Familie

Schule: Bier trinken „lernen“ für verantwortungsvolleren Umgang mit Alkohol?

Das Experiment einer Brandenburger Schule sorgt für gespaltene Meinungen/Bild: Fotolia
Schule: Bier trinken „lernen“ für verantwortungsvolleren Umgang mit Alkohol?
Paulin Klärner

Das Projekt Lieber schlau als blau“ sorgt zurzeit für Aufregung. Im Rahmen des Experiments, das aktuell in einer Schule in Templin, Brandenburg, durchgeführt werden soll und vom Gesundheitsministerium des Bundeslandes und mehreren Krankenkassen mitfinanziert wird, sollen Neuntklässler nach der Schule unter Aufsicht ihrer Lehrer Alkohol trinken „lernen“. Während die Wogen in den Medien hochgehen, betonen die Initiatoren, wie hilfreich und sinnvoll eine offene Herangehensweise an Alkoholkonsum und seine Folgen für junge Menschen sein könnte.

Der Ablauf des Experiments

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Das Projekt wird bereits seit 2011 von einer Suchtpräventionsstelle in Lindow in Brandenburg angeboten. Der Ablauf: Zuerst werden Eltern in einer Informationsveranstaltung über die harten Fakten zu Alkoholkonsum unter Jugendlichen und  Möglichkeiten des richtigen Umgangs mit dem Trinken aufgeklärt. Dann müssen die Eltern für oder gegen den „Workshop“, in dem ihre (über 15-jährigen) Kinder unter Aufsicht „in einem geschützten Rahmen“ Alkohol ausprobieren, abstimmen. Sagt die Mehrheit „Ja“, treffen sich Lehrer und Kinder nach der Schule beispielsweise in einem Jugendzentrum und trinken dort maximal vier kleine Bier (0,33 Liter) oder vier kleine Gläschen Wein oder Sekt (0,125 Liter). Direkt danach und in mehreren darauffolgenden Unterichtseinheiten müssen Teenager das Erlebnis einordnen, das Verhalten von anderen und sich selbst unter Alkoholeinfluss bewerten und offen darüber sprechen, wie sie sich währenddessen und danach gefühlt haben.

Dem „Komasaufen“ von Jugendlichen entgegenwirken

Das Experiment wird zurzeit von zahlreichen Medien aufgegriffen – vor allem, weil sich eine betroffene Mutter über das Projekt empört und mit ihrer Kritik an eine örtliche Zeitung gewandt hat. Headlines wie etwa jene der „Bild“, „Schüler sollen Saufen in der Schule lernen“ sorgen für Aufregung. Andrea Hardeling von der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen und zahlreiche weitere Experten im Bereich Suchtprävention sprechen sich für das Projekt aus. „Es ermöglicht, dass Jugendliche sich mit den Gefahren von Alkohol beschäftigen können, ohne dass es gefährlich wird“, erklärt Hardeling laut Medienberichten. Andere Stimmen, wie die der Sozialpolitikerin Roswitha Schier (CDU), sind kritischer: „Kinder aus alkoholfreien Haushalten werden durch den Gruppenzwang zum Trinken verführt. Man lädt ja auch nicht alle Schüler zum Rauchen ein, um vor den Gefahren des Tabaks zu warnen. Das ist ja krank!“. In Schulen bzw. Klassen, wo Alkohol noch gar kein Thema sei, werde das Projekt laut Initiatoren jedoch nicht durchgeführt – es richte sich demnach eher an Klassen, wo Trinken unter Jugendlichen ohnehin schon auf der Tagesordnung stehe.