Familie

Stress bei Müttern führt zu Übergewicht bei Töchtern – stimmt das tatsächlich?

Stress in der Schwangerschaft, kann sich auf die Gesundheit des Kindes auswirken!/Bild: Fotolia
Stress bei Müttern führt zu Übergewicht bei Töchtern – stimmt das tatsächlich?
Melanie Payerl

Erschreckend ist die Zahl der übergewichtigen Kinder in Deutschland: Knapp zehn Prozent der Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren sind übergewichtig, drei Prozent leiden sogar an Fettleibigkeit. Bekannte Faktoren, die Übergewicht begünstigen, sind etwa eine ungesunde zuckerhaltige und fettreiche Ernährung sowie zu wenig Bewegung. Die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Kristin Junge von der Abteilung Umweltimmunologie des UFZ nimmt an, dass auch mütterlicher Stress zu Übergewicht bei Kindern beiträgt. In der Entwicklung eines Kindes ist die Zeit der Schwangerschaft sowie die ersten Lebensjahre besonders empfindlich gegenüber äußere Umwelteinflüsse, da diese Erkrankungen oder Fettleibigkeit hervorrufen können. Kann mütterlicher Stress während dieser Zeit, diese beiden Faktoren begünstigen?

Eine Langzeitstudie bestätigt Annahmen

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Bei der Mutter-Kind-Studie LiNA wurden sensible Kindheitsentwicklungsphasen unter spezieller Berücksichtigung des Lebensstils und Faktoren wie die Umweltverschmutzung und ein späteres Auftreten von Allergien, Atemwegserkrankungen und Übergewicht untersucht. Seit 2006 verfolgen UFZ-Forscher mehrere Mütter während ihrer Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren des Kindes, um die Auswirkungen von Umwelteinflüssen und Lebensgewohnheiten auf die Gesundheit des Kindes zu untersuchen. Die aktuelle UFZ-Studie basiert auf Daten von 498 Mutter-Kind-Pass-Daten. Dabei wurden Daten wie Körpergröße und Gewicht von Mutter und Kind ermittelt. Außerdem mussten die Mütter Fragebögen zu wahrgenommenen Stress sowie zu Themen wie Sorgen, Ängste, Spannungsgefühle und der allgemeinen Zufriedenheit beantworten.

Bei der Studie wurden die Daten der Fragebögen zum wahrgenommenen Stress von Müttern während der Schwangerschaft und den ersten beiden Lebensjahren des Kindes mit der Entwicklung des BMI bis zum 5. Lebensjahr verglichen und analysiert. Die Studienergebnisse zeigten dabei, dass das erste Lebensjahr besonders einflussreich ist. Die Studie bestätigte dabei einen Zusammenhang zwischen  mütterlichen Stress und Übergewicht bei Kindern vor allem in den ersten fünf Lebensjahren. Ein Zusammenhang zwischen mütterlichen Stress und einem erhöhten BMI, konnte vor allem bei Mädchen beobachtet werden. Dr. Saskia Trump, leitende Autorin der aktuellen Studie, die am Berliner Institut für Gesundheitsforschung arbeitet geht davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen mütterlichen Stress und Übergewicht bei deren Töchtern gibt. Das erste Lebensjahr eines Kindes ist eine besonders sensible Phase, in der Mutter und Kind in der Regel besonders eng zusammen leben.

Welche Stressfaktoren gibt es?

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Was verursacht mütterlichen Stress? Um diese Frage zu beantworten, untersuchten Forscher der Studie weitere Daten. Dabei wurden weitere mögliche Einflussfaktoren wie das Haushaltseinkommen, der Bildungsstand und die Lebensqualität unter die Lupe genommen. Die Studienergebnisse zeigten, dass Mütter mit einem höheren Stressniveau häufig starkem Lärm ausgesetzt waren, schlechte Lebensbedingungen hatten und wenig verdienten. All diese Faktoren begünstigen das Übergewicht bei Kindern. Mütterlicher Stress, der durch schwierige Lebensbedingungen und ein ungünstiges Wohnungsumfeld verursacht wird, kann langfristig zu Übergewicht bei Kindern führen. Ärzte sind davon überzeugt, dass mütterlicher Stress stets ernst genommen werden muss.