Ernährung

Stecken hinter vermeintlicher Glutenunverträglichkeit Fruktane ?

Vielleicht ist gar nicht das Gluten Schuld, sondern Zuckermoleküle ! /Bild: Fotolia
Stecken hinter vermeintlicher Glutenunverträglichkeit Fruktane ?
Trixi Kouba

Hinter der vermeintlichen Glutenunverträglichkeit könnten möglicherweise Fruchtmoleküle als Bösewichte für Blähbauche stecken.

Rund ein Prozent der Weltbevölkerung leidet unter Zöliakie, einer Autoimmunerkrankung, bei der die Immunabwehr auf Gluten aktiviert wird. Gluten ist ein Klebereiweiß, das in zahlreichen Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste oder Dinkel vorhanden ist. Obwohl Gluten für gesunde Menschen unbedenklich ist, führt es bei Betroffenen zu chronischen Entzündungen in der Dünndarmschleimhaut und heftigen Magenschmerzen und Verdauungsstörungen. Die Erkrankung ist weder behandel- noch heilbar. Einzig der Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel vermeidet Beschwerden. 12 Prozent der Menschen berichten von einem Unwohlsein nach dem Verspeisen glutenhaltiger Mahlzeiten wie Brot oder Nudeln, obwohl keine Glutenunverträglichkeit bei ihnen nachgewiesen werden kann. Möglicherweise steckt hinter dem Phänomen gar nicht Gluten, sondern Zuckermoleküle, meinen nun Forscher.

Gluten zeigte keine Wirkung

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Jane Muir und Peter Gibson von der Monash University in Australien untersuchten was hinter der vermeintlichen Glutenunverträglichkeit steckt. Den Anstoß erhielten die beiden Forscher durch eine Studie aus dem Jahr 2013, in der Menschen ohne Zöliakie glutenfreie und glutenhaltige Mahlzeiten konsumierten und sich kein Unterschied in ihrer Verdauung fand. Stattdessen verdächtigten die australischen Forscher Fruktane. Dabei handelt es sich um Zuckermoleküle in Weizen, Roggen und Dinkel aber auch in Zwiebeln, Knoblauch, Artschocken, Kichererbsen und Kohl. In ihrer Untersuchung verspeisten fast 60 Freiwillige, die zwar nicht unter Zöliakie litten, sich aber trotzdem glutenfrei ernährten, drei Arten von Müsliriegel: Mit Gluten, mit Fruktanen und ohne einem der beiden Bestandteile. Die Studienteilnehmer aßen einen dieser Riegel eine Woche lang. Zwischen dem Wechsel zu einem anderen Riegel lagen mehrere Wochen. Die Freiwilligen wussten nicht, welchen Riegel sie gerade aßen. Sie unterschieden sich nicht vom Geschmack oder Aussehen.

Fruktane auch in Gemüse vorhanden

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Interessanterweise war nicht Gluten für Verdauungsbeschwerden verantwortlich. Müsliriegel mit Fruktanen lösten zu 15 Prozent häufiger Blähungen aus und sorgten für einen 13-prozentigen Anstieg in generellen Verdauungsproblemen als „Kontrollriegel“ ohne Gluten und Fruchtmolekülen. Der glutenhaltige Müsliriegel zeigte hingegen keine Auswirkungen. Das Ergebnis könnte die Erklärung dafür sein, wieso viele Menschen trotz glutenfreier Ernährung weiterhin unter Magen-Darm-Problemen leiden. Zwar fallen viele Fruktane beim Verzicht von Weizen weg, sie finden sich aber immer noch in anderen Gemüsesorten wie Zwiebeln, Knoblauch oder Kichererbsen. Es würde auch erklären, wieso die Wirkung von Gluten in Studien selten nachgewiesen werden kann und wieso Menschen ohne Glutenunverträglichkeit unter glutenhaltigen Produkten leiden.