Gesundheit

Selfitis: Selfies als Zeichen psychischer Störungen

Die Sucht nach Selfies hat jetzt auch einen Namen - Selfitis. /Bild: Fotolia
Selfitis: Selfies als Zeichen psychischer Störungen
Catharina Kaiser

Selfies sind das neue Porträt der digitalen Generation und Social Media Plattformen leben davon. Jeder einzelne Instagram Account ist eine Ansammlung unterschiedlicher und doch ziemlich ähnlicher Selbstporträts alias Selfies. Und bei manch einem Account hat es den Anschein, als würde die Person nur noch mit der Kamera vor dem Gesicht herumlaufen. Egal in welcher Situation – ob im Park, beim Essen, beim Anziehen, beim Langweilen auf der Couch, auf der Toilette, ein Selfie geht immer. Allerdings hat dieser Selbstinszenierungswahnsinn auch eine Schattenseite: Neuesten Studien zufolge sei obsessives Selfies Schießen nämlich Anzeichen für eine mentale Störung namens Selfitis.

Selfies als neue psychologische Störung ?

Der zugegeben recht lustig klingende Begriff „Selfitis“ tauchte erstmals im Jahr 2014 auf, als Verweis auf die neuesten Entdeckungen der American Psychiatric Association. Demzufolge würden Selfies ein Zeichen psychischer Störungen bzw. einer mentalen Instabilität sein. Allerdings wurde diese „Warnung“ lange Zeit belächelt und auf den Selfies schön weiter gelächelt. Zumindest bis zu jenem Zeitpunkt, als Forscher das Phänomen genauer zu untersuchen begannen. Anlass dafür war die Anerkennung weiterer mit den neuen Technologien verbundener Krankheiten wie etwa die „Nomophobie“. Dabei handelt es sich um die Angst, kein Handy zur Hand zu haben. „Vor ein paar Jahren tauchten einige Artikel auf, die behaupten, dass obsessive Selfitis als psychische Störung einzustufen sei“, erklärt Dr. Mark Griffiths von der psychologischen Abteilung der Nottingham Trent University. Während die Geschichten zwar als Schwindel entlarvt wurden, bedeutet das laut Dr. Griffiths nicht, dass Selfitis nicht existieren würde. „Inzwischen scheint es als könnten wir die psychische Krankheit tatsächlich belegen und aktuell wird die erste Selfitis-Verhaltensskala der Welt entwickelt um den Zustand zu beurteilen“, so Dr. Griffiths.

Süchtig nach Selfies

Im Rahmen einer Studie mit 400 Teilnehmern wurde die erste Selfitis-Verhaltensskala entwickelt, welche auf mögliche Anzeichen hindeuten soll und anzeigt wie stark jemand betroffen ist. Durchgeführt wurde die Studie in Indien, da das Land die meisten User auf Facebook hat. Ermittelt wird der Zustand durch einen Fragebogen, welchen die Teilnehmer ausfüllen sollen. Es handelt sich daher um einen Selbsteinstufungstest, im Rahmen dessen verschiedene Aussagen mit einer Bewertung von 1, für „trifft gar nicht zu“ bis 5 „trifft vollkommen zu“, bewerten. Laut Forscher Dr. Janarthanan Balakrishnan leiden die meisten Betroffenen von Selfitis unter einem deutlichen Mangel an Selbstvertrauen. Dabei können die Symptome typischen Suchterscheinungen ähneln. Die Existenz der psychischen Erkrankung konnte somit belegt werden, doch es braucht definitiv weitere Forschungen um mehr über diese ungewöhnliche Krankheit zu erfahren. Zum einen um zu verstehen warum Menschen dieses obsessive Verhalten entwickeln, zum anderen um herauszufinden wie dagegen vorgegangen werden kann.