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Homeoffice kann mehr Stress verursachen als Büroalltag 

Homeoffice braucht Self-Care! /Bild: Fotolia
Homeoffice kann mehr Stress verursachen als Büroalltag 
Catharina Kaiser

Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, um der Work-Life-Balance etwas Gutes zu tun. Laut einer Erhebung des US Bureau of Labor Statistics haben bereits 2016 knapp 22% der Erwerbstätigen mindestens einen Teil des Arbeitstages von zuhause aus beschritten. Obwohl der Gedanke, E-Mails im Pyjama auf der Couch zu schreiben, verlockend klingt, bringt Homeoffice nicht nur Vorteile mit sich. Die Fahrt ins Büro, Stau am Hinweg und selbiges nochmal am Heimweg fallen weg, doch der tatsächliche Büroalltag hat ebenfalls seine Vorzüge. „Natürlich bietet die neue Form des Arbeitens Flexibilität und Unabhängigkeit, was sie für viele Menschen wirklich befreiend sein kann, doch das ist keine alpgemeingültige Regel“, erklärt der klinische Psychologe Ryan Hooper. Für einige Menschen kann Homeoffice nämlich wirklich schwierig werden und sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken.

Mehr Arbeitsstunden durch Homeoffice?

Von Zuhause aus zu arbeiten kann manchmal ein Gefühl der Isolation erwecken und die Grenzen zwischen Privatleben und Job aufheben. Zum einen fällt dabei nämlich die persönliche Interaktion mit Kollegen weg, zum anderen vermischen sich die Aufgaben mit anderen privaten Aktivitäten. Das Ergebnis? „Möglicherweise könnte es im Homeoffice zu weit mehr Arbeitsstunden kommen, als im Büro, wodurch die Zeit mit Familie und Freunden noch weniger wird als zuvor“, so Therapeutin Dr. Cara Maksimow. Zudem kann es zu einer erhöhten Stressbelastung beziehungsweise zu Gefühlen der Ängstlichkeit kommen, da man immer das Gefühl hat ständig erreichbar sein zu müssen. „Da man ja nicht im Büro ist, bilden sich viele Menschen ein, rund um die Uhr verfügbar sein zu müssen“, erklärt Jane Scudder.

Büro oder doch lieber Zuhause?

Ob man für Homeoffice geschaffen ist oder nicht, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Dazu zählen beispielsweise die Lebenssituation, die Gesundheit, die Persönlichkeit sowie die Arbeitskultur oder alltägliche Gewohnheiten. Bevor man sich für das eine oder das andere entscheidet, sollte man sich selbst also einige Fragen beantworten. Etwa wie ein Arbeitsalltag aussehen müsste, damit man selbst produktiv sein kann. Sehnt man sich nach Unabhängigkeit und Freiraum, oder zieht man den regelmäßigen Austausch mit Kollegen vor? Außerdem sollte man bezüglich der Arbeitsweise ganz ehrlich zu sich selbst sein. Denn wer im Homeoffice arbeiten möchte, braucht nicht nur ein Organisationstalent, sondern auch die Fähigkeit, gut kommunizieren zu können. Ebenso sollte die psychische Gesundheit berücksichtigt werden. So könnten sich Symptome von Depressionen im Homeoffice beispielsweise verschlimmern, da sich das Gefühl der Isolation negativ auswirkt. In diesem Fall wären shared Workspaces eine relativ gute Alternative, da sie zumindest den Anschein eines „Büros“ erwecken und man eben nicht von früh bis spät Zuhause sitzt. Ebenso wären geplante Aktivitäten, wie Yogakurse oder sonstige Hobbies außerhalb der eigenen vier Wände hilfreich. Andersherum kann Homeoffice klarerweise auch das absolute Gegenteil bewirken und Angstzustände sowie Stress minimieren – besonders wenn das Arbeitsumfeld von Konflikten und negativen Schwingungen strotzt.

Wichtige Tricks für Homeoffice

Eine ultimative Formel, ob man nun lieber im Homeoffice oder doch im Büro arbeiten soll, gibt es jedoch nicht. Dabei spielen einfach zu viele individuelle Faktoren eine Rolle. Für all jene, die sich bereits für Homeoffice entschieden haben, mit der Situation jedoch nicht ganz hundertprozentig happy sind, gibt es ein paar hilfreiche Tricks um einen produktiven Arbeitstag von Zuhause zu ermöglichen.

  • Einen Arbeitsplatz schaffen: Wenn es eine Sache gibt, die der Produktivität wirklich im Wege steht, dann ist das wohl auf dem Sofa, oder im Bett zu arbeiten. Die Disziplin wird hierbei nicht wirklich auf Hochtouren laufen. Entscheidend ist es, einen festen Arbeitsplatz einzurichten – völlig egal wo, Hauptsache, es ist ein Ort an dem man gut arbeiten kann und von dem man sich nach „Feierabend“ auch wieder wegbewegen kann.
  •  Zeitpläne erstellen: Einen festen Arbeitstag zu haben, ist der wahre Schlüssel zum Erfolg – vor allem wenn man im Homeoffice arbeitet. Ansonsten kann es viel zu leicht passieren, dass sich viele Lebensbereiche vermischen und keiner wirklich genossen werden kann. Entweder weil man ständig abgelenkt ist und deshalb kaum produktiv wird, oder weil man eben nie wirklich von der Arbeit abschalten kann.
  • Homeoffice braucht Self-Care:  Um die Produktivität wirklich zu fördern, sollte man vor allem sich selbst fördern und das bedeutet Selbstpflege! Nur wer sich wohl fühlt und auf sich achtet, kann gute Arbeit leisten. Ist das nicht der Fall, wird man sich jeden Tag nur dahinschleppen und die Sachen halbherzig erledigen. Zeit für Entspannung, ob alleine oder mit Freunden, ist demnach ein wichtiger Teil des Alltages, auf den man besonders bei Homeoffice-Jobs ausreichend beachten sollte.