Gesundheit

Warum man über Trauer sprechen muss

Wer eine Therapie in Anspruch nimmt, ist nicht "verrückt" oder "braucht Medikamente" ! /Bild: Fotolia
Warum man über Trauer sprechen muss
Catharina Kaiser

Psychotherapien und Beratungen sind nach wie vor mit unzähligen Stigmata belastet und das, obwohl sie in einigen Situationen der letzte Ausweg sind. Denn vor allem in Verbindung mit Trauer sind Therapien ein immer wichtigerer Schritt in Richtung „Besserung“ geworden. Die gängige Reaktion auf eine Trauerbegleitung ist und bleibt allerdings abweisend. „Ich bin nicht verrückt und ich brauche schon gar keine Medikamente“ sind Ausreden, die besonders oft zu hören sind und das Leben in diesem Fall nur schwerer machen. An einer Therapie teilzunehmen und sich während der Trauerphase Unterstützung zu suchen bedeutet nämlich weder Schwäche, noch dass man verrückt ist. Im Gegenteil – es beweist Stärke. So kann ein professionelles Gespräch mit einem Therapeuten genau das sein, was man nach dem Verlust eines geliebten Menschen, oder nach einem traumatischen Erlebnis benötigt. Denn Trauer muss aufgearbeitet und der Schmerz verarbeitet werden.

Was ist Trauerberatung ?

Unter Trauerbegleitung bzw. Trauerberatung fallen therapeutische Praktiken, welche das Ziel haben eine gesunden Umgang mit einem Verlust zu entwickeln. Sei es dass dieser einen Todesfall verschuldet, oder das Resultat traumatische Lebenseinschnitte wie etwa einer Scheidung ist. Über Verlust und Trauer zu sprechen ist mitunter das wichtigste, das ein Mensch tun kann um diese Dinge auf irgendeine Art und Weise zu verarbeiten und letztlich wieder nach Vorne blicken zu können. Die Rolle des Therapeuten ist es hierbei den Schmerz in eine Richtung zu lenken, nicht ihn zu unterdrücken oder einfach vergessen zu machen. „Denn Trauer ist eine völlig natürliche Reaktion auf einen Verlust und damit einhergehenden Emotionen wie Traurigkeit, Sehnsucht, Schuld, Reue und Wut“, so Dr. Kristi Hugstad. Sie alle sind unerlässlich und Teil der Aufarbeitung. Im Rahmen eines Gespräches bzw. einer Trauertherapie ist es möglich diese Gefühle auszusprechen, sie zu nutzen und schlussendlich zu lernen mit ihnen umzugehen. Zudem kann sie dabei helfen einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und sich von der schmerzlichen Vergangenheit zu lösen.

Warum eine Trauertherapie beginnen ?

Gründe um sich auf eine solche Therapie einzulassen gibt es viele, doch die Bottom Line ist letztlich, dass Trauer schlichtweg ungesund ist. Die Art und Weise wie mit Trauer umgegangen wird, kann nämlich den Heilungsprozess entweder beschleunigen, verlangsamen, oder eben ganz verhindern. Ein Beispiel für Bewältigungsstrategien die häufig nach hinten losgehen wären gängige Methoden wie „stark zu bleiben“ oder sich immer schön davon abzulenken. Die Strategie, dass ein Verlust einfach ersetzt wird um die Leere zu füllen, ist dementsprechend natürlich gleichermaßen negativ. Es sind die Gefühle, die für die Heilung entscheidend sind und genau diese sind es um die es in der Gesprächstherapie geht.

Ein Ausblick

Der Verlauf einer Trauertherapie ist natürlich völlig unterschiedlich und abhängig von jedem Individuum. Dennoch gibt es beim Ablauf durchaus Gemeinsamkeiten die sozusagen als roter Faden oder Richtungsweiser fungieren. So wird zu Beginn über den tatsächlichen Auslöser der Trauer gesprochen. Dabei werden Patienten in der Regel gebeten über Details ihres Verlustes zu sprechen. Sobald ein gemeinsames Verständnis des Umstandes sowie dessen Auswirkung erreicht wurde, wird der Trauerprozess näher untersucht. Besonders wichtig ist hierbei zu wissen, dass sich helfen zu lassen ein Zeichen von absoluter Stärker ist. In den darauffolgenden Sitzung wird in Zusammenarbeit mit den Patienten versucht die unzähligen Emotionen von Trauer ehrlich zu erläutern und über sie zu sprechen. Dazu zählen etwa Schuldgefühle, Scham und Wut, die aus Selbstschutz möglicherweise oft verschwiegen werden. Die Trauertherapie arbeitet dabei stets nach dem Prinzip, dass Trauer kumulativ ist und alle anderen Verluste im Leben untrennbar damit verbunden sind. Dazu ist es natürlich ebenso essenziell, wie man von seinen Eltern oder seinem Umfeld gelernt hat mit Verlusten umzugehen.

Trauer richtig überwinden

Sich von einem Verlust und der damit verbundenen Trauer zu erholen ist kein Prozess der innerhalb kurzer Zeit passiert und es geht auch um viel mehr als nur die Tatsache, dass einem die Trauer nicht mehr ins Gesicht starrt, wenn man morgens aufwacht. Viel mehr geht es darum mit diesen schwierigen Momenten umgehen zu können und sie im Laufe des Lebens auch verarbeiten zu können. Die Fähigkeit kumulative Trauer loszulassen, sich anschließend weiterzuentwickeln und sich davon zu erholen ist die einzige Möglichkeit um eine gesunde Heilung zu erlangen.