Bewegung

Studie: Kann Bewegung tatsächlich Depressionen verhindern?

Laut einer aktuellen Studie kann man Depressionen mit Bewegung entgegenwirken/ Bild: Fotolia
Studie: Kann Bewegung tatsächlich Depressionen verhindern?
Paulin Klärner

Zahlreiche Studien bestätigen: Bewegung ist eine Wohltat für Körper und Seele. Und jeder aktive Mensch weiß: Wer sich regelmäßig bewegt, bringt nicht nur den Kreislauf in Schwung und pusht die Ausdauer und damit das Energie-Level, sondern hat auf Dauer auch bessere Laune, schläft besser, ist stressresistenter und fühlt sich alles in allem ausgeglichener. Umgekehrt kann sich mangelnde körperliche Betätigung negativ auf die Stimmung und in Folge auch auf die psychische Gesundheit auswirken. Der Zusammenhang von Depressionen und körperlicher Betätigung wurde in der aktuellen Studie „Assessment of Bidirectional Relationships Between Physical Activity and Depression Among Adults“ erneut unter die Lupe genommen.

Schützt Bewegung vor Depressionen?

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ForscherInnen des Massachusetts General Hospital haben im Rahmen ihrer Studie, die im Fachblatt „JAMA Psychiarty“ veröffentlich wurde, den Zusammenhang zwischen Bewegung und Depressionen untersucht. Für die Untersuchung wurden die Daten von 300.000 TeilnehmerInnen analysiert. Durch die sogenannte „Mendelsche Randomisierung“, eine komplizierte statistische Methode, konnten Genvarianten, die schon vor der Geburt feststehen, als Variablen miteinbezogen werden. Die Daten für die Analyse wurden aus mehreren verschiedenen Studien, im Rahmen derer die körperliche Aktivität der TeilnehmerInnen mit Fitness-Trackern aufgezeichnet wurde, und ProbandInnen gebeten wurden, ihr Bewegungsverhalten selbst einzuschätzen, gesammelt.

Das Ergebnis: Wer sich 15 Minuten täglich bewegt, reduziert das Depressions-Risiko bereits um ganze 26 Prozent. Hierbei sei es nicht unbedingt notwendig, sich täglich durch ein strenges Fitness-Programm zu quälen, vielmehr gilt: „Bereits etwas Bewegung ist besser als gar keine“, so Studienautorin Karmel Choi im Interview mit dem ORF. Kleine Wege nach Möglichkeit mit dem Rad oder zu Fuß anstatt mit Bus oder Auto zurückzulegen macht also schon einen Unterschied. Natürlich ist es hierbei wichtig, zu erwähnen, dass Sport alleine Depressionen nicht verhindern kann – er ist aber definitiv eine effektive Maßnahme zur Vorbeugung und kann auch bei bereits bestehenden Depressionen helfen. Die Autoren schreiben in der Conclusio ihrer Studie, dass es nur wenige Faktoren gäbe, mit denen man Depressionen selbst beeinflussen kann: Sport ist einer davon.

Besonders für junge Menschen ist Sport wichtig

Eine schwedische Studie unter der Leitung von Maria Åberg von der Sahlgrenska Academy in Göteborg zeigt, dass Bewegung vor allem bei jungen Menschen wichtig ist, um das seelische Gleichgewicht und damit eine stabile Psyche zu fördern. Die Forscherin erklärt, dass ein schlechter, körperlicher Zustand durch mangelnde Bewegung die Wahrscheinlichkeit eines Suizid-Versuchs um das 1,8-fache erhöhe. Bei depressiven Menschen sei die Ausschüttung des Botenstoffs Kortisol im Gehirn, der unter anderem für die Übertragung von Neurotransmittern verantwortlich ist, oft blockiert. Dieser wird bei Sport vermehrt ausgeschüttet. Und auch Erfolgserlebnisse wirken sich positiv auf das Allgemeinbefinden aus – so empfehlen Kinder- und Jugendberater für Heranwachsende besonders Gemeinschaftssport-Arten.

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