Gesundheit

Wie sich Depressionen auf das Gehirn auswirken

Depressionen können auch unsere Gehirnregionen nachweisbar beeinflussen. / Bild: Fotolia
Wie sich Depressionen auf das Gehirn auswirken

Depressionen gelten als Volkskrankheit und gerade in der kalten und dünkleren Jahreszeit sind besonders viele Menschen von einer Winterdepression (SAD) betroffen. Charakteristisch ist neben einem Gefühl von Traurigkeit auch oder vor allem ein Gefühlszustand der inneren Leere, sowie der Entscheidungsunfähigkeit, begleitet von Antriebs- und Hoffnungslosigkeit. Auch somatische Beschwerden wie das Gefühl, gelähmt zu sein, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit gehen häufig mit den psychischen Beschwerden einher. Dieses Befinden hält in der Regel zwischen mehreren Tagen die Woche und unbehandelt sogar Jahren an. Doch Depressionen wirken nicht nur auf unsere Psyche und unser subjektives Empfinden: Forscher konnten nachweisen, dass Depressionen das Gehirn in seinen neuroanatomischen Strukturen nachweisbar verändern können.

Auswirkungen auf die Gehirnstruktur

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In Bezug auf die Depression spielen drei Bereiche des Gehirns einen nennenswerte Rolle:

  1. Der Hippocampus: Dieser ist in der Nähe des Gehirnzentrums lokalisiert, speichert Erinnerungen und ist für die Regulation der Cortisol-Produktion zuständig. Das „Stresshormon“ Cortisol wird vor allem bei körperlichen oder psychischen Stressreaktionen ausgeschüttet – jedoch auch bei Depressionen. Werden aufgrund dieses chemischen Ungleichgewichtes übermäßige Mengen an Cortisol abgegeben, kann sich dies nachhaltig auf das Gehirn auswirken. Denn mit erhöhten Cortisolwerten kann die Produktion neuer Gehirnzellen verlangsamt werden: Als Folge können Speicherprobleme und damit Gedächtnisstörungen auftreten.
  2. Der präfrontale Kortex: Dieser befindet sich im Gehirn ganz vorne und ist für die Regulierung von Emotionen, die Entscheidungsfähigkeit sowie die Konstruktion von Erinnerungen verantwortlich. Ebenso wie beim Hippocampus hat eine übermäßige Cortisolproduktion auch ein Schrumpfen des präfrontalen Kortex zur Folge.
  3. Die Amygdala: Die Amygdala – oder der Mandelkern – ermöglicht emotionale Reaktionen wie Angst, Freude oder auch Lust. Bei einer Depression erhöhte Cortisolwerte sorgen für eine vermehrte Aktiviät und Vergrößerung des Mandelkerns. Diese Hyperaktivität führt zusammen mit anderen Gehirnregionen zu Störungen im Schlaf-/Wachrhythmus und Aktivität. Ebenso kann ein überaktiver Mandelkern zur Ausschüttung weiterer Hormone führen, was ein hormonelles Ungleichgewicht bedingt.

Therapie als Umkehrlösung

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Forscher schließen aus ihren Beobachtungen demnach, dass vor allem der erhöhte Cortisolspiegel Auswirkungen auf die Veränderungen der Gehirnstruktur sowie der chemischen Gehirnaktivität nimmt. Die gute Nachricht: Die durch die Depressionen veränderten Gehirnstrukturen sind durch eine Therapie der Depression reversibel. Wird der Cortisollevel wieder in Balance gebracht, können die Veränderungen der Gehirnstruktur wieder umgekehrt werden.  Dies kann etwa durch Psychotherapie oder bei mittelschwerer bis schwerer Depression durch die Einnahme von Antidepressiva geschehen.