Familie

Was ist ein trockener Orgasmus ?

Vor allem Männer mit Kinderwunsch fühlen sich von den Symptomen unter Druck gesetzt ! /Bild: Fotolia
Was ist ein trockener Orgasmus ?
Trixi Kouba

Bei einem „trockenen Orgasmus“ wird das Ejakulat des Mannes rückwärts, in die Harnblase, gestoßen. Obwohl der Samen nicht austritt, entsteht das Gefühl eines Orgasmus. Im Fachjargon wird von einer retrograden Ejakulation gesprochen. Vor allem Männer mit Kinderwunsch fühlen sich mit diesen Symptomen stark unter Druck gesetzt.

Bei der männlichen Ejakulation sendet das Sexualzentrum im Gehirn bei Erregung Impulse an das Ejakulationszentrum aus. Die Muskulatur des Samenleiters, Prostata und Bläschendrüsen kontaktieren, das Seminalplasma vermischt sich mit Samenzellen und bildet das Sperma. Die Muskelspannungen schießen das Ejakulat aus dem Penis. Normalerweise sind die Blasenschließmuskeln beim männlichen Orgasmus fest verschlossen. Bei der retrograden Ejakulation wird das Sperma rückwärts (retrograd) in der Ejakulationsphase fälschlicherweise in die Harnblase umgeleitet – anders im Fall einer Anejakulation, bei der das Ejakulat gar nicht erst in die Harnröhre transportiert wird.

Ursachen

orgasm
Die häufigste Ursache dafür ist die operative Entfernung der Prostata infolge einer vergrößerten Prostata. Auch Lymphknotenentfernungen im Bereich des Bauchfells oder Beckens können das System durcheinanderbringen. Neuropathische Störungen sind ebenfalls eine mögliche Ursache. Neuropathien als Folge anderer Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder übermäßiger Alkoholkonsum sind häufig. Aufgrund dessen wird angenommen, dass eine retrograde Ejakulation häufig auch unter Diabetikern auftritt. Tatsächlich leidet jeder dritte Diabetiker darunter. Über eine allgemeine Tendenz ist jedoch nichts bekannt. Eine dänische Studie mit 26 Diabetikern und 16 Personen der Kontrollgruppe zeigte auf, dass Diabetiker häufig unter „trockenen Orgasmen“ leiden, doch die Anzahl der Studienteilnehmer war zu gering, um allgemeine Rückschlüsse ziehen zu können. Selten kann die Einnahme von Medikamenten wie Bluthochdruckmedikamenten zu „trockenen Orgasmen“ führen. Bleibt ein Samenerguss aus, kann das auch auf einen Tumor im Ejakulationsbereich hinweisen. Es empfiehlt sich daher beim Gang zum Arzt eine Computer- oder Magnetresonanztomographie. Äußerst selten fehlen Samenblasen oder die Prostata von Geburt an.

Behandlung

orgasm2
Zwar können Männer das Gefühl eines Orgasmus verspüren, manchmal kann er sich aber schmerzhaft anfühlen. Das Krankheitsbild kann mithilfe einer Ejakulat- und Urinanalyse und einer Ultraschalluntersuchung festgestellt werden. Anschließend ist eine Behandlung einschätzbar. Zunächst kann eine medikamentöse Behandlung versucht werden. Betroffene erhalten Medikamente, um die Kontraktion der Samenleiter und des Blasenschließmuskels zu verbessern. Zwar führen „trockene Orgasmen“ zur verminderten Zeugungsunfähigkeit, das kann aber mithilfe einer kurzen Operation behoben werden. Die OP, welche unter dem Namen TURED bekannt ist, (Transurethrale Resektion der ejakulatorischen Drüsengänge) öffnet die Transportwege der Samenflüssigkeit in der Prostata-Region. Bei einem Kinderwunsch können die Spermien aus dem Urin nach einer retrograden Ejakulation außerdem zur Fertilisation verwendet werden.