Gesundheit

Emotionaler Selbstschutz: Warum und wann es wichtig ist, Grenzen zu setzen

Manchmal ist es wichtig, Grenzen zu setzen und "Nein" zu sagen. / Bild: Fotolia
Emotionaler Selbstschutz: Warum und wann es wichtig ist, Grenzen zu setzen
Paulin Klärner

Effektiv und nachhaltig Grenzen zu setzen, ist alles andere als einfach. Vor allem, weil das Dilemma oft schon damit beginnt, dass viele Menschen ihre Grenzen selbst nicht kennen und folglich auch nicht kommunizieren können. Ob im Job, in der Familie, im Freundeskreis oder in der Partnerschaft – so lernst du richtig „Nein“ zu sagen und deinen Selbstschutz zu aktivieren, wenn du das Gefühl hast, dass alles zu viel wird.

1. Die eigenen Grenzen suchen und erkennen

Wer seine eigenen Grenzen nicht kennt, kann auch keine setzen. Deshalb ist es besonders wichtig, in stressigen Situationen öfters auf das Bauchgefühl zu hören. „Wird mir das zu viel?“, „Muss und will ich das wirklich?“, „Lasse ich mich in eine Situation drängen, in der ich nicht sein will, nur weil ich Angst davor habe, ‚Nein‘ zu sagen?“. Solche und ähnliche Fragen können helfen, die eigenen Grenzen auszuloten und ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, was einem gut tut und wann man sich dem eigenen Seelenwohl zuliebe besser abgrenzen sollte. Ob das die Überstunden sind, die einem der Chef aufbrummen will, die Familiendramen, mit denen man eigentlich nichts zu tun haben möchte, oder der neue Freund, der in der noch frischen Beziehung viel mehr will, als du bereit bist zu geben – spür in dich hinein und versuche, deine eigenen Grenzen zu finden.

2. Keine Angst vor Ablehnung!

Der häufigste Grund, warum es uns so schwer fällt, öfters mal „Nein“ zu sagen ist wohl die Angst vor Ablehnung, Konflikten und unnötigem Stress. Hierbei ist es wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass Menschen, die dich wirklich lieben, deine Grenzen verstehen und schlussendlich auch annehmen werden und Arbeitgeber und Kollegen gerechtfertigte Grenzen akzeptieren müssen. Entwicklungspsychologin Dr. Karin Kaiser-Rottensteiner meint hierzu: „Für eine Grenze, die ich setze, werde ich vielleicht nicht unmittelbar geliebt, aber doch als Persönlichkeit respektiert“.  Kurz gesagt: Die Welt verträgt dein „Nein“ und wird sich auch danach noch weiterdrehen.

3. Die vielen Vorteile des kleinen Wortes „Nein

no

Wer lernt, sich und seine Stärken und Schwächen im Berufsalltag richtig einzuschätzen und auch mal die Notbremse zu ziehen, wenn alles zu viel wird, beugt damit Stress vor und kann dem weit verbreiteten Ausbrennen effektiv entgegenwirken. Der berühmte dänische Therapeut Jesper Juul meint hierzu: „Ein zuverlässiges ‚Nein‘ ist besser als ein unzuverlässiges ‚Ja'“. Und auch im privaten Leben hat das Grenzen-Setzen zahlreiche Vorteile: Keine aufgestaute Wut, die irgendwann entladen werden muss, keine Frustration, weil man wieder etwas tut, wofür man eigentlich keinen Geist hat und kein Selbstmitleid, weil „immer alles an einem selbst hängen bleibt“. Wer bewusst auf seinen Energiehaushalt achtet und lernt, Grenzen zu setzen, erspart sich nachhaltig jede Menge Stress und dessen zahlreiche Folgeerscheinungen.

4. Richtig „Nein“ sagen

Obwohl es bestimmt auch hier und da sein muss, ganz ohne Kompromisse und vollkommen egoistisch „Nein“ zu sagen, kann man die Sache auch feinfühliger angehen. Um das Gegenüber nicht vor den Kopf zu stoßen, kann es hilfreich sein, Alternativen anzubieten, Verständnis für die Situation des anderen zu zeigen, aber trotzdem die eigenen Bedenken und Gründe für das „Nein“ zu äußern und/oder sich für die Anfrage/Bitte und das entgegengebrachte Vertrauen zu bedanken. Ganz egal, ob es darum geht, ob sich ein Freund schon wieder Geld borgen will, deine Familie dich in Streiterein hineinziehen will oder dein Kind das „Nein“ zum Handywunsch nicht akzeptiert – respektvoll zu sein und konsequent bei der eigenen Entscheidung zu bleiben, schließen einander nicht aus. Wenn Personen dein „Nein“ trotz aller Erläuterungen und Standhaftigkeit nicht akzeptieren wollen, rät Dr. Kaiser-Rottensteiner: „Entrümpeln ist nicht nur im Kleiderschrank wohltuend,  manchmal sind es auch persönliche Kontakte, die raus aus meinem Leben dürfen. Vor allem, wenn sie nicht förderlich für mein seelisches Wohlbefinden sind“.