Ernährung

Studie: Die Zunge als Geruchsorgan?

Eine neue Studie liefert spannende Resultate über unser Geschmacksempfinden: Bereits in den Geschmackszellen unserer Zunge finden sich Geruchsrezeptoren. /Bild: Fotolia
Studie: Die Zunge als Geruchsorgan?

Die Zunge bildet unser primäres Geschmacksorgan. Nun kamen Forscher des Monell Chemical Senses Centers zum Ergebnis, dass neben den auf der Zunge befindlichen Geschmackszellen auch funktionelle Geruchsrezeptoren existieren. Diese Sensoren nehmen Gerüche in der Nase wahr und können sie dementsprechend auch ihren Quellen zuordnen. Die Studienresultate deuten demnach auf direkte Wechselwirkungen zwischen Geruchs- und Geschmackssinn hin. Ebenso könnten sie einen Meilenstein in der Wissenschaft bedeuten: Dass jene Wechselwirkungen bereits in der Zunge, und nicht erst – wie bisher angenommen – im Gehirn beginnen.

Das Geschmackserlebnis als “Produkt” von Geruch und Geschmack

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Bislang schätze man Geschmack und Geruch zwar als zusammen geschmacksbildend, jedoch als voneinander unabhängige sensorische Systeme ein. Diese würden dabei erst beim Erreichen der jeweiligen Informationen im Gehirn wechselwirken. Entgegen der Meinung, dass also vor allem der Geschmack an sich den Geschmack von Lebensmittel ausmache, ist jedoch eher der Geruch für den Geschmack der Speisen verantwortlich. Die Geschmackssensoren auf der Zunge umfassen die Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami. Sie liefern uns Informationen zu Nährwert oder auch potentieller Giftigkeit. Der Geruch hingegen übermittelt uns detaillierte Informationen zur Geschmacksqualität, im Gehirn werden schließlich die Inputs von Geschmack, Geruch und anderen Sinnen kombiniert – mit dem Resultat eines einzigartigen Geschmackserlebnisses.

Geruchsrezeptoren in Geschmackszellen

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Die Studie basierte auf genetischen sowie biochemischen Methoden zur Untersuchung der Geschmackszellkulturen. Letztendlich ging aus der Studie die erste Demonstration funktioneller Geruchsrezeptoren in menschlichen Geschmackszellen hervor.Dies deutet postulierend darauf hin, dass Geruchsrezeptoren eine wichtige Rolle im Geschmackssystem spielen könnten. Die Resultate liefern demnach nicht nur einen spannenden Einblick über die Art und die Mechanismen von Geruchs- und Geschmackswechselwirkungen. Ebenso können sie auch als Werkzeug für das Verständnis, wie das Geruchssystem Gerüche erkennt, fungieren. Die neuen Studienergebnisse könnten dabei helfen, zu erkennen, inwiefern Geruchsmoleküle die Geschmackswahrnehmung beeinflussen. Ebenso könnten die Erkenntnisse, so der Studienautor Mehmet Hakan Ozdener, MD, PhD, MPH, Zellbiologe bei Monell, „zur Entwicklung von geruchsbasierten Geschmacksmodifikatoren führen, welche dabei helfen können, die überschüssige Salz-, Zucker- und Fettaufnahme im Zusammenhang mit ernährungsbedingten Krankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes zu bekämpfen.

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