Gesundheit

Schlaflosigkeit: Warum das Einschlafen die Müdigkeit vertreibt

Wer kennt das nicht - am Sofa ist man schon eingenickt, doch kaum ins Bett gewechselt kann man einfach nicht einschlafen ! /Bild: Fotolia
Schlaflosigkeit: Warum das Einschlafen die Müdigkeit vertreibt
Catharina Kaiser

Bei laufendem Fernseher auf dem Sofa einzuschlafen gehört für einige genauso zur täglichen Routine wie für andere das abendliche Zähneputzen. Klar, eingewickelt in eine flauschige Decke zusammen mit ein paar Nebengeräuschen schläft es sich ja auch super! Streichfähig ist man allerdings nur bis zu dem Moment, an dem man sich endgültig bettfähig fühlt und den Weg ins Schlafzimmer findet. Was dann passiert, kommt vermutlich auch einigen bekannt vor: endlich in den Federn angekommen ist es mit der Müdigkeit vorbei und anstatt friedlich zu schlafen wird stundenlang die Zimmerdecke angestarrt. In solchen Nächten taucht ein und dieselbe Frage gleich mehrmals auf: Warum fällt einem das Einschlafen erst dann schwer, wenn man eigentlich nur schlafen möchte?

Ein konditioniertes Problem

In einem in Time Health kürzlich erschienenen Artikel versucht Schlafexperte Dr. Philip Gehrman diese Frage zu beantworten. Wie sich herausstellt ist das wirklich Ärgerliche an dieser Situation der Fakt, dass man selbst dafür verantwortlich ist. Denn dabei handelt es sich um ein konditioniertes, mit anderen Worten antrainiertes, Weckruf-Signal das zum schlechtesten Zeitpunkt an das Gehirn gesendet wird – nämlich in dem Moment, in dem man das Bett aufsucht und schlafen möchte. Doch anstatt dem Gehirn zu signalisieren, dass es Zeit für etwas Schlaf ist, erhält es den Befehl aufzuwachen. Diese angelegte „Schlaflosigkeit“ gilt als psychophysiologische Schlaflosigkeit und zählt zu den weltweit am häufigsten verbreiteten Schlafstörungen.

Teufelskreis der Schlaflosigkeit

Obwohl knapp 12 bis 15 % der Bevölkerung von psychophysiologischer Schlaflosigkeit betroffen ist, hängt diese Erkrankung in den meisten Fällen mit falschen Schlafgewohnheiten zusammen. Ein bekanntes Missverständnis ist vor allem die richtige Schlafenszeit. Hat eine Person vor zumindest 7 Stunden Schlaf zu bekommen, so sollte sie versuchen 8 Stunden vor dem Weckerläuten im Bett zu liegen. Das mag für den einen oder anderen logisch klingen, doch es ist leider absolut falsch! Vor allem jene, die Schwierigkeiten damit haben sofort einzuschlafen sollten diese Methode bleiben lassen. Das einzige womit man dann nämlich beschäftigt ist, ist sich von rechts nach links und wieder zurück zu drehen. Eine Sache, die relativ schnell dazu führt, dass man mit dem Einschlafen kämpft und sich fragt, warum es nicht klappt. Was folgt nennt sich „Teufelskreis der Schlaflosigkeit“. Denn die Sorge nicht einschlafen zu können, hält vom Einschlafen ab. Da das Gehirn auf Dauer lernt, das Bett als Ort der Sorgen wahrzunehmen, wird die Müdigkeit verschwinden sobald man sich hinlegt.

Einschlafen will gelernt sein

Doch wie bekämpft man dieses fiese Phänomen nun am besten? Indem man weniger Zeit im Bett verbringt. So paradox es auch klingen mag. „Wird der Aufenthalt im Bett auf die Zeit absoluter Müdigkeit reduziert, so lernt das Gehirn dass es ein Ort zum Schlafen ist“, erklärt Schlafpsychologe Dr. Michael Perlis. Zudem sollte keine überflüssige Zeit im Bett verbracht werden, die ohnehin nur zum Herumdrehen genutzt wird. Das bedeutet: Wenn Sie in 7 Stunden aufstehen müssen, sollten Sie genau diese 7 Stunden vorher ins Bett gehen. Dadurch könnte zwar vorübergehend etwas Schlaf verloren gehen, weil man ja dennoch eine Weile braucht um einzuschlafen, doch die Müdigkeit wird sich aufbauen. Mit etwas Übung klappt es mit dem stressfreien Schlafzyklus wie von alleine.

Wer dennoch weiterhin Schwierigkeiten mit dem Einschlafen hat, sollte zudem darauf achten ab Nachmittag weder Sport zu treiben, noch ein Nickerchen einzulegen oder Koffein zu trinken. All diese Aktivitäten können, mit einigen Stunden Verspätung, der Müdigkeit und somit dem Schlaf einen Strich durch die Rechnung machen. Bei besonders schweren Fällen kann auch eine kognitive Therapie eingesetzt werden. Dabei werden alle potenziellen Ursachen der Schlaflosigkeit untersucht und behoben. Manchmal sind die Gründe für solche Probleme nämlich tief verankert.