Übergewicht: Gehirnzellen können Hunger kontrollieren

Es muss dringend ein effektiver Weg gefunden werden, um Fettleibigkeit zu bekämpfen ! /Bild: Fotolia
Übergewicht: Gehirnzellen können Hunger kontrollieren
Catharina Kaiser

Übergewicht gilt aktuell als eines der größten Probleme der Menschheit und beschränkt sich schon lange nicht mehr nur auf Amerika. Alleine in Österreich waren laut letzter Erhebung 15,6 % der Männer und 13,2 % der Frauen übergewichtig. Vergleicht man diese Zahlen weltweit, so zeigt sich in den letzten 40 Jahren ein enormer Anstieg: Während im Jahr 1975 noch 105 Mio. Menschen als deutlich zu dick galten, waren es 2014 bereits 641 Mio. Menschen, und neue Studien prognostizieren keine Besserung. Denn laut einer, im The Lancet veröffentlichten Forschung, könnte bis 2025 rund ein Fünftel der Menschheit weltweit unter Übergewicht leiden. Es müsse also dringend ein Weg gefunden werden, um Übergewicht effektiv zu bekämpfen. Ein Thema mit dem sich die Forschung bereits seit mehreren Jahrzehnten auseinandersetzt. Nun scheint ein kleiner Durchbruch gelungen zu sein. Denn laut neuesten Forschungen könnten Zellen im Gehirn den Hungerimpuls kontrollieren und für die Behandlung von Fettleibigkeit genutzt werden. Das bestätigt wiederum, dass Essen ein extrem komplexes biologisches Vergalten ist.

Wenn Zellen hungrig machen

Im Fokus der neuen Forschungen steht der dorsale Raphekern (DRN), in dem sich gleich zwei wichtige Zelltypen befinden. „Im Rahmen einiger Untersuchungen konnten wir zwei neue Populationen von Zellen identifizieren, die den Appetit stark regulieren“, so Dr. Alexander Nectow, Forscher an der Princeton University. Basierend auf diesen Entdeckungen sollen nun neue Medikamente zur Behandlung von Übergewicht entwickelt werden, die eben diese Zellen beeinflussen sollen. So stellte das Forscherteam mittels einer Technik namens iDisco fest, dass hungrige Mäuse eine erhöhte Aktivität des DRN-Bereichs aufwiesen. Im Vergleich dazu zeigte die zweite Gruppe von Mäusen, die deutlich mehr als ihre normale Ration zu essen bekamen, ein ganz anderes Muster der DRN-Aktivität. Das beweise, dass Neuronen in diesem Gehirnbereich eindeutig eine Rolle im Essverhalten spielen. Allerdings benötigt es noch weitere Untersuchungen, um herauszufinden welche Art von Neuronen, die zusammen die DRN bilden, an diesem Prozess beteiligt sind. Laut Forschern würde es hierfür zwei Möglichkeiten geben: Zum einen könnten die Zellen nur durch Hunger aktiviert werden, anstatt aktiv die Nahrungsaufnahme zu steuern. Andererseits können sie tatsächlich ein Teil des Sinnes- und Reaktionsmechanismus bei Hunger sein. „Angesichts der bisherigen Ergebnisse könnte vermutlich letzteres zutreffen“, so Dr. Nectow.

Leptin gegen Übergewicht

Bereits seit den 1990er Jahren ist die Wirkung von Leptin auf den Appetit bekannt. Dabei handelt es sich um ein Hormon, dass die Neuronen im Hypothalamusbereich des Gehirns beeinflusst und so den Appetit zügelt. Wird das Hormon injiziert so kann das, vor allem bei Menschen mit einem Leptin-Mangel, zu einem dramatischen Gewichtsverlust führen. Bei übergewichtigen Menschen bleibe es hingegen wirkungslos. „Fettleibigkeit ist in der Regel mit einer Leptinresistenz verbunden“, erklärt Studienleiter Dr. Jeffrey Friedman. Den neuesten Studienergebnissen zufolge könnte eine Manipulation der spezifischen Neuronen die Leptinresistenz umgehen und so gegen Übergewicht helfen.