Ernährung

Studie: Body-Mass-Index lässt keinen Rückschluss auf den Ernährungszustand zu

Der BMI bietet eine einfache Berechnungsformel, um sein Gewicht hinsichtlich Über-, Unter- oder Normalgewicht zu bewerten. Gerade bei Menschen mit Übergewicht lässt sich vom BMI alleine nicht auf den Ernährungszustand schließen. /Bild: Fotolia
Studie: Body-Mass-Index lässt keinen Rückschluss auf den Ernährungszustand zu

Menschen mit Übergewicht und einem hohen BMI-Wert sehen sich nicht selten mit ungerechtfertigten Vorurteilen bezüglich ihrer Ernährungsweise konfrontiert. Doch wie aussagekräftig ist der BMI eigentlich und können auch Übergewichtige einen Zustand der Mangelernährung aufweisen? Dieser Frage gingen nun australische Forscher der University of Queensland genauer nach.

Der BMI – ein „unsicherer“ Idealgewichts-Indikator

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Der Body-Mass-Index bietet an sich eine einfache Möglichkeit, das eigene Gewicht beurteilen zu können. Beim BMI wird das Körpergewicht in Relation zur Körpergröße bewertet: Damit ist er auch ein (scheinbar) idealer Indikator, um das eigene Gewicht in Unter-, Über- oder auch ins Normalgewicht einzuordnen und danach seine Lebens- und Ernährungsweise anzupassen. Doch er bietet auch Nachteile: Etwa, dass Muskelmasse und Fettmasse nicht hinreichend differenziert werden können. Und weiter – und dies war im Rahmen der Studie ein Hauptthema – dass der Ernährungszustand bei der BMI-Berechnung nicht hinreichend bewertet werden könne.

Studie erhob Daten von Spitalspatienten

Die australischen Studie umfasste die Daten von 3122 Patienten, die in einem Krankenhaus aufgenommen worden waren. Bei diesen wurden sowohl der BMI, als auch der Ernährungszustand erhoben. Ebenso wurde in Prozentzahlen ermittelt, wieviel der im Krankenhaus angebotenen Mahlzeiten die Patienten aßen. Bei dieser 24h Nahrungsaufnahme-Analyse reichte die Menge von 0%, 25%, 50%, 75% bis zu 100%. Nach drei Monaten wurde schließlich die Aufenthaltsdauer der Patienten, die Rückübernahmen sowie die Sterblichkeitsdaten im Krankenhaus erhoben.

Mangelernährung bei Adipositas unterschätzt

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Von den 3122 Teilnehmern konnten schließlich die Daten von 2889 Patienten, die einen Anteil von 93% der Gesamtteilnehmerzahl ausmachten, bewertet werden. 26% der Patienten waren adipös, wobei davon 14% einen Ernährungszustand der Unterernährung aufwiesen. 28% von diesen adipösen, gleichzeitig unterernährten Patienten verzehrten weniger bzw. bis zu 25% der im Krankenhaus angebotenen Mahlzeiten. Ein Großteil der unterernährten adipösen Patienten (70%) erhielt dennoch keine an die Unterernährung angepasste Kost. Nachdem andere Faktoren wie das Alter, der Krankheitstyp sowie auch die Ausprägung der Erkrankung ausgeschlossen worden waren, zeigte sich ein trauriges Ergebnis: Mangelernährung lasse das Risiko, im Krankenhaus zu sterben, um ein Dreifaches ansteigen. „Obwohl unterernährte fettleibige Menschen signifikant negative gesundheitliche Auswirkungen hatten, war es am unwahrscheinlichsten, dass sie zusätzliche Ernährungsunterstützung erhielten“, so die Autoren der Studie. Demnach lässt sich aus der Studie schließen, dass der BMI alleine den Ernährungszustand nicht hinreichend erfassen könne. Überdies weisen die Forscher auf die Wichtigkeit hin, den Ernährungszustand aller Patienten im Krankenhaus zu erfassen, eine Bewertung dieses vorzunehmen und entsprechende Ernährungstherapien einzuleiten.