Gesundheit

Third Hand Smoke: Die Gefahr des Passivrauchens

Wer seine Kinder vor Passivrauch schützen will, geht zum Rauchen vor die Tür - hilft leider auch nicht ! /Bild: Fotolia
Third Hand Smoke: Die Gefahr des Passivrauchens
Catharina Kaiser

Die gefährlichen Auswirkungen des Passivrauchs sind inzwischen wohl den meisten bewusst und viele Raucher versuchen aus Rücksicht auf ihre Mitmenschen vorsichtiger zu sein. Inzwischen gibt es laut Experten aber ein neues Problem: der sogenannte Third Hand Smoke, also Rauch aus dritter Hand. Denn nur weil man nicht unmittelbar in der Rauchwolke steht, bedeutet das nicht, dass kein Risiko mehr besteht. Zumindest nicht wenn es um Kleinkinder geht. Auch wenn sich laut Statistik immer mehr Eltern dazu entschließen vor der Tür zu rauchen, bleibt das Risiko bestehen. Kurz gesagt: Auch die Zigarette am Balkon kann zu Passivrauch in der Wohnung führen.

Passivrauch & Third Hand Smoke

Die Zigarette vor der Tür zu rauchen ist für viele eine Selbstverständlichkeit. Immerhin will man ja selbst als Raucher nicht in einer völlig verqualmten Wohnung sitzen. In diesem Fall geht der Plan auch durchwegs auf. In Sachen Schutz jedoch weniger. Denn auch wer draußen raucht schleppt Nikotin, Qualm und Chemikalien mit in die Wohnung. Laut Experten ist die Gesundheit des Kindes somit immer noch stark gefährdet. Den meisten Eltern ist das allerdings nicht bewusst. „Viele glauben ihre Kinder mit dieser Methode schützen zu können. Das ist aber nicht der Fall“, erklärt Lungenspezialistin und Leiterin der Pädiatrische Pneumologie PD Dr. med. Christiane Lex von der Universitätsmedizin Göttingen. Forschungen darüber wie hoch das Risiko für Kinder ist, wurden zwar noch nicht durchgeführt, jedoch sehen Experten tatsächlich eine große Gefahr hinter den mitgeschleppten Stoffen. Besonders wenn es um die enthaltenen Feinstaubpartikel geht. Hier reiche, so Pneumologe Tobias Raupach, bereits eine kleine Menge aus, um großen Schaden anzurichten. Und genau diese beinahe unsichtbaren Partikel werden von Rauchern mit zurück in die Wohnung gebracht, zusammen mit einer Flut schädlicher Chemikalien. Denn satte 4.000 Chemikalien, von welchen rund 200 als gesundheitsschädigend bezeichnet werden, befinden sich alleine im Rauch einer Zigarette. „Egal an welchem Ort man raucht, diese giftigen Partikel bleiben haften“, erklärt Dr. Jonathan Winickoff vom MassGeneral Hospital in Boston. Diese verfangen sich zum einen natürlich in den Haaren und der Kleidung, weshalb man nach einer Zigarette auch von diesem (un)betörenden Duft umhüllt ist, zum anderen aber in erster Linie an den Händen. Und mal ganz im Ernst, niemand würde auf die Idee kommen sich nach einer Zigarette die Hände zu waschen, oder? Was also passiert, ist dass diese Chemikalien haften bleiben und somit in die Wohnung gelangen. Hinzukommt, dass man nach einer Zigarette noch rund 90 weitere Sekunden lang Chemikalien und Rauchpartikel ausatmet. Schnell eine zu rauchen und nach dem letzten Zug direkt zurück in die Wohnung zu gehen, macht daher nur wenig Sinn.

Nikotin kommt überall hin

Hochrechnungen zufolge sind rund 24 Millionen nichtrauchende Kinder und Jugendliche in Amerika regelmäßig sowohl Passivrauch als auch Third Hand Smoke ausgesetzt – zumeist aufgrund rauchender Eltern. Umgerechnet bedeutet das 4 von 10 Kindern im Schulalter und 1 von 3 Jugendlichen. Eine 2012 veröffentlichten Studie ergab zudem, dass ein Nikotin-Nebenprodukt namens Cotinin, bei rund 41 % der Kinder im Alter vom 3 bis 11 Jahren und bei 34 % der Kinder im Alter von 12 bis 19 nachgewiesen werden konnte. Dies liegt zum größten Teil natürlich daran, dass die schädlichen Chemikalien durch Kontakt auf die Kinder übertragen werden. Zudem warnen Experten, dass Kleinkinder besonders anfällig für die Exposition gegenüber Passivrauch und Third Hand Smoke sind, da die Rückstände oft über Stunden hinweg haften bleiben können und sie dadurch leicht mit kontaminierten Oberflächen in Kontakt kommen können. Das Bewusstsein der Raucher gegenüber der Gefahr von Passivrauch sei Studien zufolge aber noch immer gering. Während 84,1 % der Raucher zwar zustimmten, dass Passivrauchen die Gesundheit von Kindern schädigen könnte, so waren nur 43 % der Meinung dass auch „Third-Hand Smoke“, also die Rückstände von Nikotin gefährlich sein könnten. Die Forscher der Studie, welche im Journal  of Paediatrics veröffentlicht wurde, setzten sich daher verstärkt für eine intensivere Aufklärung über die Risiken des Rauches aus dritter Hand ein um mögliche gesundheitliche Schäden bei Kindern reduzieren zu können.