Gesundheit

Warum das Gehirn den Herbst liebt

Der Mensch liebt Vorfreude und der Körper kühle Temperaturen - darum fühlt sich das Gehirn im Herbst extra lebendig ! /Bild: Fotolia
Warum das Gehirn den Herbst liebt
Catharina Kaiser

Der Sommer ist vorbei, der Herbst hat bereits begonnen: Blätter fallen von den Bäumen, die Luft wird kälter und an jeder Ecke werden Kürbisse verkauft. Viele Menschen betonen oft, dass sie diese Jahreszeit lieben – vor allem ist es aber das menschliche Gehirn, das diese gemütliche Jahreszeit in vielerlei Hinsicht liebt. Neurologisch betrachtet gibt es einige Gründe, warum sich Ihr Gehirn genau jetzt besonders lebendig und wohl fühlt.

Zeit für Veränderung

Zeit für Veränderung

Das Gehirn ist großer Fan von bekannten Neuerungen. Zwar klingt das etwas widersprüchlich, doch es ist wahr. Der Herbst gibt uns die Veränderung die wir brauchen und gleichzeitig ein Gefühl von Sicherheit, da wir wissen was uns erwartet. Die Blätter fallen, das Licht verändert sich und die Tage werden kürzer – genau diese alljährliche „Neuheit“ liebt das Gehirn. Das schnelle Reagieren auf neue Dinge ist tief im menschlichen „Warnsystem“ verwurzelt und überlebenswichtig. Wenn das Gehirn Veränderung wahrnimmt, schlägt das auf das Angstzentrum (Amygdala). Das löst in uns Stress und Furcht aus. Wenn eine Veränderung aber vorhersehbar ist, regiert der präfrontale Cortex (aktiv bei Planung oder Lösung von Problemen) des Gehirns. Somit fühlen wir uns nicht gestresst, sondern im Gegenteil höchst erfreut. Obwohl gerade jetzt eine Vielzahl an Veränderungen stattfinden, liebt das Gehirn den Herbst, weil klar ist was kommt.

Positive Ereignisse

Das Gehirn assoziiert die herbstlichen Veränderungen mit positiven Erlebnissen. Sie sehen die orangenen Blätter und denken an Kürbisse. Das erinnert Sie an Halloween und daran, wie viel Spaß Sie letztes Jahr hatten. Laut Neurowissenschaft kommen nun drei erfreuliche Neurotransmitter zum Einsatz: Das Dopamin für Freude, Serotonin für Zufriedenheit und das Noradrenalin für Bereitschaft. Arbeiten diese drei gleichzeitig, befindet sich der Mensch in einer positiven Bewusstseinslage. Auch Schulferien erhalten zum Beispiel dank dieser Kombination ihren Reiz.

Voller Vorfreude

Voller Vorfreude

Auf etwas zu warten kann schwer sein, doch Vorfreude ist bekanntlich die beste Freude. Interessant ist allerdings, dass Vorfreude auf tatsächlich besser für das Gehirn ist als die Freude während eines Ereignisses. Obwohl das Bevorstehende bekannt ist, herrscht noch eine gewisse Unbekanntheit. Genau diese Situation liebt das Gehirn und somit steigt der Dopamin-Spiegel immer weiter an. Dadurch wird die Vorfreude immer höher, bis zu dem Punkt an dem wir bekommen was wir wollen. Der Herbst bietet einiges worauf sich die Menschen freuen können: Der bevorstehende Winter, die Geschenke zu Weihnachten, die Familienfeste und vieles mehr.

Der Nahrungswechsel

Der Duft von frischen heißen Maroni kitzelt schon in der Nase. Alleine das Riechen einer uns bekannten Saisonspeise löst schon ungeahnte Prozesse aus. Denn alle Sinne senden durch den Thalamus Signale an das Gehirn. Nur der Geruchssinn hat einen exklusiven direkten Weg in das limbische System des Gehirnes, welches auch als „emotionales Gedächtnis“ gilt. Es braucht daher kein volles Sparschwein, sondern einzig den Duft nach Ihrem Lieblingsessen wenn Sie dieses Hirnareal stimulieren wollen.

Zeit für Entspannung

Zeit für Entspannung

Jeder kennt das Gefühl, dass all der Stress zu verblassen scheint, sobald man sich in eine warme Decke einmummeln kann. Für den Körper ist die Temperatur im Herbst nämlich nicht nur angenehm, sondern auch besonders geeignet. Da der Körper nicht mehr ständig gekühlt werden muss, hat auch der Hypothalamus im Gehirn weniger Arbeit. Im Winter muss der Körper genau in die Gegenrichtung arbeiten und ihn von innen warm halten. Doch genau jetzt, wenn es angenehm kühl ist, kann ein warmer Pullover die Arbeit des Gehirns übernehmen. Somit entspannt sich das Gehirn und wir haben einen besseren Kopf für andere Sachen. Derselbe Prozess entsteht, wenn man die Hände um die Tasse eines heißen Getränks faltet. Egal ob es sich dabei um eine heiße Schokolade oder einen Glühwein handelt!