Erziehung

Sollte man vor seinen Kindern keinen Alkohol trinken ?

Wie schädlich ist es wirklich, wenn Eltern vor ihren Kindern beschwipst sind ? /Bild: Fotolia
Sollte man vor seinen Kindern keinen Alkohol trinken ?
Trixi Kouba

Ein Bier zum Abendessen oder ein Glas Rotwein gehört bei vielen Menschen zu einem entspannten Feierabend dazu. Vor Kindern sollte man diesen genüsslichen Moment aber nicht allzu sehr glorifizieren. Das meint jedenfalls ein aktueller Bericht des Instituts für Alkoholstudien in London.

Der Bericht analysierte die Auswirkungen von normalem elterlichen Trinkverhalten auf ihre Kinder. Fokusgruppen, öffentliche Diskussionen und Umfragen wurden hinzugezogen. So zeigte sich, dass die Hälfte aller Eltern schon mal vor ihrem Kind beschwipst war. Ein Drittel gab an, betrunken gewesen zu sein. Das reicht in einigen Fällen zur Kränkung der Kinder: Eines von fünf Kindern schämte sich für das Trinkverhalten seiner Eltern. Die Mehrheit der Eltern ist sich aber darüber bewusst, dass ihr Trinkverhalten ein Beispiel für ihre Kinder setzt.

Vorsicht vor Glorifizierung

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Dass sich der elterliche Umgang mit Bier, Wein, Schnaps & Co. stärker auf das Rauschtrinken der Kinder auswirkt als bisher angenommen, zeigte dieses Jahr eine Langzeitstudie der Krankenkasse DAK und des Bundesbildungsministeriums. Greifen Eltern von 12-Jährigen regelmäßig zu alkoholischen Getränken, ist die Gefahr des Rauschtrinkens der Kinder im Erwachsenenalter dreimal höher als bei Kindern, die aus alkoholfreien Familien stammen. Das elterliche Trinkverhalten, die Unterstützung und Überwachung und die Eltern-Kind-Beziehung beeinflussen den Alkoholkonsum der Kinder. Laut Studien können autoritäre Erziehungsmaßnahmen schützend gegen Alkoholkonsum von Minderjährigen wirken. Der Bericht empfiehlt eine zweiseitige Kommunikation, in der Kinder vollständig in die Konversation über die Risiken und Schäden von Alkohol miteinbezogen werden. Dabei dürfen Eltern auch die ganz schlimmen Trinkgeschichten ausplaudern. Über persönliche negative Erfahrungen zu sprechen, helfe den Kindern ein normales Trinkverhalten aufzubauen, so die Empfehlung. Vor allem sollte Alkohol nicht glorifiziert werden.

Empfehlungen noch nicht möglich ?

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Laut Prof. Ingebor Rossow vom Norwegischen Institut für Alkohol- und Drogenuntersuchungen, wäre es aber zu früh Empfehlungen auszusprechen. Die Beweislage wissenschaftlicher Studien wäre noch zu dünn, gab sie laut des Guardians an. „Trotz zahlreichen veröffentlichten Untersuchungen zu diesem Thema wissen wir sehr wenig über die Wirkung des elterlichen Trinkverhaltens und der Erziehung auf das Verhalten der Kinder bezüglich Alkohol“. Alkoholwerbungen, Gruppenzwang und die Persönlichkeit– all das kann beim Trinken eine Rolle spielen.

Die Risiken des Rausches

Alkohol ist ein großer und vermeidbarer Risikofaktor für eine Reihe an Erkrankungen. Alkoholkonsum in größeren Mengen begünstigt die Entstehung von Erkrankungen der Leber, des Herz-Kreislaufsystems, des metabolischen Systems sowie Krebserkrankungen und psychischen Störungen. Die Grenze für noch risikoarmen Konsum setzt die DAK auf ein bis zwei alkoholische Getränke pro Tag fest. Laut des Robert Koch Instituts konsumieren momentan 13 % der Frauen und 19 % der Männer in Deutschland riskante Mengen Alkohol.