WHO: Anstrengungen gegen Tuberkulose reichen nicht

Der WHO-Tuberkulose-Bericht zeichnet ein düsteres Bild. /Bild: Fotolia
WHO: Anstrengungen gegen Tuberkulose reichen nicht
Trixi Kouba

Der Kampf gegen die Tuberkulose-Epidemie geht verloren, wenn die internationalen Anstrengungen nicht verstärkt werden. Der WHO-Tuberkulose-Bericht zeichnet ein düsteres Bild.

Höhepunkt an Neuansteckungen

Tuberkulose, auch Morbus Koch oder früher Schwindsucht genannt, ist eine weltweit verbreitete bakterielle Infektionskrankheit, die zunächst die Lunge betrifft und von dort auf andere Organe übergreifen kann. Ziele der WHO sind eine Reduktion der Tuberkulose-Toten um 90 Prozent sowie eine 80-prozentige Verringerung der jährlichen Neuansteckungen bis zum Jahr 2030 im Vergleich zu 2015. Die Anstrengungen gegen die Erkrankung reichen offenbar nicht aus, um diese Ziele zu erreichen. Noch nie gab es so viele Neuinfizierungen wie im Vorjahr. Rund 10,4 Millionen Menschen infizierten sich 2016. Die meisten Krankheitsfälle wurden in Südostasien verzeichnet, an zweiter Stelle standen afrikanische Regionen. Der schnellste Rückgang an Neuansteckungen konnte in Europa beobachtet werden. Die Zahl der Tuberkulose-Toten sank leicht bei Menschen ohne HIV/Aids auf 1,3 Millionen. Bei HIV-Infizierten gilt Tuberkulose als aidsdefinierte Krankheit und ist die häufigste Todesursache bei HIV-Betroffenen. Auch hier ist ein leichter Rückgang zu erkennen: 374.000 HIV/Aids-Kranke starben an Tuberkulose. Klare Einwirkungen auf die Epidemie beinhalten die Faktoren Armut, HIV-Infektionen, Unterernährung und Rauchen.

Steigende Resistenz gegen Medikamente

Problematisch ist die steigende Medikamentenresistenz bei Betroffenen. Bei rund 490.000 Neuinfizierten zeigen die Medikamente keine Wirkung. Die Mehrheit der durch Tuberkulose verursachten Todesfälle könnte durch eine frühe Diagnose und eine angemessene Behandlung verhindert werden, so die Autoren des WHO-Berichts. Millionen Menschen werden jährlich diagnostiziert und erfolgreich behandelt. Damit wurden im Zeitraum von 2000 und 2016 rund 53 Millionen Tode abgewandt. Obwohl 85 Prozent mehr gefährdete Kinder unter dem Alter von 5 Jahren präventive Behandlung erfuhren als im Jahr zuvor, machten das nur 13 Prozent aller Kinder aus, die diese Behandlung dringend benötigen würden. Viele Patienten stecken sich schon als Kinder an, da sie die Erreger einatmen, die durch das Ausatmen Infizierter in die Luft gelangen.

Zwar stiegen die finanziellen Investitionen in Behandlungen und Präventionen über die letzten zehn Jahre, trotzdem herrsche immer noch eine große Lücke zwischen dem Erkennen und Behandeln der Erkrankung, so die WHO. Zu langsam sei die Entwicklung neuer Medikamente und Tests. Da die Erdbevölkerung wachse und die Rate der Neuansteckungen nicht schnell genug falle, sind kaum Fortschritte im Kampf gegen Tuberkulose zu verzeichnen.