Gesundheit

Soziale Phobie: Ein stilles Leiden, das häufig unerkannt bleibt

Die Soziale Phobie darf nicht mit Schüchternheit verwechselt werden! / Bild: Fotolia
Soziale Phobie: Ein stilles Leiden, das häufig unerkannt bleibt

Vor einem Vortrag beim Meeting mit dem neuen Kunden nervös zu sein oder auch die Anspannung vor dem ersten Treffen mit den Schwiegereltern – manche Situationen im Leben können uns richtig stressen. Dies ist zwar sehr unangenehm, doch noch nicht allzu bedenklich und weitgehend als „normal“ zu betrachten. Menschen mit einer Sozialen Phobie leiden jedoch in einem sehr ausgeprägten Ausmaß unter ihrer Angst vor sozialen Kontakten bzw. in sozialen Situationen, welche für sie zu groß sein kann, um damit noch umgehen zu können. Die Soziale Phobie gilt als eine der häufigsten psychischen Erkrankungen und verläuft meist chronisch, doch sie ist kein Schicksal: Mit Therapien ist sie häufig sehr gut behandelbar –für ein Leben ohne tägliche Angst.

Ursachen

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Es kann an sich keine monokausale Ursache für die Soziale Phobie bestimmt werden, doch es gibt einige Faktoren, die eine Soziale Phobie begünstigen können. Dazu zählen etwa genetische Faktoren: Gibt es bereits Familienmitglieder, welche an Sozialer Phobie leiden, so ist die Chance deutlich erhöht, ebenso daran zu erkranken. Hier könnte eine überaktive Amygdala – jener Teil des Gehirns, der Angstreaktionen steuert – ursächlich sein. Auch instabile Familienverhältnisse oder traumatische Erfahrungen in sozialen Situationen können die Soziale Phobie auslösen und/oder begünstigen. Dabei darf die Soziale Phobie keineswegs mit Schüchternheit verwechselt werden, auch wenn schüchterne Kinder eher zu sozial ängstlichen Erwachsenen werden, als nicht-schüchterne. Die Soziale Phobie kann das Leben von Betroffenen so sehr einschränken, dass diese soziale Situationen gänzlich meiden und sich isolieren. Dies kann wiederum zu einem geringen Selbstwertgefühl, einer erhöhten Sensibilität für die Kritik durch andere oder auch zu Depressionen führen. Auch der bestehende Anteil der Betroffenen mit Suizidgedanken darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

Erscheinungsbild

Die Soziale Phobie ist meist individuell ausgeprägt, Betroffene weisen verschieden ausgeprägte Ängste in sozialen Situationen auf. Dies kann etwa sein, mit Fremden zu sprechen, eine Rede zu halten, mit Menschen anderen Geschlechts in Kontakt zu kommen oder auch Räume mit Menschen zu betreten. Für manche Betroffenen erweisen sich bereits das Herstellen von Augenkontakt mit anderen Personen oder auch eine Konversation zu beginnen als besonders angstauslösend. Manche Betroffene leiden überdies an einer überaus ausgeprägten Angst vor dem Besuch von Schule, Uni oder Arbeit. Allen situationsbedingten Ängsten gemeinsam ist stets, vor anderen in sozialen Situationen negativ beurteilt oder peinlich berührt zu werden. Auch die Angst davor, von anderen (kritisch) beobachtet zu werden oder im Mittelpunkt zu stehen, kann sehr stark ausgeprägt sein. All dies kann schließlich zu einem Teufelskreis führen, wenn die Betroffenen Angst vor ihren durch die Angst ausgelösten körperlichen Beschwerden entwickeln. Manifestieren kann sich dies etwa in einer Angst vor dem Blamieren vor anderen durch körperliche Symptome wie Erröten, Zittern, Schwitzen oder nervösem Bauchgrummeln.

Begleitende Symptome

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Körperliche Symptome der Sozialen Phobie treten fast immer begleitend mit der psychischen Anspannung auf. Hierzu zählen zum Beispiel ein beschleunigter Herzschlag, erhöhte Muskelspannung, Schwindel und Benommenheit, das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, sich von sich selbst zu entfremden oder auch Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Schmerzen und Durchfall. Oft quälen die Betroffenen ihre Ängste und körperlichen Beschwerden schon lange bevor die gefürchteten sozialen Ereignisse eintreten. Auch nach sozialen Situationen leiden viele Betroffene noch an ihren negativen Gefühlen oder einer peinlichen Berührtheit.

Therapie und Tipps

Im Falle einer Sozialen Phobie ist es von großer Bedeutung, sich als Betroffene/r rechtzeitig Hilfe zu suchen. Dabei sind die Erfolgsaussichten einer Therapie meist sehr gut.

  • Eine Psychotherapie, vor allem die kognitiven Verhaltenstherapie, kann Betroffenen unter anderem dabei helfen, ihre Wahrnehmungen, ihre Selbstwahrnehmung und ihre Einstellungen zu hinterfragen bzw. zu überprüfen und dadurch Ängste abzubauen.
  • Sich Schritt für Schritt angstauslösenden Situationen zu stellen und sich mit den eigenen Ängsten zu konfrontieren, kann ebenso für manche Betroffene hilfreich sein. Wichtig ist hier, dass die Situationen nicht zu überfordernd sind, auch eine Begleitung durch eine vertraute Personen kann hier hilfreich sein.
    Dies kann etwa sein, zu versuchen, mit Fremden ein paar Worte zu wechseln oder auch, alleine einkaufen zu gehen.
  • Auch Psychopharmaka, wie etwa SSRIs können hilfreich sein, Ängste zu lindern. Hier muss jedoch mit einer längeren – bis zu etwa dreimonatigen Dauer – bis diese auch ansprechen, gerechnet werden. Auch sollte eine medikamentöse Behandlung im Idealfall von einer Psychotherapie begleitet werden.