Gesundheit

Wie uns psychologische Effekte im Alltag prägen und was wir daraus lernen können

Es existieren klassische Verhaltensmuster, die sich bei allen Menschen auf der Welt wiederfinden lassen. Die Hintergründe dieser Effekte zu kennen, kann unser Miteinander sehr erleichtern. /Bild: Fotolia
Wie uns psychologische Effekte im Alltag prägen und was wir daraus lernen können

Die Erforschung von verschiedenen Ticks und Reaktionsmustern bzw. Effekten, die hinter unserem Handeln stehen, bildet einen integrativen und auch sehr spannenden Bestandteil der Sozialpsychologie. Anbei haben wir ein paar für wohl alle vertraute, wissenschaftlich untersuchte Effekte, die uns Tag für Tag im Alltag begegnen, näher betrachtet:

Perfekte Nicht-Perfektion: Der Pratfall-Effekt

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Wenn wir uns einmal ganz ehrlich sind, sind es doch genau diese Menschen mit kleinen Macken und Fehlern, die wir ganz intuitiv und liebevoll sympathisch finden. Damit ist auch schon die Kernaussage des „Pratfall-Effekts“, die durch den Psychologen Elliot Aronson postuliert wurde, beschrieben: Menschen, die nach außen hin nicht perfekt erscheinen, erwecken Sympathie bei anderen.  Durchgeführt wurde die Theorie des Pratfall-Effekt in einer Studie, in welcher Aronson die Teilnehmer bat, sich Aufnahmen von Personen anzuhören, welche ein Quiz beantworteten. Einige der Aufnahmen gaben den Klang einer dabei umgekippten Kaffeetasse wider. Auf die Frage an die Studienteilnehmer hinauf, welche der Personen am sympathischsten bewertet wurden, erreichte die Kaffee-Malheur-Gruppe die Spitze der Sympathie. Was man sich daraus mitnehmen kann? Sich ruhig einmal vor sich selbst und auch vor anderen Fehler eingestehen und etwas Druck abbauen, makellos und fehlerfrei durch das Leben gehen zu müssen– entspannt nicht nur, sondern macht auch sympathisch!

Das Paradoxon der Wahl

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Der von den Psychologen Mark Lepper und Sheena Iyengar beschriebene Effekt „The Paradox of Choice“ beruht auf der Erkenntnis, dass „je mehr Entscheidungen wir haben, desto unwahrscheinlicher ist es, dass wir mit unserer Entscheidung zufrieden sind“. Dies beginnt oft schon bei kleinen Entscheidungen, die noch nicht so viel Reuegefühl nach sich ziehen. Spürbar wird dies oftmals im Alltag, wenn wir vor einem Supermarktregal voller ähnlicher Produkte stehen. Im Nachhinein grübeln wir häufig nochmals darüber nach, ob nicht doch das andere Produkt das bessere gewesen wäre und bereuen die Entscheidung. Getrübt wird unser Glück mit der getroffenen Wahl auch durch den zusätzlichen Stress und Aufwand, sich entscheiden zu müssen. Was man sich davon mitnehmen kann? Wenn möglich, die Wahlmöglichkeiten selbst so gut es geht, einschränken und sich eingestehen, dass wohl fast alle Entscheidungen grundsätzlich ihre Vor- und Nachteile mit sich bringen.

Der Bystander-Effekt

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Dieser Effekt ist aus sozialwissenschaftlicher Sicht besonders spannend und zeigt auch etwas Wichtiges auf: Je mehr Personen jemand anderen in Not erkennen, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Person Hilfe angeboten wird. Bekannt ist dieser Effekt vielen Menschen auch aus einfachen Gruppenarbeiten in der Schule oder an der Uni. Bestehen große Arbeitsgruppen, entziehen sich viele schnell aus der Verantwortung, die Arbeit gerät ins Stocken, Konflikte kommen auf. Von Forschern wird dieser Effekt auch als „Verwirrung der Verantwortung“ beschrieben, da hierbei die Verantwortung, Hilfe zu leisten unbewusst und automatisch auf andere übertragen wird. Beschrieben wurde der Bystander-Effekt im Rahmen einer der Sozialpsychologen Bibb Latane und John Darley durchgeführten Studie. In dieser wurde beobachtet, wie Schüler auf das scheinbare Ersticken eines Kollegen in einer nahen Kabine reagierten. Nahmen sich die getesteten Personen als einzige andere Personen, die Hilfe leisten können wahr, halfen 85% der in Not geratenen Person. Wurde noch eine andere verbleibende Person als Hilfeleister wahrgenommen, sank die Anzahl bereits auf nur mehr 65% an Helfern. Wurde das Gefühl vermittelt, dass mehrere andere Personen Hilfe leisten können, waren es am Ende nur mehr 31%, die dem Kollegen ihre Hilfe anboten. Was man sich von diesem erforschten Effekt mitnehmen kann? Es kann helfen, sich als Hilfesuchender genau an jemand anderen, einzelnen zu richten, um Hilfe zu suchen. Dies mag im ersten Moment eher unserer inneren Intention widersprechen, da man schnell davon ausgeht, in einer Gruppe mehr Menschen zu erreichen – Praxisversuche beweisen jedoch zumeist das Gegenteil.