Gesundheit

Wie der Darm das Immunsystem steuert

Ein gesunder Darm ist die Voraussetzung für ein starkes Immunsystem./ Bild: Fotolia
Wie der Darm das Immunsystem steuert
Paulin Klärner, BA

Dass der Darm für eine der wichtigsten Funktionen unseres Körpers verantwortlich ist, nämlich aufgenommene Nahrung zu verdauen und in für unseren Organismus sinnvolle Stoffe umzubauen, ist wohl weithin bekannt – wenn es jedoch um seine zentrale Rolle für unser allgemeines Wohlbefinden geht, gibt es aber noch Aufklärungsbedarf. Denkt man an das menschliche Immunsystem, kommt so vermutlich nur den wenigsten sofort der Darm in den Sinn. Das mangelnde Wissen und die fehlende Bereitschaft, sich offen mit dem Thema auseinanderzusetzen, rührt wohl von der Tatsache her, dass der Darm mit all seinen (großartigen) Funktionen in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu-Thema ist. Ein offener Umgang mit der Thematik, wie etwa in Giulia Enders‘ Bestseller „Darm mit Charme“ und Darmgesundheits-Schwerpunkten in den Medien, tragen Schritt für Schritt dazu bei, dass das Wunderwuzzi-Organ die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.

Darm gut, alles gut!

In den rund acht Metern des menschlichen Darms, genauer gesagt auf seiner Oberfläche, der Darmschleimhaut, sind etwa 70-80% aller Immunzellen beheimatet. Der Großteil der körperlichen Abwehrreaktionen findet somit hier statt, was den Verdauungstrakt quasi zum Zentrum unseres Immunsystems macht. Hier sorgen die „guten“ Bakterien für ein ausgeglichenes Verhältnis der Mikroorganismen und dafür, dass pathogene (krankheitserregende) Bakterien nicht überhandnehmen. So ist es auch wenig verwunderlich, dass das Immunsystem ins Straucheln gerät, wenn es dem Darm nicht gut geht. Ist die Darmflora (WG aller Mikroorganismen, die im Darm leben) durch falsche Ernährung, Medikamente oder Stress geschwächt, wirkt sich das auf den gesamten Organismus aus. Umgekehrt gilt: Ist der Darm gesund, kann es unser Immunsystem viel leichter mit Krankheitserregern aller Art aufnehmen.

Verda(r)mmt!

Verda(r)mmt!

Hautprobleme, Pilzinfektionen, Allergien, zahlreiche chronische Erkrankungen und viele weitere Beschwerden können auf eine gestörte Darmflora zurückgeführt werden. Oftmals dauert es jedoch lange, bis der beleidigte Darm als Ursache für solche und ähnliche Symptome erkannt wird. In der Naturheilkunde wird dem Verdauungstrakt schon lange Zeit mehr Beachtung geschenkt und folglich mit unterschiedlichen Methoden versucht, dieses komplexe System im Gleichgewicht zu halten. Eine Disharmonie im Darm und somit eine Schwächung des Immunsystems wird vor allem in der ganzheitlichen Medizin als Hauptursache für chronische Entzündungsprozesse aller Art verantwortlich gemacht wird.

Die Feinde der Darmflora

Schätzungsweise leben im Darm bis zu 100 Billionen Bakterien. Die sensible Darmflora hat viele Feinde. Hierzu zählen vor allem ungesunde Ernährung, Medikamente, Stress und ein unausgeglichener Säure-Basen-Haushalt des Körpers. Was Medikamente betrifft, wird das Darmmilieu vor allem mit Antibiotika-Therapien, die darauf abzielen, gefährliche Bakterien abzutöten, durcheinandergebracht – bei diesem Prozess müssen nämlich auch alle „guten“ Bakterien daran glauben. Deshalb raten Ärzte, während der Einnahme von Antibiotika zu einer zusätzlichen Probiotika-Therapie, also einer Zufuhr von lebenden Mikroorganismen, um die Darmflora während dieser Phase bestmöglich zu unterstützen. Neben Medikamenten, wie dem hochaggressiven Kortison, zählt vor allem Zucker zu den größten Feinden unseres Verdauungsapparats – umso mehr vom süßen Gift in den Darm gelangt, desto schneller können sich zuckerliebende Pilze und Parasiten ausbreiten und ihr Unwesen treiben.

Eine Wohltat für den Verdauungsapparat

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Will man dem Darm eine gesunde Basis und damit eine gute Grundlage für seine zahlreichen komplexen Aufgaben bieten, ist das Stichwort laut Ernährungsexperten „basische Ernährung“. So sollten zumindest stets mehr basische als säurebildende Lebensmittel auf dem Speiseplan stehen. Auch entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren, sowie Milchsäurebakterien-haltige Lebensmittel sind tatkräftige Unterstützer einer gesunden Darmflora. Außerdem sollte man sich allgemein an folgende 3 Regeln halten: 1. In Ruhe essen und gut kauen; 2. Nicht zu spät essen, so dass der Darm in der Nacht genug Zeit hat, sich zu erholen; 3. Lebensmittel schonend gahren, anstatt zu oft zu braten und zu frittieren.