Gesundheit

Vor- und Nachteile einer Langzeiteeinahme von Magenschutz (PPI)

Protonenpumpeninhibitioren zählen zu den am häufigsten verordneten Medikamenten. /Bild: Fotolia
Vor- und Nachteile einer Langzeiteeinahme von Magenschutz (PPI)

Sie gelten als Standardmedikation zur Reduktion der Magensäuresekretion bei chronischer Gastritis, der Refluxkrankheit (GERD) sowie bei Magengeschwüren: Protonenpumpeninhibitoren, abgekürzt PPI. Grundsätzlich gelten PPI als klinisch relativ sicher, da sie in der Regel wenig Nebenwirkungen hervorrufen. Trotz Meldung mehrerer Nebenwirkungen, lässt sich deren klinische Relevanz noch nicht gänzlich abschätzen. Dies beruht zum einen darauf, dass in Studien beobachtete Nebenwirkungen keine ausreichende Beweiskraft erzielen. Zum anderen basiert die Mehrheit der untersuchten Studien auf retrospektiven Beobachtungsstudien. Auch sind die gemeldeten Gefahrenquellen relativ gering. Es ist in jedem Fall wichtig, PPI nur für Patienten zu verabreichen, die einen erheblichen klinischen Nutzen erzielen, und ihre Nebenwirkungen mit hochwertigen prospektiven Studien weiter zu untersuchen.

Die Magensäure – ein grundsätzlich lebenswichtiger Bestandteil

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Gerade im Bezug auf säurebedingte Erkrankungen erscheint die Magensäure vor allem als negativ konnotiert und als primäres Übel: So wird ihre Sekretion gerne unterdrückt. Doch gerade bei der Refluxkrankheit, die sich in erster Linie durch Sodbrennen äußert, liegt häufig nicht eine überschüssige Produktion von Magensäure als Ursache zugrunde. Vielmehr liegt die Ursache in einem unzureichend schließender Speiseröhren-Schließmuskel, manchmal bedingt durch einen Zwerchfellbruch oder auch Progesteron während der Schwangerschaft. Hier ist eine Hemmung der Magensäuresekretion schlussfolgernd nicht unbedingt immer sinnvoll. Die Magensäure übernimmt neben der Verdauung viele weitere wichtige Aufgaben. Sie ist vor allem für die Zerstörung krankmachender Bakterien, die wir durch die Nahrung aufnehmen wichtig. Daneben wird durch die Magensäure die Resorption wichtiger Nährstoffe wie Protein sowie Mineralstoffe wie Eisen, Vitamin B12 und Folsäure ermöglicht.

Vorteile einer Langzeitbehandlung

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Doch PPI haben aus schulmedizinischer Sicht durchaus ihre Berechtigung. Vor allem bei einer ausgeprägten Refluxkrankheit sowie damit einhergehenden weiteren säurebedingten Problemen wie der Speiseröhrenentzündung, Entzündungen des Kehlkopfs und des Rachens sowie asthmatischen Beschwerden kann die PPI-Langzeiteinnahme sehr sinnvoll sein. Wichtig ist sie vor allem auch, um säurebedingte Schäden in der Speiseröhre, welche zu Schleimhautveränderungen wie dem Barrett-Ösophagus führen können, zu vermeiden. Letzteres gilt als Übergang zu schwerwiegenderen Erkrankungen wie dem Adenokarzinom, einer Form von Speiseröhrenkrebs. Medizinische Berechtigung kommt einer Langzeitbehandlung mit PPIs auch bei einer regelmäßigen Einnahme von Schmerzmitteln der NSAR-Gruppe als „Magenschutz“ zu, um Magengeschwüren vorzubeugen.

Nachteile einer Langezeitbehandlung

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Die Nachteile einer Langzeitbehandlung mit PPI sind dennoch zahlreich. Erwähnenswert ist die langfristig verminderte Aufnahme wichtiger Nährstoffe wie allen voran Vitamin B12 und Eisen. So kommt es bei einer Langzeiteinnahme leicht zu einem Mangel an diesen lebenswichtigen Mikronährstoffen. Ebenso diskutiert wird das Risiko einer Veränderung des natürlichen Darm-Mikrobioms durch die verminderte Zerstörung von krankmachenden Bakterien im Magen. Zu allerletzt steht eine Langzeiteinnahme von PPI darüber hinaus unter anderem im Verdacht, das Risiko für Knochenbrüche zu erhöhen.

Fazit: In jedem Fall sollte die Langzeiteeinahme von PPI zusammenfassend vor allem hinsichtlich deren Notwendigkeit reflektiert werden, um mögliche Nebenwirkungen weitgehend zu vermeiden und Risiken rational abzuwägen.