Schaufensterpuppen: Das Ultradünn-Ideal

Das Standard-Mannequin ist so abgemagert, dass es in keinem Fall der Realität entspricht ! /Bild: Fotolia
Schaufensterpuppen: Das Ultradünn-Ideal
Catharina Kaiser

Schaufensterpuppen sollten Kunden ja eigentlich dazu anregen, die Klamotten zu kaufen. Den Frust, wenn die Sachen an der Puppe viel besser aussehen als an einem selbst, kennt aber fast jeder. Woran das liegt? Nun ja, vielleicht an den „Körpern“ einiger Schaufensterpuppen, die wohl unrealistischer nicht sein könnten. Ähnlich wie das Barbie-Phänomen, handelt es sich hierbei um völlig ungesunde Körpermaße, deren Auswirkungen, laut aktuellen Studien, noch dramatischer sein können.

Abgemagerte Schaufensterpuppen

Bereits im Jahr 1992 untersuchten Forscher eine Handvoll Schaufensterpuppen aus den 1930er-1960er Jahren, die inzwischen in Museen ausgestellt werden. Dabei wurde festgestellt, dass diese Puppen derart dünn waren, dass sie im echten Leben nicht einmal in der Lage wären zu menstruieren. Knapp 80 Jahre später, mit einem völlig anderen Frauenbild könnte man doch erwarten dass sich diese Dinge ebenfalls geändert hätten. Doch leider ist das nicht der Fall. Eine aktuell veröffentlichte Studie kam nun zu dem Schluss, dass heutige Schaufensterpuppen die Körper von schwer untergewichtigen Frauen darstellen. Die Vermessung der Proportionen wurde an insgesamt 58 Mannequins durchgeführt. Von ihnen waren 32 „weiblich“ und 26 „männlich“. Laut Forschern gab es keine einzige Puppe, deren Körper auch nur ansatzweise der Realität ansprach.

Das „Ultradünn-Ideal“

Während es sich bei Mannequins aber nur um Puppen handelt, so sind vom „Size Zero“ Trend lebendige Menschen betroffen. Der Unterschied dazwischen ist allerdings verschwindend gering. So hat die Glamourisierung von unrealistischen und unerreichbaren Körpergrößen dramatische Ausmaße angenommen. Denn im Grunde verkaufen diese Schaufensterpuppen keine Kleidung, sondern ruinieren schlichtweg das Selbstbild von Frauen. Diese Unzufriedenheit sehen Experten als eine der Hauptursachen für die Entwicklung von Essstörungen. Natürlich betrifft das nicht jede Person, die mit den Körpermaßen einer Schaufensterpuppe konfrontiert wird, doch es könnte bei vielen Menschen zu solchen Körperbildproblemen führen.

Das ideale Modell ?

Überraschenderweise stellten die Forscher der Studie einen interessanten Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Schaufensterpuppen fest. Während erstere nämlich fast ausschließlich ungesunde Körpermaße aufwiesen, waren es beim männlichen Pendant nur 8 Prozent. Laut Studienleiter passe das sehr gut mit den Fakten zusammen, die über ultradünne Körper-Ideale und Geschlechter bekannt sind. Denn nach wie vor sind es meist Frauen, die Essstörung wie Anorexie entwickeln. Dennoch darf nicht darüber hinweggesehen werden, dass Magersucht und ähnliche schwere Erkrankungen auch immer mehr Männern ein immer größeres Thema werden. Einige Modeketten würden zwar bereits realere Schaufensterpuppen verwenden, doch bis dato sind die ultradünnen Pendants noch immer der Standard.

Klar, Schaufensterpuppen sind weder echten Menschen, noch tragen sie Schilder mit der Aufschrift „Du musst genau so aussehen“. Dennoch stellen sie einen menschlichen Körper dar, der Mode verkaufen sollt und somit einem gewissen Schönheitsideal entspricht. Und nachdem die fatalen Auswirkungen auf die Psyche bereits wissenschaftlich belegt werden konnten, gibt es keinen Grund mehr, abgemagerte Mannequins zu verwenden.