Erziehung

Sind Letztgeborene wirklich risikobereite Draufgänger?

In einer Studie untersuchten Forscher, ob an der These, dass Letztgeborene risikobereiter sind, tatsächlich etwas dran ist/ Bild: Fotolia
Sind Letztgeborene wirklich risikobereite Draufgänger?
Paulin Klärner

Man kennt es wohl aus eigener Erfahrung: Erstgeborene haben es in vielerlei Hinsicht leichter. Als erstes Kind bekommt man die ungeteilte Aufmerksamkeit und ist eine Zeit lang die wichtigste und meist geliebte Person im Familienkonstrukt. Wenn weitere Geschwisterchen folgen, ändert sich die Dynamik. So komme es laut Psychologen nicht selten vor, dass Eltern bei ihren später geborenen Kindern lockerer, entspannter und in der Erziehung fast ein wenig „gleichgültiger“ agieren. Dieses Verhalten soll sich laut einer viel diskutierten Theorie auf die Risikobereitschaft der Letztgeborenen auswirken.

Vieldiskutierte Theorie über Risikobereitschaft

Schon Jahrzehnte wird in der Psychologie darüber diskutiert, ob Letztgeborene im Vergleich zu ihren Geschwistern risikobereiter sind. Laut einigen Experten, wie etwa dem bekannten Historiker Frank Sulloway, der diese These anhand einer Arbeit über berühmte Persönlichkeiten untersuchte, müssen sich Kinder, die als letzte in eine Familie geboren werden mehr durchsetzen und um ihre Aufmerksamkeit kämpfen als Erstgeborene. Diese Tatsache soll sich folglich auf ihre spätere Risikobereitschaft auswirken.

Sind Letztgeborene wirklich draufgängerischer?

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In einer aktuellen Studie des Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin analysierten Wissenschaftler Daten aus dem deutschen Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) und der Basel-Berlin Risk Study. In letzterer Studie wurden die TeilnehmerInnen einer Selbsteinschätzung zum Thema Risikobereitschaft sowie einigen Verhaltenstests unterzogen. Außerdem wurden die Geburtsreihenfolgen von rund 200 bekannten Revolutionären der Geschichte untersucht.

Die Ergebnisse der Studie:

Laut den Studienautoren wurden keine Auffälligkeiten gefunden, die die These der Wissenschaftler bestätigen könnten. Erstgeborenen wie Christoph Kolumbus und Martin Luther bestätigen die Ergebnisse, so die Forscher. Demnach seien es wohl andere Faktoren, die die Risikobereitschaft eines Menschen beeinflussen und entscheiden, ob ein Kind zum revolutionären „Draufgänger“ wird.