Familie

Werden jüngere SchülerInnen eher ADHS-diagnostiziert als ältere?

In Bezug auf die Diagnostik von ADHS ist ein Jahr Altersunterschied von folgenreicher Bedeutung. / Bild: Fotolia.
Werden jüngere SchülerInnen eher ADHS-diagnostiziert als ältere?

Kann das Geburtsdatum eines Schulkindes die Wahrscheinlichkeit, ADHS diagnostiziert zu werden, beeinflussen? Nach einer Publikation der Harvard Gazette lautet die Antwort: ja.

ADHS, auch bekannt als Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, gilt allgemein als die am häufigsten diagnostizierte psychische Erkrankung unter Kindern und Jugendlichen. Betroffene leiden an einer erhöhten motorischen Unruhe, was sich etwa darin äußert, dass sie Schwierigigkeiten haben, im Unterricht still sitzen zu bleiben. Auch lassen sich viele Kinder und Jugendliche mit ADHS leichter ablenken, wodurch es ihnen schwerer fallen kann, sich zu konzentrieren.

Faktor Altersunterschied

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Die Ergebnisse der durchgeführten Studie, welche am 28. November im New England Journal of Medicine publiziert wurden, ergaben, dass im August geborene Kinder eine um 30% höhere Wahrscheinlichkeit für eine ADHS-Diagnose aufweisen, als ältere Schüler der gleichen Klasse. Verglichen wurde der Unterschied in der ADHS-Diagnostik zwischen August- und Septembergeborenen, wobei insgesamt über 407.000 Schüler, welche zwischen 2007 und 2009 geboren waren, bis 2015 berücksichtigt wurden. In den meisten Staaten der USA bestehen derzeit willkürliche Geburstdatenfristen in Bezug auf die Einschulung. Somit können sich unter den Schülern Altersunterschiede von bis zu fast einem Jahr ergeben.

Überdiagnostik von ADHS

In den letzten 20 Jahren ist allgemein ein signifikanter Anstieg der ADHS-Diagnosen zu verzeichnen, wobei angenommen wird, dass dies auf eine erhöhte Sensibilität bzw. Erkennung der Erkankung zurückzuführen ist. In manchen Fällen liege nach Meinung der Experten demnach eine falsche Diagnose vor. Auch die Ergebnisse der durchgeführten Studie verweisen darauf, dass ein großer Anteil von Kindern ADHS- überdiagnostiziert und damit auch überbehandelt werden. Dies sei nach dem Studienleiter Timothy Layton, Assistenzprofessor für Gesundheitspolitik am Blavatnik Institute an der Harvard Medical School, vor allem auf ihre – in Relation zu ihren älteren Kollegen –bestehende relative Unreife in den ersten Schuljahren zurückzuführen. Hauptaugenmerk gilt demnach auf einer Berücksichtigung des Altersunterschieds der Schüler. In der Praxis muss damit etwa konkret berücksichtigt werden, dass ein normales Verhalten eines 6-jährigen Schülers bzw. einer 6-jährigen Schülern im Vergleich bei einem älteren Klassenkollegen als abnormal eingestuft werden könne. Allerdings würde sich der Altersunterschied und das damit korrelierende Verhalten der Schüler nach und nach immer mehr ausgleichen.