Gesundheit

Risikofaktor für Herzinfarkt bei „gesunden“ Menschen entdeckt

20% der Bevölkerung haben eine zu hohe Lp(a)-Konzentration im Blut und wissen meist nichts davon. /Bild: Fotolia
Risikofaktor für Herzinfarkt bei „gesunden“ Menschen entdeckt
Trixi Kouba

Tiroler Wissenschaftler entdeckten vor Kurzem einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei jungen und eigentlich gesunden Menschen: Lipoprotein(a) verstopft die Gefäße wie Cholesterin. 20% der Bevölkerung haben eine zu hohe Lp(a)-Konzentration im Blut. Die meisten wissen nichts davon.

Ein plötzlicher Herzinfarkt bei einem gesunden, sportlichen 30-Jährigen sorgt für Bestürzung und Verwunderung. Dahinter steckt Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Es wirkt, wie Cholesterin, schädlich auf die Gefäße und kann zu Schlaganfällen und Herzinfarkten führen. Der Unterschied: Man kann mithilfe von Ernährung oder Sport nichts dagegen ausrichten. Ein hoher Lp(a)-Spiegel wird vererbt.

Herzinfarkte und Schlaganfälle zählen in der westlichen Welt zu den häufigsten Todesursachen. Als Therapie gilt die Senkung des „schlechten“ Cholesterins (LDL-Cholesterin) mit Arzneimitteln. Trotz allem bleibt dabei ein Restrisiko. Innsbrucker Forscher konnten nun mittels Daten von 29.000 Patienten zeigen, dass Lipoprotein(a) ganz entscheidend zu diesem Restrisiko beiträgt. Mit dieser Erkenntnis können neue Medikamente entwickelt werden.

Je höher Lp(a), desto höher Herzinfarkt-Risiko

Im Rahmen der Studie, die der Epidemiologe Peter Willeit von der Medizinischen Universität Innsbruck gemeinsam mit Sotirios Tsimikas von der University of California San Diego leitete, wurden Daten hinsichtlich des Auftretens kardiovaskulärer Krankheiten in Abhängigkeit vom Lp(a)-Spiegel analysiert. Die Ergebnisse wurden im anerkannten Fachjournal The Lancet veröffentlicht. Dabei zeigte sich: Je höher Lp(a), desto höher das kardiovaskuläre Risiko. Zwar senken Therapien die LDL-Cholesterinwerte, doch die Lp(a)-Konzentration bleibt bestehen.

20% der Bevölkerung haben zu hohen Lp(a)-Spiegel

Lp(a) als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stand schon in vergangen Studien im Verdacht. Diese Studie zeigt erneut, wie wichtig die Analyse für die Medikamentenforschung ist. „Immerhin lässt sich bei 20 Prozent der Bevölkerung eine erhöhte Konzentration von Lp(a) und damit ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko nachweisen“, weiß auch Florian Kronenberg, Mitautor der neuen Metastudie und Leiter der Innsbrucker Sektion für Genetische Epidemiologie der Medizin Uni Innsbruck. Wirkstoffe, die Lp(a) selektiv senken, sind in Erprobung und sollen schon bald in Phase II und -III Studien getestet werden.