siegt nun mal die Müdigkeit. Diese Erfahrung ist für viele Eltern der ausschlaggebende Grund um über einen so genannten Schlaf-Berater nachzudenken. „Bis vor 10 Jahren war das noch unvorstellbar, doch inzwischen ist das Angebot solcher Dienstleistung rapid gestiegen“, erklärt Julie Cleasby, Europäische Regionaldirektorin für die Association of Professional Sleep Consultants. Wie viele andere Schlafkliniken bietet das Unternehmen eine Reihe von Dienstleistungen an. Angefangen bei Online- und Telefonsupport bis hin zu Hausbesuchen und Übernachtungen. Die letzten beiden wären zwar eine große Hilfe, sind aber kaum leistbar – es sei denn man hat zufällig im Lotto gewonnen.

Niemand schläft durch

Wenn man behauptet eine Nacht lang durchgeschlafen zu haben, dann ist das ein großer Irrtum. „In Wirklichkeit werden wir alle mehrmals pro Nacht wach, es kann sich aber nur selten jemand daran erinnern“, so Julie Cleasby. Dabei handelt es sich um eine Art Ur-Instinkt, der noch aus der Steinzeit kommt. Damals war das Aufwachen aus dem Schlaf eine Methode um sich vor den möglicherweise anschleichenden Raubtieren zu schützen. Gut, in den eigenen vier Wänden braucht man diese Absicherung zwar nicht mehr, doch wach werden wir trotzdem – zumindest unbewusst. „Kinder haben hingegen viel kürzere Schlafzyklen als Erwachsene und können mehr als 10 Mal pro Nacht aufwachen“, erklärt Katie Palmer, Mitbegründerin von Infant Sleep Consultants. Der Trick für Eltern ist es daher, diese Unterbrechungen zusammenzuführen und somit die einzelnen Schlafzyklen zu verlängern. Daher braucht es einen Zeitplan, der die Häufigkeit der nächtlichen Fütterungs-Aktionen sukzessive reduziert.

Die „Lass es raus“ Strategie

Kinder weinen nicht zwangsläufig jedes Mal wenn sie wach werden, doch es kommt ziemlich häufig vor dass die eine oder andere Träne vergossen wird. Die „Lass es raus“ Strategie, bei der weinende Kinder so lange alleine in einem Raum gelassen werden, bis sie sich beruhigt haben ist bei Experten allerdings verpönt. Einigen Studien zufolge würde das bei Babys nämlich zu einem erhöhten Level des Stresshormons Cortisol führen, was später die emotionale Entwicklung des Kindes schädigen könnte. Andere Studien konnten bei Schlaftraining aber keine negative Effekte auf die Psyche der Kinder feststellen. Daher scheinen die genauen Auswirkungen bislang noch unklar zu sein. „Zwar ist jede Art von Weinen stressig und erhöht den Cortisolspiegel, doch auf lange Sicht ist chronischer Schlafentzug ebenso gefährlich“, so Katie Palmer.

Voraussetzungen für Schlaftraining

Bevor einem Kind das Durchschlafen antrainiert wird, sollten einige Punkte berücksichtig werden. Denn Experten zufolge ist Schlaftraining nicht für alle Babys geeignet. Zum einen muss das Baby mindestens 6 Monate alt sein, und zum anderen müssen beispielsweise Reflux oder Koliken als mögliche Ursachen für das permanente Aufwachen ausgeschlossen werden können. Doch ist es überhaupt ratsam, einem Kleinkind ein Schlaftraining zu verpassen? „Aus wissenschaftlicher Sicht ist es immerhin völlig normal dass ein Kind bis zu seinem 2. Lebensjahr regelmäßig nachts aufwacht“, erklärt Sarah Ockwell-Smith, Autorin von „The Gentle Sleep Book“. Ihrer Meinung nach seien zu viele Eltern der Meinung ihr Kind hätte ein Schlafproblem und vergessen dabei, dass es für einen Säugling etwas völlig normales ist. So kann das Schlaftraining bei einigen Kindern einfach nicht anschlagen, oder es kann später weit schlimmere Schlafprobleme bei den Kindern verursachen.

Die Alternativen

Bevor ein Schlaftraining durchgeführt wird, werden den Eltern einige Experten-Tipps nahegelegt, die eine mögliche Alternative bilden können. Sofern ein Baby häufig aufwacht, sollte zuerst einmal das Kinderzimmer inspiziert werden. Gibt es Dinge die den Schlaf des Kindes stören könnten? Ebenso sollte ein Auge auf die Ernährung des Kindes gelegt werden. „Womöglich verursachen einige Produkte Blähungen, die das Durchschlafen verhindern“, so Ockwell-Smith. Im Falle eines Schlafberaters sei es zudem essentiell vorab eine genaue Recherche durchzuführen. Leider ist es beinahe jedem erlaubt sich als Schlafberater auszugeben, auch wenn es keine Ausbildung dazu gab. „Für Eltern ist es entscheidend sicherzustellen, dass der Schlafberater sichere Methoden anwendet und nicht beispielsweise rät das Baby auf dem Bauch schlafen zu lassen“, so Prof. Helen Ball von der Durham University. Das könnte das Risiko des plötzlichen Kindstod (Sudden Infant Dead Syndrome) dramatisch erhöhen.