Gesundheit

Wie Ängste unser Leben beeinflussen und was wir dagegen tun können

Ängste können unsere Lebensqualität nachhaltig negativ beeinflussen, mit bewusst positivem Denken kann man gegensteuern./ Bild: Fotolia
Wie Ängste unser Leben beeinflussen und was wir dagegen tun können
Paulin Klärner, BA

Angst ist überlebensnotwendig. Ohne sie würden wir in extremen (wie etwa lebensbedrohlichen) Situationen, die rasches Handeln fordern, nicht wissen, wie wir uns verhalten sollen. Jedoch kann sie auch leicht und umbemerkt Überhand nehmen und unser gesamtes Denken, Fühlen und Handeln negativ beeinflussen. Die Angst zu versagen, die Angst nicht gut genug zu sein, die Angst, Dinge zu verpassen, die Angst, alleine zu sein – es gibt zahlreiche Beispiele dafür, wie Ängste uns das Leben schwer machen können. Ob im Kleinen oder im Großen, wie etwa bei ernstzunehmenden, therapiebedürftigen Angststörungen: Ängste sollten ernstgenommen, angesprochen und aufgelöst werden.

Wie wirkt sich Angst auf unsere Psyche aus?

Experten argumentieren, dass Angst die Ausgangsituation für zahlreiche psychische Erkrankungen sein kann – vor allem, wenn sie über lange Zeit ignoriert wird. Es kann demnach leicht passieren, dass wir uns in Angstzustände hineinsteigern, ohne dass eine „reale“ Bedrohung besteht. Besonders wichtig sei es also zu versuchen, zwischen realer und irrealer Angst zu unterscheiden. Eine reale Angst wäre beispielsweise die Angst, dass in meinem Haus eingebrochen wird, wenn bereits bei den Nachbarn eingebrochen wurde, eine irreale Angst wäre umgekehrt die ständige Panik vor ebenjenen Einbrüchen, jedoch ohne jeglichen Bezug zur Realität.

Ängste machen auf Dauer krank

Ängste führen zu Stress und Stress hat wiederum zahlreiche psychische und körperliche Auswirkungen, von Konzentrationsproblemen über körperliche Beschwerden und Schlafstörungen bis hin zu vollkommener Erschöpfung, Panikattacken, Depressionen und vielem mehr. Ängste, die nicht mehr dem Ziel dienen, Probleme zu lösen, sondern durch krankhafte Gedankenspiralen zu quälenden Begleitern im Alltag werden und die Lebensqualität nachhaltig verringern, sollten demnach dringend ernstgenommen werden, um Folgeschäden zu vermeiden.

Was tun, wenn die Ängste Überhand nehmen?

Wer Angst hat, ist automatisch angespannt und unter Druck. Deshalb ist der erste Schritt in Richtung Besserung immer Entspannung. Sich in Situationen zu begeben, von denen man weiß, dass sie einem gut tun, hilft, sich zu beruhigen und das eigene Denken in eine andere Richtung zu lenken. Sich vollkommen auf das Hier und Jetzt zu fokussieren und die kreisenden Gedanken rund um Probleme und Sorgen besser abzuschalten kann beispielsweise mit Sport, guten Gesprächen, einer Meditations-Einheit (hierbei reicht oft schon einfaches Ein- und Ausatmen und die Gedankenschleife „Alles ist gut“) und zahlreichen anderen Taktiken erreicht werden. Psychologin Dr. Kaiser-Rottensteiner erklärt, dass es besonders wichtig sei, „immer einen Schritt auf die Angst zuzugehen“, anstatt sie zu verdrängen oder von ihr davonzulaufen. „Warum macht mir diese Sache so viel Angst?“, „Ist diese Angst auf Tatsachen begründet?“, „Was könnte ich tun, um sie loszuwerden?“ sind Fragen, mit denen man sich seinen Ängsten stellen und ihnen auf den Grund gehen kann.

Ängste keinesfalls betäuben

worried

Kontraproduktiv sei es jedoch, sich durch Ablenkung, Konsum und/oder Suchtmitteln von seinen Problemen abzulenken. Wir Menschen neigen – aus Selbstschutz und weil es als der einfachste Weg erscheint – eher dazu, uns mit „Glücksersatz-Mitteln“ selbst zu therapieren, anstatt uns bewusst mit unseren Ängsten auseinanderzusetzen. Wer seine Probleme betäubt, tut dies jedoch nur vorübergehend. Und meist kommen sie dann in doppelter Intensität zurück an die Oberfläche.

Bewusst Denken

Wer sich immer vor Augen hält, dass die irrationale Angst, die einen gerade quält ein Produkt der eigenen Gedanken ist und auch wieder „abgestellt“ werden kann, nimmt diesem bedrohlichen Gefühl bereits ein Stückchen Macht. Man sollte also versuchen, in Situationen, in denen man sich merklich in negative Gedanken hineinsteigert, zu relativieren, die Gesamtsituation zu bewerten und die subjektive Wahrnehmung als solche zu enttarnen. Positives Denken und die Aktivierung der Selbstheilungskräfte sind in der körperlichen, sowie in der psychischen Genesung zentrale Themen. Im gleichen Ausmaße, wie wir uns mit Ängsten und krankhaften Gedanken in Panikattacken und Depressionen versetzen können, kann bewusstes positives und realistisches Denken dabei helfen, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten und wieder Herr (oder Frau) über die eigenen Gefühle zu werden. „Angst die erlernt wird, kann genauso wieder ent-lernt werden“, erklärt Dr. Kaiser-Rottensteiner.

Experten aufzusuchen ist bei Ängsten immer der richtige Weg

Es gibt zahlreiche verschiedene Angststörungen – von sozialen Phobien, über die Angst vor Krankheiten oder Versagensängsten bis hin zu allgemeiner Ängstlichkeit gegenüber alltäglichen Dingen. Während bei Ängsten, die den Alltag extrem beeinflussen (wie die Angst, das Haus zu verlassen, mit anderen Menschen zu interagieren, sich Menschenmassen zu stellen oder in ständiger Sorge um die eigene Gesundheit zu leben) dringend angeraten wird, mit einem Experten zu sprechen, kann man bei „kleineren“ Problemen mit der Angst selbst tagtäglich an sich arbeiten. Und wie bei beinahe jedem Problem, egal ob psychisch oder physisch, gilt auch hier: Erkennen, Ansprechen und Ernstnehmen sind die ersten Schritte in Richtung Besserung. Experten aufzusuchen, um über die eigenen Ängste zu sprechen ist jedoch (auch wenn sie einem klein und unwichtig erscheinen) niemals der falsche Weg – und umso früher man sich mit der eigenen Psyche und den zahlreichen Wegen, sie in einem gesunden Gleichgwicht zu halten auseinandersetzt, desto höher ist die Lebensqualität.