Gesundheit

Psychopharmaka liegen im Trend: Konsum steigt laut Arbeiterkammer massiv

Antidepressiva und Co werden immer beliebter - Frauen sind häufiger betroffen/ Bild: Fotolia
Psychopharmaka liegen im Trend: Konsum steigt laut Arbeiterkammer massiv
Paulin Klärner

Antidepressiva und Co werden immer beliebter – das bestätigt nun auch eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK). Die im Auftrag der AK durchgeführte Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) bestätigt, was PsychologInnen schon lange wissen: Immer mehr Menschen nehmen Psychopharmaka, um im Berufsleben zu „funktionieren“. Demnach konsumierten Beschäftigte in Oberösterreich 2016 um 60% häufiger Psychopharmaka als noch im Jahre 2005. „Der Druck in der Arbeitswelt ist sehr groß geworden. Wir brauchen kürzere Arbeitszeiten, mehr Personal und eine realistische Arbeitsplanung,“ so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.  Zu selten wird über die Tatsache gesprochen, dass der Konsum von Antidepressiva mit einer Reihe von ernstzunehmenden Nebenwirkungen einhergehen kann. Laut einer aktuellen Studie der Universität Wien, die in der Fachzeitschrift Translational Psychiatry publiziert wurde, kann die Einnahme von Antidepressiva neben zahlreichen körperlichen Nebenwirkungen auch  zu einer verminderten Empathie für die Schmerzen anderer führen. KritikerInnen meinen, dass ÄrztInnen oft leichtfertig Psychopharmaka verschreiben und die medikamentöse Therapie zu selten mit psychologischer oder psychotherapeutischer Begleitung einhergeht. Außerdem werden PatientInnen unzureichend über die Risiken und Nebenwirkungen der Einnahme aufgeklärt.

Frauen häufiger betroffen

Bei ArbeitnehmerInnen unter 30 Jahren ist der Konsum in den vergangenen Jahren laut Studie stetig gestiegen, während er bei älteren Menschen stagniert. Trotzdem konsumieren über 30-Jährige in absoluten Zahlen immer noch mehr als ihre jüngeren KollegInnen. Bei Frauen ist der Psychopharmaka-Konsum doppelt so hoch wie bei Männern, was laut Wissenschaftlern auch daran liegt, dass Frauen allgemein häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen sind. Laut WHO erkranken Frauen doppelt so häufig an Depressionen wie Männer. KritikerInnen dieser Zahlen argumentieren jedoch, dass Frauen allgemein offener über ihren psychischen Zustand sprechen, eher Hilfe in Anspruch nehmen und deshalb häufiger „offiziell“ diagnostiziert und in die Statistik aufgenommen werden.

Häufige Krankenstände aufgrund psychischer Probleme

 

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Auch was Krankenstände betrifft, stehen psychische Probleme mittlerweile ganz oben auf der Liste. 2016 waren demnach 13,4 Prozent der Krankenstände von Frauen und 7,1% der Fehlzeiten von Männern psychisch bedingt. Im Schnitt dauert ein Krankenstand aufgrund physischer Probleme um die 8 Tage, während psychisch bedingte Krankenstände durchschnittlich 33,2 Arbeitstage in Anspruch nehmen. Die Gründe hierfür? Laut ExpertInnen liegen die erhöhten Zahlen des Psychopharmaka-Konsums sowie die Zunahme der Krankenstände aufgrund psychischer Probleme am stetig wachsenden Druck in der Arbeitswelt. Die Arbeitszeiten werden länger, die Digitalisierung verlangt einen schnelleren Rhythmus, der Schlaf leidet und Freizeit und Entspannung kommen zu kurz – wenig verwunderlich gilt auch das Burnout mittlerweile als Volkskrankheit Nummer 1. Um einen gesunden Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben zu gewährleisten muss auf einige Dinge geachtet werden: 5 Regeln für eine gelungene Work-Life-Balance gibt es HIER.