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Was man über sein Hautmikrobiom wissen sollte

Wir alle haben es - doch was hat es mit dem Hautmikrobiom überhaupt auf sich ? /Bild: Fotolia
Was man über sein Hautmikrobiom wissen sollte
Catharina Kaiser

Bakterien sind Feinde – so ist zumindest die allgemeine Auffassung und daran ist durchaus etwas Wahres dran. Tagtäglich versucht man Millionen von ihnen abzuwehren oder sie zu bekämpfen um gesund zu bleiben. Neben diesen „bösen“ Bakterien gibt es allerdings einige, die sich als Freund der Gesundheit erweisen und für eine reibungslose Körperfunktion sorgen. Abgesehen von dem Darmmikrobiom, welchem in letzter Zeit relativ viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde, gibt es noch weitere Bakterien die man benötigt. Und diese befinden sich nicht im sondern eher auf dem Körper – genauer gesagt auf der Haut. Auch hier sind nämlich komplizierte und komplexe Bakterien am Werk, das sogenannte Hautmikrobiom, die von der Wundheilung bis zum Immunschutz alles übernehmen.

Was ist das Hautmikrobiom ?

Das Hautmikrobiom ist Produkt vieler verschiedener Faktoren, einschließlich der Gene und existiert so ziemlich an jeder Stelle im Körper, die dazu neigt auf Einflüsse aus der Umwelt oder auf körperliche Veränderungen zu reagieren. Tatsächlich befinden sich auf der Haut sogar mehr Bakterien als im super gehypten Darmmikrobiom. In der Medizin ist es aber nicht mehr nur interessant zu erforschen wie ein Biom in seinem Grundzustand aussieht, sondern vor allem was passiert, wenn mal etwas schief geht. Dabei geht es insbesondere darum herauszufinden, ob eine Manipulation des Mikrobioms Hautprobleme heilen oder Erkrankungen lindern könnte. Bislang lieferte der genauere Blick auf das Hautmikrobiom eine Vielzahl neue Erkenntnisse über Hautprobleme und ihre Entstehung. Dadurch konnte beispielsweise das Verständnis von Akne verbessert werden. Eine Hauterkrankung die durch das über-enthusiastische Vorhandensein eines Bakteriums namens Propionibacterium acnes, im Hautmikrobiom entsteht. Da diese Bakterien auch die Wirkung von Antibiotika hemmen kann, wurde ebenfalls in dieser Zeit entdeckt. So zeigte eine kürzlich veröffentlichte Studie, dass Akne-Patienten eine deutlich weniger ausgeglichenes Hautmikrobiom aufweisen, als Personen mit gesunder Haut. Daraus schließen Experten, dass Medikamente zur Wiederherstellung des mikrobiellen Gleichgewichts viel effektiver waren, als die gängige Akne-Behandlung mit Antibiotika.

Der hauteigene Schutz

Abgesehen von einer Vielzahl an Aufgaben die das Hautmikrobiom übernimmt, sorgt es auch auf eine andere Art und Weise für Faszination. Zum einen scheint es eine Barriere gegen bestimmte Infektionskrankheiten zu sein. Laut einem 2015 durchgeführten Experiment wirkt ein gut funktionierendes Hautmikrobiom als hauteigener Schutz gegen Erkrankungen. Wer sich also nur selten mit Hautproblemen herumschlagen muss, hat ziemlich sicher ein ausbalanciertes Hautmikrobiom. Zudem sind Hautmikrobiome laut Erhebungen der Human Society of Microbiology ansteckend. So würden Paare, die länger zusammenleben, nach und nach beginnen ähnliche Hautmikrobiome zu entwickeln. Wie man bereits vermuten kann ist dieses Mikrobiom in einem ständigen Wechsel und reagiert praktisch auf alles, was rund herum geschieht. Ein wichtiger Faktor für die Ausprägung des Hautmikrobiom ist allerdings das Alter. So ist eine uralte Mikroben-Klasse namens Archaea fast ausschließlich bei Kindern oder Menschen über 60 Jahren zu finden. Woran das liegt konnten Forscher bisher allerdings nicht beantworten. Zudem sind Mikrobiome anfällig für Veränderungen in der Umwelt, angefangen bei Make-Up Produkten bis hin zu Stoffen in der Luft oder in Wohn- und Arbeitsräumen. Wenn sich die Welt verändert, verändert sich auch die Haut und das muss nicht immer positiv sein. Denn viel zu oft hat die Umwelt einen negativen Effekt auf die Artenvielfalt der „guten“ Bakterien, worunter die Gesundheit leidet.

Neue Therapien dank Hautmikrobiom

Mit der genaueren Untersuchung des Hautmikrobioms erhoffen sich Experten neue Ideen für Therapien und Heilmittel gegen Hauterkrankungen entwickeln zu können. Allerdings stehen Forscher und Mediziner vor einer ziemlich schweren Aufgabe. Die Untersuchung solcher Bakterien ist nämlich alles andere als einfach. „Aktuell stellen sich Forscher die Frage wie sie das Hautmikrobiom studieren können, wenn nicht einmal 10 % dieser Mikroorganismen unter Laborbedingungen überleben können“, so Dr. Elizabeth Grice vom Penn Institute of Immunology. Doch genau diese Untersuchung könnte bahnbrechende Entwicklungen mit sich bringen. In einer Studie konnten Forscher nur anhand der Arbeitsweise der jeweiligen Mikrobiome erkennen ob sich eine Hauterkrankungen weiter entwickeln wird oder sogar Komplikationen entstehen könnten. In dieser Hinsicht wäre eine Analyse des Hautmikrobioms vor allem bei Patienten, die mit ersten Hautproblemen in die Notaufnahme kommen, äußerst hilfreich.