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Wenn Health Tracking ungesund wird

Ernährungsplan, Wasseraufnahme, Schlafzyklus - mittlerweile lässt sich alles tracken ! /Bild: Fotolia
Wenn Health Tracking ungesund wird
Catharina Kaiser

Tracking Gadgets und andere Geräte die zur Überwachung der eigenen Gesundheit eingesetzt werden können, sind ja per se nichts schlechtes. Sie sind nunmal kleine Hilfsmittel um einen gesunden Lebensstil zu erlangen, oder schlechte Gewohnheiten abzulegen. Neben gängigen Health Tracking Gadgets wie etwa Uhren oder Apps, welche die sportliche Aktivität überprüfen, gibt es mittlerweile gefühlt 1.000 weitere Möglichkeiten. Sei es um seinem Ernährungsplan zu folgen, mehr Wasser zu trinken, oder um besser zu schlafen. Kein Wunder also, dass viele Menschen nahezu jeden Lebensaspekt mittels Tracking im Blick haben wollen. An diesem Punkt hat die Sache allerdings einen Haken. Denn zu viel Health Tracking ist alles andere als healthy.

Tracking oder Zauberei ?

Die Funktionsweise der meisten Health Tracking Systeme ist ja wahrlich rätselhaft und hat eher den Anschein von Magie denn Wissenschaft. Zumindest stellt sich doch die Frage wie Smartphones nun die Atmung messen wollen oder die Blutwerte überprüfen können. Tracking Gadgets für einen gesunden Schlaf liefern beispielsweise gleich Informationen über Herzfrequenz, Atmungsfrequenz sowie die Dauer des REM-Schlafes – obwohl die Geräte einfach unter der Matratze angebracht werden. Schlussendlich ist es den meisten allerdings auch egal wie genau es funktioniert, Hauptsache es wirkt. In den meisten Fällen, vor allem bei Schlafproblemen, kann es jedoch der Fall sein, dass alles völlig in Ordnung ist und man trotzdem todmüde aufwacht. Andere Aspekte, welche beim gesunden Schlaf eine wichtige Rolle spielen, werden bei diesen Tracking Gadgets nämlich nicht berücksichtigt.

Je mehr Infos desto besser ?

Betrachtet man das moderne Leben in der digitalen Welt so hat es den Anschein dass mehr automatisch besser ist – gerade wenn es um Wissen und Informationen geht. Es gibt Fitbits, TomToms, ShapeScales und viele weitere Tracking Geräte welche die Gesundheit überwachen sollen und bereits 30 % der Amerikaner nutzen zumindest eines davon. Bei über 50 % ist übrigens die Verbesserung der körperlichen Verfassung der ausschlaggebende Anreiz, dicht gefolgt vom Wunsch motiviert zu werden. Daher werden die kleinen Helferleins auch für jeden noch so kleinen Fortschritt gelobt, angehimmelt und beweihräuchert. Dabei vergessen allerdings viele, dass diese Gadgets auch eine dunkle Seite haben. Denn die gesammelten Informationen, die einem ständig unter die Nase gerieben werden, können auch manche Nachteile haben. So kann etwa ein unbewusster Leistungsdruck entstehen weil man doch noch die gewünschte Schrittzahl erreichen möchte, oder Frustration weil einem jetzt auch noch das Smartphone vorwirft, dass man zu viel nascht. Zudem stellte eine Studie der California State Polytechnic University fest, dass die Angaben der Herzfrequenz bei Fitbit Tracker um bis zu 20 Schläge pro Minute abweichen können. Auch Probleme wie Orthorexie können durch übermäßiges Tracking ausgelöst werden. Dabei handelt es sich um eine „krankhafte“ Fixierung auf gesundes Essen, sowie die Besessenheit von Nahrungsqualität und Portionsgrößen. Auch wenn wenn es noch nicht als klinische Diagnose eingestuft wird, so können die Folgen, laut der National Eating Disorders Assoctioation, durchaus ernsthaft sein.

Falsche Prioritäten

Wer sich zu sehr auf seine Tracking Gadgets fokussiert und für alles einen Leistungsnachweis in Form von „Sie haben Ihr tägliches Ziel erreicht“ benötigt, könnte auf Dauer zu falschen Prioritäten neigen. „Einige Menschen beginnen sich nur noch auf Dinge zu konzentrieren, die gemessen werden können“, erklärt Personal Trainer Jonathan Jordan. Klar ist es nervig wenn Tracking Geräte hängen und gewisse Dinge nicht aufzeichnen, doch das sollte keinesfalls eine große Auswirkung haben. Sich beim Training von den Anzeichen des Fitnesstrackers ablenken zu lassen, wird einem nämlich einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen.