Gesundheit

Studie: Traurige Musik als Stimmungs-Booster ?

Lauthals zu Adele's "Someone Like You" mitkrächzen & sich danach besser fühlen - geht das wirklich ? /Bild: Fotolia
Studie: Traurige Musik als Stimmungs-Booster ?
Catharina Kaiser

Wenn die Stimmung mal so einen richtigen Tiefpunkt erreicht hilft nur eines – traurige Musik aufdrehen und losheulen. Und die Wissenschaft stimmt zu! Denn jüngsten Forschungen zufolge kann Herzschmerz-Musik dabei helfen, sich wieder besser zu fühlen. Falls Sie sich schon mal gefragt haben warum es so gut tut die Texte von Adele mitzuschluchzen, dann kommt hier die wissenschaftliche Erklärung dazu!

Musik zum Mitsingen 

Die im Scientific Reports veröffentlichte Studie konnten einen unbestreitbaren Zusammenhang zwischen lautem Mitsingen zur Musik und einem intensiven Erleben von Glücksgefühlen feststellen. Dazu wurden vorab Teilnehmer nach ihren Musikvorlieben befragt und sollten angeben, wie oft Musik bei ihnen zu Gänsehaut führt. Bei einigen Songs ist die nämlich praktisch vorprogrammiert. Mal ganz abgesehen von jenen Liedern, die einem die Tränen in die Augen schießen lassen oder andere, die das Mitsingen unmöglich machen, weil man einen riesen Klumpen im Hals hat. Basierend auf diesen Angaben wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen unterteilt: Typ „Heuler“ und Typ „Gänsehaut“. Anschließend lauschte jeder Teilnehmer 6 verschiedenen Songs, die ausgewählt wurden um eine emotionale Reaktion zu provozieren. Drei von ihnen durften die Testpersonen selbst aussuchen.

Zwischen Schüttelfrost & Heulkrampf

Sobald sich eine der gesuchten Reaktionen, nämlich Tränen oder Gänsehaut, bemerkbar machte mussten sie mittels „Stimmungsregler“ am Bildschirm angeben wie viel Freude sie empfanden. Währenddessen überwachten die Forscher sowohl Herzfrequenz als auch andere körperliche Auswirkungen. Das Resultat war selbst für die Wissenschaftler faszinierend: Alle Menschen die Gänsehaut bekommen hatten, erlebten sowohl Freude als auch Leid. Die weinende Kontrollgruppe fühlte hingegen ausschließlich ein Gefühl der Trauer. In beiden Fällen kam es allerdings zu einer verlangsamten Atmung und Freude – was darauf hindeutet, dass auch Tränen ein Gefühl der Freude hervorrufen und beruhigend auf die Psyche wirken können.

Happy dank melancholischer Lieder ?

Die Idee, melancholische Musik könnte glücklicher machen wurde ebenso von anderen Forschungen unterstützt. Doch woran genau liegt der paradoxe Effekt? Etwa weil man sich besser fühlt, wenn man dem traurigen Lied von jemandem lauscht, dem es noch mieser geht? Möglicherweise. Oder vielleicht weil die Texte des Sängers die eigene Situation widerspiegeln? Das könnte ebenfalls zutreffen. Dennoch konzentrieren sich Wissenschaftler auf eine andere Auswirkung. Nämlich inwiefern traurige Musik zur Freisetzung des sogenannten Prolaktins beitragen kann. Dabei handelt es sich um ein Hormon, das für seine kummerstillende Wirkung bekannt ist. Es ist quasi die körpereigene Methode sich auf ein traumatisches Ereignis vorzubereiten, nur dass dieses nie eintreten wird. Was passiert ist, dass der Mensch vollgepumpt mit einer Mischung aus Opiaten herumläuft. Dafür könnte auch der Neurotransmitter Dopamin verantwortlich sein. Ein ähnlicher Effekt konnte übrigens auch bei traurigen und emotionalen Filmen festgestellt werden. Kitsch-Romanzen, Schnulzen und Dramen der Kategorie „Heul-Flenn“ können daher ebenso die für Glück, Beziehung und Nähe zuständige Gehirnaktivität fördern. Eine mögliche Theorie der Forscher ist, dass das Sehen trauriger Ereignisse in Filmen dazu führt, dass der Betrachter sein Leben mehr zu schätzen weiß. Laut einer weiteren Theorie könnten traurige Filme die Ausschüttung von Oxytocin im Gehirn anregen und so dazu ermutigen, sich mehr um andere zu kümmern.

Wenn Sie also das nächste Mal lauthals zu Adeles „Someone Like You“ mitkrächzen, können Sie sich anschließend auf ein klein wenig Herzschmerz Linderung freuen. Da macht das Mitsingen gleich noch mehr Spaß!