Gesundheit

Studie: Kindheitstraumata korrelieren mit Risiko für Depressionen

Traumatische Erfahrungen in der Kindheit können sich auch in Veränderungen der Gehirnstruktur manifestieren. /Bild: Fotolia
Studie: Kindheitstraumata korrelieren mit Risiko für Depressionen

Kindheitstraumata hinterlassen Spuren und Narben in der Seele – ein Leben lang und oftmals unbewusst. Die Folgen von Kindheitstraumata können jedoch mehr als bisher angenommen belasten: Einer aktuellen Studie zufolge konnte nun nachgewiesen werden, dass sie die Gehirnstruktur nachhaltig beeinträchtigen könnten und die Anfälligkeit für Depressionen fördern könnten.

Neurologisch erkennbare, strukturelle Gehirnveränderungen

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In der durchgeführten zweijährigen Beobachtungsstudie, welche im Journal The Lancet Psychiatry publiziert wurde, wurden 110 Patienten einbezogen. Die Studie gilt weltweit als Erste, welche einen direkten Zusammenhang zwischen Misshandlungserfahrungen, Veränderungen der Gehirnstruktur sowie dem klinischen Verlauf einer Depression aufgreift. Die Studienteilnehmer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren wurden zuvor aufgrund einer schweren Depression stationär im Krankenhaus behandelt, mit Hilfe von Fragebögen und Interviews bewerteten sie im Rahmen der Studie die Schwere ihrer momentanen Depression.

Ebenso wurden alle Teilnehmer im Rahmen der Studie einer strukturellen MRT-Untersuchung unterzogen. Die Ergebnisse dieses bildgebenden Verfahrens deuteten schließlich darauf hin, dass sowohl die kindliche Misshandlung als auch die wiederkehrende Depression mit einer ähnlichen Verringerung der Oberfläche der Inselrinde korreliere. Ebenso ließ sich aus den MRT-Bildern schließen, dass jene Verringerung einen Rückfall der Depression wahrscheinlicher mache.

Zukunftsweisend für therapeutische Ansätze

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„Unsere Ergebnisse unterstreichen die Vorstellung, dass sich Patienten mit klinischer Depression, die als Kinder misshandelt wurden, klinisch von nicht misshandelten Patienten mit der gleichen Diagnose unterscheiden“, so der Forschungsleiter Dr. Nils Opel von der Universität Münster. Die Studienergebnisse würden ebenso aufzeigen, dass Menschen mit Depressionen, welche als Kinder Opfer schwerer Misshandlung geworden waren, weniger auf konventionelle Therapiemethoden reagieren würden. Dies könnte in Zukunft ein wichtiger Aspekt der klinischen Behandlung von schweren Depressionen sein. Auch Dr. Lianne Schmaal von der University of Melbourne, Australien äußerte sich zur Studie und postulierte, dass jene einen wichtigen Beitrag zum Wissen über die Mechanismen, welche das Risiko einer Depressions-Remission, leisten würde. Darüber hinaus fügte sie hinzu, dass „ein besseres Verständnis dieser Mechanismen entscheidend für die Entwicklung oder Verbesserung risikoadaptierter Interventionen für Menschen, welche anfällig für ein schlechteres langfristiges klinisches Ergebnis sei.“