Gesundheit

Wie uns Mässigung dauerhaft glücklich machen kann

Schon in der Antike wurden Tugenden wie Gerechtigkeit, Tapferkeit, Klugheit, Weisheit und Mäßigung hochgehalten./ Bild: Fotolia
Wie uns Mässigung dauerhaft glücklich machen kann
Paulin Klärner

Schon die großen Philosophen der Antike haben sich mit der Frage beschäftigt, wie der Mensch langfristig glücklich werden bzw. bleiben kann. Ein Lösungsansatz war, mit dem richtigen Maß zu leben. Doch das muss – wider der Meinung vieler Kritiker – nicht bedeuten, dass man sich im Genießen vollkommen einschränken und sich von einer Idee dessen, was richtig und was falsch ist, bevormunden lassen muss. Vielmehr soll der Genuss durch die Mäßigung noch intensiver wahrgenommen werden, da man das bewusst gewählte Genießen stärker wahrnimmt. Platon setzte die Mäßigung als Tugend sogar mit der Selbsterkenntnis gleich. Das richtige Maß zu finden kann sich demnach extrem positiv auf jeden Aspekt unseres Lebens auswirken.

Kurzer Kick vs. langanhaltende Glückseligkeit

hedonism

In unserer schnelllebigen Gesellschaft, in der jeder Wunsch nur einen Klick oder einen kurzen Fußweg vom nächsten Geschäft oder Bankomat entfernt ist, fällt die Mäßigung freilich schwer. Der Überfluss hat uns längst im Griff, bewusstes Genießen in Maßen ist eine seltene Fähigkeit geworden. Trotzdem kann man sich mit vermeintlich unbedeutenden, alltäglichen Dingen relativ einfach in Mäßigung üben. Die antike Tugend lässt sich nämlich auf beinahe jeden Lebensbereich anwenden. Ob man sich vornimmt, Genussmittel mit Maß und Ziel zu sich zu nehmen, sich beim Konsum von materiellen Dingen zurückzunehmen oder sich im Miteinander mehr Freiräume zu nehmen beziehungsweise zu geben und die Liebe in Maßen zu genießen – Mäßigung ist eine universal anwendbare Lebensphilosophie.

Mässigung ist gesund

Leben im rechten Maße wirkt sich freilich auch positiv auf die körperliche und psychische Gesundheit aus. Wer bei der Ernährung, im sozialen Miteinander und im Stressmanagement Maß und Ziel im Auge behält, tut damit Körper und Seele Gutes. Nur so lange zu essen, bis man satt ist, nur so viel Arbeit anzunehmen, wie man sich zutraut und seine Freizeit nur so weit im Vorhinein zu verplanen, dass man noch genug Zeit für sich selbst hat – all diese gesunden Angewohnheiten fallen unter den Begriff „Mäßigung“. Und wer sich selbst mäßigt, merkt schneller, was er wirklich braucht und will und lernt sich und seine Bedürfnisse damit besser kennen.

Mäßigung macht glücklich

happiness

In einer Gesellschaft, in der wir alles haben, was wir brauchen und noch viel mehr, wird es wider Erwarten nicht einfacher, sondern immer schwieriger, glücklich zu sein. Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel meint hierzu im Interview mit dem „plus Magazin“: „Ein Überfluss an Konsum führt dazu, dass die Zufriedenheitswerte nicht mehr weiter ansteigen. Wir haben alles, sind aber trotzdem nicht glücklich.“ Aber was bedeutet Glück eigentlich? Ist es ein fixer Zustand oder ein Prozess, an dem man ständig arbeiten muss? Glaubt man – wie viele Experten – an letzteres, kann Mäßigung ein Ansatz sein, das stetige Streben nach dem Glück ein Stück weit einfacher zu gestalten. Dadurch, dass man sich bewusst im Kleinen einschränkt, wie „Heute trinke ich nur ein Glas Wein„, „Heute kaufe ich diese Tasche nicht. Vielleicht morgen„, „Heute bleibe ich lieber mal alleine„, kann man demnach Selbstkontrolle und das Gefühl, seines eigenen Glückes Schmied zu sein, erfahren.

Mit Mässigung zu einer besseren Welt

Klimawandel, Artensterben, Plastikmeere – Viele Menschen fragen sich, welchen möglichst einfachen und alltäglichen Beitrag sie zu einer besseren Welt leisten können. Vertraut man in die Lehren der antiken Philosophie lautet die Antwort: Bei sich selbst anfangen. Im Leben auf das richtige Maß zu achten, macht demnach auch im großen Ganzen einen Unterschied. Man konsumiert weniger, lebt bewusster, achtet mehr auf Qualität anstatt Quantität und beeinflusst auch sein soziales Umfeld mit diesem achtsamen Umgang mit Menschen, der Natur und ihren Ressourcen.

„Drum lebe mäßig, denke klug. Wer nichts gebraucht, der hat genug“ (Willhelm Busch).