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Schütteln kann Babys das Leben kosten

Die Online-Kampagne #schüttelntötet soll der breiten Bevölkerung die Gefahren des Schütteltraumas bewusstmachen ! /Bild: Fotolia
Schütteln kann Babys das Leben kosten
Trixi Kouba

Dreh‘ durch, aber schüttle nie dein Baby“ steht auf einem der Plakate, das eine an der Wand zerschmetterte Kaffeetasse zeigt. Die Online-Kampagne #schüttelntötet der API Kinder- und Jugendstiftung soll der breiten Bevölkerung die Gefahren des Schütteltraumas bewusstmachen. Das Schütteln eines Neugeborenen kann zu lebenslangen Behinderungen oder Tod führen.

Ein Kind bringt neue Gefühl bei Mama und Papa zum Vorschein – positive wie auch negative. Manchmal platzt Eltern einfach der Kragen. Keine Kinder- und Jugendstiftung kann das verhindern. API möchte aber beeinflussen, wie Eltern mit ihrer Wut umgehen. Die neue Online-Kampagne richtet sich an wuterfüllte Eltern und bittet sie, bei emotionalem Ausrasten den Raum zu verlassen und ihre Wut anderswo als am Baby auszulassen. „Werft die Fernbedienung durchs Fenster, raucht eine, tretet eine Tür ein oder geh raus und brüll vom Balkon. Alles ist besser, als dein Kind zu schütteln.“ Denn Schütteln kann Babys das Leben kosten.

Folgen des Schütteltraumas

Wer die Beherrschung verliert und nur einige Sekunden lang sein Baby schütteln, weiß möglicherweise gar nicht, was er damit anrichtet. Schon wenige Sekunden können genügen, um das empfindliche Gehirn des Babys stark zu schädigen. Häufig endet Schütteln tödlich. Es ist die häufigste nicht-natürliche Todesursache im ersten Lebensjahr. Jene Kinder, die überleben, erleiden schwere Hirnschäden und bleiben lebenslang schwerbehindert. Sie bleiben taub, blind oder gelähmt.

Was ist ein Schütteltrauma ?

Die Nackenmuskulatur eines Säuglings ist noch sehr schwach. Zudem ist der Kopf eines Babys im Vergleich zum Körper überproportional groß. Das Gewebe im Gehirn ist viel weicher und verletzbarer als bei einem Erwachsenen, da die Schutzhüllen der Nerven noch nicht ausgebildet sind. All diese Faktoren machen Schütteln zur lebensbedrohlichen Gefahr für kleine Kinder. Wird der empfindliche Kopf des Kindes heftig in Bewegung versetzt, werden das Gehirn und die umgebenen Strukturen stark verletzt. Beim Schütteltrauma-Syndrom reißen Blutgefäße und es kommt zu inneren Blutungen im Schädel und der Netzhaut. Auch Nervenfasern können geschädigt werden. Die Kinder bleiben taub, blind oder gelähmt zurück.

Schütteln ist Kindesmisshandlung

Schütteln ist Kindesmisshandlung und damit strafbar. Laut Statistischem Bundesamt werden in Deutschland jährlich zwischen 100 und 200 Babys Opfer groben Schüttelns. Die Dunkelziffer ist höher. So war es auch im Fall Tayler aus Hamburg. Als seine Mutter für einen Einkauf Tayler ihrem Lebensgefährten anvertraut, schüttelt dieser das Baby heftig, dass es an Hirnverletzungen verstarb. Neuropathologen und Rechtsmediziner konnten dem Mann die Tat nachweisen. Er wurde in Hamburg wegen Totschlags zu elf Jahren Haft verurteilt. Mediziner erleben immer wieder, dass Eltern in der Notaufnahme nicht zugeben möchten, was passiert ist. Damit verzögern sie die lebensrettenden Behandlungen. Mithilfe von einer Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT) und Untersuchungen von Blutungen unter der Netzhaut können Ärzte erst viel später eine Diagnose stellen und können meist feststellen, dass die Verletzungen durch grobes Schütteln verursacht wurde.